Elternrat: Wie gehe ich mit Streit unter Geschwistern um?

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Unser heutiger Elternrat von Elterncoachin Alexandra Fresenborg dreht sich um das Thema Streit bei Geschwistern:

„Wir haben zwei Söhne, 5 und 8 Jahre alt. Sie spielen auch gut zusammen, aber noch öfter gibt es Eifersucht, Streit und auch Klopperei. Für uns Eltern ist das nicht immer leicht zu verstehen und auszuhalten. Muss das bei Geschwistern so sein oder wie können wir hier eingreifen und helfen?“

Das rät euch unsere Elterncoachin:

Streit und Auseinandersetzungen zwischen Geschwistern ist in jeder Phase wichtig und gehört zur Entwicklung dazu. Sie lernen dabei sehr viel: mit unterschiedlichen Gefühlen klarzukommen, verhandeln, argumentieren oder wie man nach einem Streit wieder aufeinander zugehen kann. Allerdings sollten sich die Eltern nicht für jeden Streit und deren Auflösung zuständig fühlen. Das könnte unter Umständen kontraproduktiv sein.

In letzter Zeit verschärft sich das Streitpotenzial unter den Geschwistern geprägt durch die gegebenen Corona-Rahmenbedingungen, die alle Familien eiskalt und ohne Vorbereitung erwischt hat. Die Nerven liegen blank und es müssen Strategien her, die mehr Ruhe und Gelassenheit bedeuten.

Kinder verstehen

1. Unterschiedliche Wahrnehmungen. Kinder empfinden Konflikte meist nicht so heftig, wie sie ausgetragen werden. Das zeigt sich daran, dass nach der Hochphase der Eskalation (zu) schnell Einvernehmlichkeit herrscht, meist kein Klärungsbedarf mehr gewünscht wird und (Teil-)Friede herrscht. Anders als wir Erwachsenen sind Kinder nach einem Streit weniger nachtragend und emotionaler involviert.

2. Kindern geht es oft nicht um Lösungen, sondern darum, sich durchzusetzen. Sie merken dies immer daran, dass Sie versuchen, einen Geschwisterstreit zu schlichten und alle vorgeschlagenen Lösungen und Argumente von den Kindern einfach weggewischt werden. Dann geht es nicht um Lösungen, sondern um Emotionen. Aus Frustration, egal aus welcher Quelle, möchte sich ein Kind durchsetzen. Hier gilt: “Sind die Emotionen hoch: schweigen, schweigen, schweigen“. Alles andere befeuert die Emotionen zusätzlich. Meist hält es sich in der Waage, mal kann sich das eine Kind durchsetzen, mal das andere Kind. Für die Kinder ist das okay.


3. Nicht zu schnell eingreifen. Kinder lieben es, zu experimentieren. Im Streit möchten sie Vieles ausprobieren. Deshalb müssen wir Erwachsene ein Feeling entwickeln, ab wann die Kinder es schaffen, die Auseinandersetzung alleine zu lösen und ab wann wir eingreifen sollten. Erstmal, so schwer es auch fällt, abwarten. Spätestens dann, wenn Kinder in der Wut wild um sich schlagen, dann ist ein Zeitpunkt erreicht, aus dem die Kinder alleine nicht mehr aus dem Geschwisterstreit herauskommen und unsere Unterstützung brauchen.

Unsere Aufgabe als Eltern

1. Immer ein gutes Vorbild sein! Fragen Sie sich, wie Sie als Eltern Konflikte lösen, was Ihre Streitkultur ist. Kinder orientieren sich daran.

2. Vertrauen darin legen, dass die Kinder ihren Streit allein lösen können, d.h. nicht zu schnell Hilfe anbieten. Nur, wenn Sie merken, dass es ohne Moderation nicht mehr geht.

3. Ruhig und gelassen bleiben und nicht in die Eskalationsspirale mit einsteigen. Oft werden unsere Werte mit angesprochen und verletzt z.B. älteres Kind schlägt kleineres Kind. Das ist dann aber unser Gefühl und nicht mehr das Problem der Kinder.

4. Die kindlichen Bedürfnisse hinter dem Zank erkennen und darauf eingehen (z.B. mitspielen wollen).

5. Kinder im Lösungsprozess begleiten.

Was Sie im Vorfeld tun können

1. Grundsätzlich keine Vergleiche zwischen den Kindern ziehen. Dann ist die Grundlage entzogen, besser als der Andere sein zu wollen und sich immer durchsetzen zu müssen.

2. Immer wiederkehrende Streitpunkte umschiffen. So banal es klingt, auch die Anzahl der Kirschen genau auszählen. Kaufen Sie gleiche Becher, wenn das beispielsweise immer wieder ein Streitpunkt ist.

3. Immer wieder Familiengeschichten erzählen und die Vorzüge, dass man ein Geschwisterkind an seiner Seite hat, hervorheben. Gemeinsam hat man Positives geschafft, Spaß gehabt usw.

4. Ungeteilte Zeit schenken. Jedes Elternteil verbringt nur mit einem Kind alleine etwas Zeit. Dann hat das Kind Ihre gesamte Aufmerksamkeit und das ist schön. Dann muss es sich nicht über den Streit die Aufmerksamkeit holen.

In der Streitsituation

1. Hören Sie genau zu und hören Sie sich alle Streitpunkte der Geschwister in Ruhe an. Bitten Sie darum, dass das andere Kind nicht unterbricht.

2. Trennen Sie vorübergehend die Kinder. Oft hilft es, wenn sich die Kinder in unterschiedlichen Spielbereichen aufhalten.

3. Bleiben Sie bei einem Geschwisterstreit immer neutral!!!

4. Suchen Sie nach gemeinsamen Lösungen.

Sprechen Sie sich immer selbst Mut zu und erkennen Sie, dass die Situation nicht immer einfach ist. Suchen Sie sich die Unterstützung bei Ihrem Partner oder in der Familie. Wenn es möglich ist, nehmen Sie sich eine Auszeit nur für sich und tanken Sie auf. Die Rahmenbedingungen können Sie nicht ändern, aber Ihre Einstellung.

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