Tipps fürs Homeschooling / Distanzunterricht während des Corona Lockdowns

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Homeschooling heißt nun offiziell “Distanzunterricht” – das ändert aber nichts daran, dass dieser durch den Lockdown bedingte “Unterricht von zu Hause” für uns Eltern eine enorme Herausforderung ist. Wir sind keine ausgebildeten Pädagogen oder Experten in den Fächern. Wir haben oft auch die Geschwister zu betreuen. Wir haben selbst einen Job, der “nebenbei” erledigt werden muss oder für Essen auf dem Tisch sorgen. Damit ihr daran nicht verzweifelt, haben wir hier 15 Tipps fürs Homeschooling für euch zusammengestellt.

Lasst euch auf die Situation ein

Ja, so ein Lockdown ist blöd. Wir vermissen alle unser gewohntes Leben. Wir haben schon einen Beruf und möchten nicht auch noch Lehrer:in oder Kindergärtner:in sein. Wir machen uns Sorgen. Aber es geht um unser wichtigstes Gut, die Gesundheit. Lockdown und Homeschooling sind nicht zu ändern und so bringt es nichts, zu jammern, andere zu beschimpfen oder auszuflippen. Auch die Kinder können nichts dafür und würden lieber mit ihren Freunden zusammen sein als mit euch. Aber ist es nicht gut, dass ihr euch zu Hause vor dem Virus “verschanzen” könnt? Also macht gemeinsam als Familie das Beste draus und versucht, positiv durch die Situation zu kommen. Ihr müsst nicht perfekt sein, aber ihr schafft das schon und irgendwann hat es ein Ende, versprochen!

Macht euch einen Tagesplan

Tägliche Routinen sind wichtig, um den Kindern (und auch euch) eine Struktur zu geben. Kinder lieben es zu wissen, was als nächstes passiert, und so muss nicht immer wieder neu diskutiert werden, was wann gemacht wird. Überlegt euch mit den Kindern zusammen in einem Tagesplan, wie ihr die tägliche Zeit einteilen und nutzen wollt. Gerade jüngere Kinder haben noch nicht viele vorgegebene Termine für Videokonferenzen und so könnt ihr unabhängig von den normalen Schulzeiten den Unterricht machen. Genießt es, dass nicht alle um 7 Uhr gestriegelt an der Haustür stehen müssen, sondern lasst sie etwas länger schlafen und frühstückt zusammen in Ruhe. Bei uns genügt es zum Beispiel, um 9 Uhr mit dem Homeschooling anzufangen. Plant für euren Tagsplan auch Zeit draußen, “Ich-Zeit”, Spielzeit und gemeinsame Zeit ein und schreibt alles bunt auf einen großen Zettel (gern mit Bildern dazu). Die nächsten Tage werden zeigen, ob es so funktioniert – sonst passt den Plan nochmal zusammen an. → 15 witzige Spielideen für drinnen

Richtet den Arbeitsplatz ein

Die meisten Kinder haben zwar einen Schreibtisch im Kinderzimmer, vielleicht ist es aber sinnvoller, wenn sie gemeinsam mit euch in der Küche sitzen oder ihr den Schreibtisch ins Wohnzimmer nebenan holt. Die meisten Kinder sind nicht gern allein und natürlich auch nicht gewohnt, selbstständig Unterricht zu machen. Oft funktioniert es besser, wenn sie in eurer Nähe sind und ihr könnt schnell zwischendurch Fragen beantworten und müsst nicht permanent hin- und herlaufen.

Legt neben dem Arbeitsplatz alles bereit, was ihr fürs Homeschooling braucht (z.B. auf unterschiedlichen Stapeln sortiert nach den Fächern) und nehmt dann auf den Platz nur die Sachen, die ihr für das aktuelle Fach braucht. Sorgt für eine gute Beleuchtung. Ablenkungen wie Spielzeug haben auf dem Schreibtisch nichts zu suchen.

Atmet tief durch – immer wieder

Der wahrscheinlich wichtigste Tipp überhaupt: Ruhe bewahren. Gerade am Anfang müsst ihr euch alle erst (wieder) an die Homeschooling Situation gewöhnen. Ihr als Eltern müsst euch auf die Kinder einlassen und euch in Geduld üben und die eigenen Aufgaben zunächst zurückstellen. Anderenfalls wird es schnell in Stress, Geschrei und Türenknallen eskalieren und zwar auf beiden Seiten. Denkt daran, dass die Kinder so wie ihr nichts für den Lockdown und den Distanzunterricht können und es für sie auch nicht einfach ist. Nehmt euch Zeit und Ruhe, nach ein paar Tagen wird sich alles eingespielt haben und dann ist auch wieder mehr Zeit für euch. Also: Ohmmmmmmm.

Begleitet eure Kinder

Natürlich wär es super, wenn man den Kindern die Homeschooling-Aufgaben einfach hinlegt und sie erledigen alles fleißig allein – funktioniert aber leider nicht, besonders bei den jüngeren Kindern. Schaut euch also zunächst gemeinsam die Aufgaben eines Fachs an und besprecht ruhig, was zu tun ist. Je nach Selbstständigkeit des Kindes bleibt daneben sitzen oder lasst es allein, schaut aber gerade am Anfang alle paar Minuten vorbei. Das Kind starrt Löcher in die Luft oder hat angefangen, zu malen oder zu spielen? Durchatmen, denn das ist keine Bosheit – jüngere Kinder können sich noch nicht so lange konzentrieren und haben noch kein “Pflichtbewusstsein”. Fragt mit ruhiger Stimme, wo es gerade ist und steigt dann zusammen wieder in die Aufgabe ein.

Ist eine Aufgabe erledigt, hakt sie mit einem Stift ab oder streicht sie durch, das ist ein gutes Gefühl! Ihr könnt auch alle Tagesaufgaben auf Zettel schreiben (z.B. Mathe, Deutsch, Geschichte, 10 Minuten Gitarre üben) und dann vom “zu erledigen”-Stapel auf “erledigt” packen oder durchreißen.

Macht ausreichend Pausen

Eine normale Schulstunde mit 45 Minuten kann für Kinder echt lang sein und danach solltet ihr auf jeden Fall eine Pause von 10 Minuten einplanen – oder die Stunden kürzer machen, wenn es für euch besser ist (eine Uhr/Wecker helfen dem Kind bei der Einschätzung der Zeit). Nach zwei Unterrichtseinheiten solltet ihr eine längere Pause machen, das ist nicht ohne Grund in der Schule auch so. Meist ist es nicht sinnvoll, in den Pausen mit Spielen anzufangen, denn dann finden die Kinder nur schlecht raus und in den Unterricht wieder herein.

Ideen für die Pause:

  • Öffnet das Fenster.
  • Macht Lockerungsübungen für den Kopf, Arme, Schultern und Hände – das kann auch uns krummgesessenen Erwachsenen nicht schaden.
  • Macht kleine Wettbewerbe: Wer schafft die meisten Hampelmänner, Kniebeuge oder Liegestütze?
  • Trinkt ausreichend, das ist wichtig fürs Gehirn.
  • Esst einen kleinen Snack für neue Energie (z.B. geschnittenes Obst, Müsliriegel o.Ä.).
  • Macht ein Lied an und tanzt wild dazu.
  • Pustet Seifenblasen aus dem Fenster.

Trefft Vereinbarungen

Ihr Eltern müsst zu einem bestimmten Zeitpunkt ein wichtiges Telefonat führen oder in eine Videokonferenz? Besprecht das mit euren Kindern und sagt klar, dass ihr in dieser Zeit nicht gestört werden dürft, aber danach Zeit für sie habt und z.B. gemeinsam etwas spielt oder vorlest. Je nach Länge und Wichtigkeit der Konferenz sind natürlich auch Ablenkungen wie Hörspiele, Filme, Videospiele o.Ä. erlaubt, hier müsst ihr einfach pragmatisch sein.

Wechselt euch beim Homeschooling ab

Wenn beide Eltern zu Hause sind, wechselt euch beim Homeschooling oder der Kinderbetreuung ab, so dass einer abwechselnd arbeiten kann. Das ist natürlich nicht so einfach, wenn es Geschwisterkinder gibt oder ihr alleinerziehend seid. Vielleicht kann ein:e Freund:in oder Verwandter ab und zu einspringen? Das geht auch per Videokonferenz oder Telefonat, wenn Oma z.B. ein Buch vorliest. Habt ihr einen befreundeten Klassenkamerad:in in der Nähe wohnen, lässt sich hier vielleicht auch eine 2er-Lerngemeinschaft bilden und ihr betreut die Kinder abwechselnd.

Nutzt digitale Bildungsangebote

Ihr sollt eurem älteren Schulkind Unterrichtsstoff erklären, den ihr selbst nicht versteht oder euch nicht mehr erinnern könnt? Dann schaut mal bei YouTube, hier gibt es viele super gemachte Erklärvideos.

Auf eurem Lehrplan steht leider nichts von Dinosauriern, Vulkanausbrüchen oder Cleopatra? Dann packt es einfach drauf! Es gibt tolle Lernfilme als kostenlose Streaming-Angebote. Eure Kinder werden es lieben und lernen spannende Sachen – und ihr habt eine Stunde Ruhe, um euren eigenen Aufgaben nachzugehen.

Ideen:

Haltet trotz Distanzlernen Kontakt zu Lehrern und Mitschülern

Kinder brauchen andere Kinder, nicht nur zum Spielen, sondern auch zum Lernen (ein Grund, was das isolierte Homeschooling so schwierig macht, denn Kinder können sich in der Gruppe viel besser motivieren). Nutzt daher alle digitalen Kontaktangebote, die euch von den Lehrer:innen gemacht werden, z.B. Videokonferenzen. Trefft selbst Verabredungen mit anderen Kindern “zum Quatschen”. Bittet die Lehrkräfte um Kontakt per Telefon oder Video oder schickt mit euren Kindern eine Mail, Video- oder Sprachnachricht. Trefft andere Kinder – je nach Corona-Situation in eurem Ort natürlich am besten draußen und immer mit den gleichen ein oder zwei Freunden.

Lasst auch kleinere Geschwister “arbeiten”

Wer neben dem Schulkind noch ein Kindergartenkind oder Kleinkind zu Hause hat, hat eine umso größere Herausforderung. Denn auch die brauchen Spielkameraden und möchten nicht allein in der Ecke sitzen und “ein Buch lesen”, während ihr euch mit dem Schulkind beschäftigt. Gebt ihnen auch altersgemäße “Arbeits”aufgaben, die sie eine Weile fordern. Kleinere Kinder könnten z.B. Dinge nach Farben sortieren (z.B. Quetschi-Deckel, Wäscheklammern), aus Bausteinen einen Turm oder eine Schlange bauen oder Bücher ins Regal räumen.

Ideen:

  • Stecken mit Bügelperlen, das Zubehör ist günstig und vielfältig und hier gibt es auch große “Maxi”-Perlen, die für kleinere Hände gut geeignet sind
  • Malen nach Zahlen
  • Vorschul- und Rätselbücher machen Spaß und fördern!
  • Bastelbücher nutzen – hier gibt es super Bücher für kleine und große Kinder
  • kostenlose Ausmalvorlagen
  • Knete (z.B. mit einer Flasche die Knete ausrollen lassen und mit Plätzchenformen ausstechen)
  • Puzzles (Tipp: schaut bei eBay Kleinanzeigen nach günstigen gebrauchten Angeboten)
  • ein Sack voller Duplo- oder LEGO-Steine (ebenfalls gut bei eBay und eBay Kleinanzeigen)
  • … und natürlich Hörbücher

→ zu unseren Lockdown-Beschäftigungsideen für Kita-Kinder

Ladet nach dem Homeschooling eure Akkus auf

Schulaufgaben für heute fertig? Dann macht erstmal gemeinsam etwas “Schönes”. Rausgehen und bewegen ist (für Kinder und Erwachsene!) enorm wichtig, um einen Ausgleich zu schaffen, Stresshormone abzubauen und frische Luft zu tanken. Macht einen Spaziergang, fahrt Rad, Roller oder Inline Skates, spielt Fußball, Verstecken oder Fangen.

Auch gemeinsames Vorlesen, Kuscheln, Kochen oder Backen, Gesellschaftsspiele oder Basteln sind super, um eine gute Verbindung mit euren Kindern einzugehen (damit sie euch nicht nur als “Schulantreiber” wahrnehmen).  In unseren Beiträgen zu “10 Tipps gegen den Corona-Lagerkoller” und “15 witzige Spielideen für drinnen” findet ihr weitere Ideen.

Nichts geht mehr? Sucht euch rechtzeitig Hilfe!

Trotz aller Bemühungen wächst euch das mit dem Homeschooling alles über den Kopf? Bevor ihr durchdreht, es zum Dauerkrieg oder häuslicher Gewalt kommt, holt euch Hilfe! Schaut in euren Gemeinden nach Hilfsangeboten, viele bieten unabhängige Hilfsangebote fürs Homeschooling, die Kinderbetreuung, Essensversorgung und mehr. Im Familienportal der Bundesregierung findet ihr Informationen zu finanziellen und emotionalen Hilfsangeboten. Vertraut euch befreundeten Eltern an. Nutzt die Telefonseelsorge, um euch anonym einmal alles von der Seele zu reden.

Wir hoffen natürlich wie ihr, dass das Thema Homeschooling und Distanzunterricht nicht zum Dauerthema werden. Solange wünschen wir euch viel Kraft, Ausdauer und Geduld!

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