Elternrat: Ich möchte nicht mehr wütend werden!

Elternrat Eltern wütend

Unser heutiger Elternrat von Elterncoachin Alexandra Fresenborg dreht sich um das Thema Wut bei Eltern und folgende Frage:

„Morgens, bevor ich meine Tochter in den Kindergarten bringen möchte, wirft sie sich auf den Boden und schreit. Sie zieht ihre Jacke nicht an und lässt sich auch nicht helfen usw. Die Zeit wird immer knapper. Ich werde wütend, schreie sie an. Erst langsam beruhige ich mich wieder und dann tut mir alles unendlich leid…. Wie kann ich meine Wut in den Griff bekommen?“

Die Wut gehört zum Erziehungsalltag dazu. Wir dürfen wütend sein, müssen uns aber frühzeitig stoppen, wenn aus der Wut negative Handlungen erfolgen. Man muss sich die Wut wie eine kleine Treppe von 0 bis 180 vorstellen. Bis 100 hat die Wut eine positive Intention, alles, was danach kommt, zerstört und ist grenzüberschreitend und verletzend. Deshalb wäre es gut, im Vorfeld an den Exit-Strategien zu arbeiten, damit man bei 100 aussteigen kann und keine negativen Handlungen folgen.

Der Auslöser für die Wut kann vielfältig sein. Sehr oft stehen Mütter und Väter unter einem enormen Druck, alle Aufgaben unter einen Hut zu bringen. Im Elternkurs erlebe ich oft eine Erleichterung und Offenheit, wenn es einen Raum gibt, sich darüber auszutauschen, um dann zu merken, dass es auch anderen genauso geht. 

Erst im Gespräch über Emotionen und über die Wut kann ein gegenseitiges Verständnis helfen, zur eigenen Wut eine andere Einstellung zu bekommen und bestenfalls versöhnlicher mit sich selbst umgehen zu können.

Erste-Hilfe-Paket: Was kann ich tun, wenn ich wütend bin? 

  1. Abstand gewinnen kann manchmal sehr hilfreich sein: Kleine Kinder sichern (z.B. Laufstall) und aus dem Raum gehen. 
  2. Atmen, atmen, atmen und an nichts denken. Durch ein bewusstes Atmen wird die Fähigkeit gefördert, wieder ruhig und überlegt handeln zu können.
  3. Bewegung hilft. Um den inneren Stress abzubauen, z.B. kurz um den Block gehen. (Den Kindern Bescheid geben, dass man kurz an die Luft ist und gleich wieder da ist. Kleine Kinder nicht unbeaufsichtigt lassen.)
  4. Keinen weiteren Druck aufbauen und eingestehen, dass man wütend sein darf.
  5. Frühzeitig Hilfe und Unterstützung holen, ggf. den Partner bitten, einzuspringen.
  6. Positiv über sich selbst denken und positiv mit sich selbst reden.

Was kann ich im Vorfeld tun?

  1. Den eigenen Anspruch an sich herunterschrauben. Es geht nicht darum, die perfekte Mutter bzw. der perfekte Vater zu sein.
  2. Fehler machen ist in Ordnung!!! Gemachte Fehler akzeptieren und beim nächsten Mal besser/anders machen.
  3. Prioritäten setzen. Es lässt sich nicht immer alles unter einen Hut bringen, deshalb muss man manchmal Abstriche machen.
  4. Zeitdruck und Stress vermeiden.
  5. Grenzen setzen und Kinder um Kooperation bitten.
  6. Insgesamt das Leben entschleunigen, bzw. Alltagsruhezonen schaffen.
  7. All das zu tun, was eine innere Balance herstellt oder erhält (z.B. Sport, Zeit für sich selbst, Gespräche mit Freunden).

Was kann man nach einem Wutanfall tun?

Sind die Emotionen hoch: schweigen, schweigen, schweigen Das heißt, zunächst einmal müssen sich alle beruhigen, um dann mit einem kühlen Kopf agieren zu können. 

  1. Situation genau analysieren.
  2. Sich beim Kind entschuldigen und in einfachen Worten erklären, was Sie wütend gemacht hat.
  3. Mit dem Partner oder mit Freunden/Freundinnen sprechen und sich austauschen. 
  4. Zukunftsorientierte Strategien entwickeln, um einen Wutanfall möglichst zu vermeiden.

Die Wut ist aber auch ein Gefühl, das in vielen Situationen befreiend wirken kann. Denn die Wut zeigt auf, was mich wirklich stört, und sie hilft mir, das auszudrücken, was ich mich sonst nicht getraut hätte, zu sagen. Plötzlich kann ich Statements/eigene Grenzen setzen, Worte finden und eine Klarheit entwickeln, was ich nicht mehr hinnehmen oder aushalten möchte. So kann sie eine starke Kraft sein, Zusammenhänge klarer zu erkennen, um Abhilfe zu schaffen… um dann nicht mehr wütend zu werden.

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Zurück zu Ihrer konkreten Ausgangssituation hier einige erste Tipps: Starten Sie früher in den Tag, um weniger Zeitdruck zu haben, ein Alltag mit Kindern lässt sich nie genau planen. Im besten Fall sind Sie zu früh dran und können vor der Arbeit nochmal durchatmen. Legen Sie Arbeitstermine möglichst nicht an den Anfang des Arbeitstages, um hier etwas Puffer zu haben. Ansonsten atmen Sie durch – ist es wirklich so schlimm, ab und zu 5 Minuten zu spät zur Arbeit zu erscheinen? Falls möglich: Den Partner oder die Partnerin um Unterstützung bitten (bei den morgendlichen Vorbereitungen oder beim Bringen). Die Perspektive des Kindes berücksichtigen: Kinder kennen noch keinen Zeitdruck und haben kein Verständnis dafür. Sie sind vielleicht noch müde, wollen noch spielen oder mehr gemeinsame Zeit mit Ihnen. Die “fehlende Kooperation” ist nicht gegen Sie als Mutter gerichtet. Sofern das Kind alt genug ist, können Sie die tägliche Morgenroutine besprechen (und wirklich wichtig: zeitlichen Druck rausnehmen). Versuchen Sie, ruhig zu bleiben. Kinder reagieren auf Stress mit Stress und alles wird schlimmer. Und siehe alle weiteren Tipps oben – Sie schaffen das

Wir hoffen, diese Tipps können euch weiterhelfen. Hier findet ihr weitere Fragen und Elternrat-Themen rund um das Leben mit Kindern:

Foto: unsplash.com/andreacassani

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