Für’s Baby nur das Beste: nachhaltig und mit wenig(er) Müll

Als unser Baby da war, hat sich viel verändert – zum Beispiel brauchten wir eine deutlich größere Restmülltonne, so sehr quoll sie jede Woche über von Windeln, Wickelunterlagen & Co. Bequemlichkeit ging vor und mit dem Baby nachhaltig zu sein, war noch nicht im Bewusstsein. Viele Dinge würde ich heute anders machen, denn neues Leben und Umweltschutz sollten doch Hand in Hand gehen? Es ist toll zu sehen, dass immer mehr große Firmen wie Pampers sich der Nachhaltigkeit verschreiben und Müll reduzieren und recyceln und nachhaltige Produkte entwickeln. Und in den Drogeriemärkten findet man immer mehr “grüne” Produkte findiger Unternehmen und Start-Ups.

Nach unsere beiden Beiträgen zu Zero Waste im Badezimmer und Nachhaltigkeits-Tipps für Küchenprodukte geht es daher heute mit dem Thema Baby weiter: Wo gibt es umweltfreundliche, aber praktikable Alternativen zu herkömmlichen Produkten? Mit welchen Ideen kann Müll gespart werden? Was ist gut für euer Baby und nachhaltig? Hier kommen unsere Ideen – und wie immer gilt: Auch kleine Babyschritte und erste Änderungen machen einen Unterschied! Sucht euch aus, was für euch am einfachsten umzusetzen ist und ihr werdet merken, nach und nach sucht ihr selbst nach Lösungen für mehr Umweltbewusstsein – denn Nachhaltigkeit macht Spaß!

  • (Hand)tuch statt Einweg-Wickelunterlage
  • Wasser statt Feuchttüchern
  • Nachhaltige Windeln
  • Natürliche Pflege
  • Second Hand statt neu bei Kleidung und Ausstattung
  • Spielzeug einfach selber machen

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(Hand)tuch statt Einweg-Wickelunterlagen

Einweg-Wickelunterlagen erscheinen einem wie eine super Erfindung, bis man eine benutzt, beim kleinsten Schmutz austauschen muss und der Mülleimer allein davon voll ist. Diese Einweg-Wickelunterlagen sind wirklich unnötig und leicht zu ersetzen. Die meisten Wickeltische haben eh schon eine abwischbare Wickelunterlage, ist eure aus Stoff, legt darauf einfach eine wasserdichte Betteinlage (gibt es auch in kleinen Größen) und darauf ein kuscheliges Handtuch, Moltontuch oder Ähnliches und fertig! In Zeiten, wo öfter mal was “daneben” geht, legt unter den Po einfach noch ein kleines Gästehandtuch, dann fällt nicht immer gleich große Wäsche an.

Für unterwegs packt euch ebenfalls einfach ein Handtuch in einer (abwaschbaren) Tüte in die Wickeltasche.

Wasser statt Feuchttücher

Von Feuchttüchern wird euch jede Hebamme abraten. Die allermeisten sind nicht nur schlecht für die Umwelt, sondern auch nichts für Babyhaut (an empfindlichen Stellen!), da sie jede Menge sehr bedenklicher Inhaltsstoffe enthalten. Man merkt es eigentlich schon an der chemischen Duftwolke, die einem von jedem klassischen Feuchttuch in die Nase weht.

Zum Reinigen eures Babys braucht ihr keine Feuchttücher – hier genügt einfaches Wasser! Stellt euch dafür an den Wickeltisch eine kleine Schüssel mit (täglich frischem) Wasser (Profis stellen sich morgens handwarmes Wasser in einer Thermoskanne bereit) . Zum Reinigen nehmt ihr waschbare Tücher. Je nach Zeit und Verfügbarkeit könnt ihr euch diese aus alten Sweatshirts, Jersey-Bettlaken oder Stoffwindeln selbst schneiden/nähen oder ihr kauft euch mehre Sets Baby-Waschlappen, hier gibt es schöne weiche zur Auswahl. Viele der kaufbaren Waschlappen sind recht groß (20-25cm Breite) und ihr könnt sie eigentlich noch kleiner schneiden, so könnt ihr nach jedem Wischen ein neues kleines Tuch nehmen, bis es ganz sauber ist. Am Ende kurz trocken abtupfen und fertig!

Bis zur Wäsche tut die Tücher in ein Eimerchen mit Deckel oder einen Stoffsack/-einkaufsbeutel/Wäschesack, den ihr in der Gesamtheit in die 60-Grad-Wäsche gebt. Crazy: Ihr könnt den Babypo auch einfach am Waschbecken reinigen oder kurz mit dem Duschkopf abbrausen. Abtrocknen und rein in die frische Windel! 🙂

Für unterwegs könnt ihr euch Feuchttücher einfach selbst machen (Anleitung z.B. hier bei smarticular) – da diese aber nur zwei Tage haltbar sind, finden wir das wenig praktikabel. Schaut stattdessen im Drogeriemarkt nach Feuchttüchern mit 99% Wasseranteil (z.B. von babylove, babydream, Lillydoo…) und steckt euch eine Packung für unterwegs in die Wickeltasche.

Nachhaltige Windeln

Lange galten Stoffwindeln als unpraktisch, unhygienisch und unmodern, doch hier entwickelt sich dank moderner Produkte langsam ein Gegentrend. Der Griff zu nachhaltigen Produkten ist ein großer Schritt für die Umwelt. Bei ca. 5.000 Windeln pro Kind bis es trocken ist, füllt sich so manche Mülltonne (laut BMU sind das allein in Deutschland 10 Millionen Windeln pro Jahr bzw. 154 Tausend Tonnen!).

Wer zu Stoffwindeln greift, schont auch seinen Geldbeutel. Zwischen 1.500 und 2.000 Euro legt ihr bei Einwegwindeln für nur ein Kind auf den Tisch! Da kann man schonmal der Stoffwindel eine Chance geben, oder?

“Stoffwindel” = 3 Komponenten

Die modernen Windelsysteme bestehen fast alle aus einer Stoffwindel mit separater Saugeinlage/Windelvlies plus einer Überhose, die alles zusammenhält und nochmals vor dem Auslaufen schützt. Um euch einen Einblick in die Erfahrungen von “Stoffwicklern” zu geben (der uns ja leider fehlt), schaut mal in diesen Beitrag plus Kommentare bei smarticular – hier sind viele Eindrücke zu verschiedenen Herstellern und Tipps mit dabei. Ein weiterer Pluspunkt der Stoffwindel: Die Kinder werden schneller trocken, denn sie spüren die Feuchtigkeit und lernen dadurch eher, was im Körper passiert und warum man auf die Toilette geht.

Bei den gleichen Anbietern könnt ihr meist auch wiederverwendbare Schwimmwindeln kaufen. Und für den Transport der vollen Windel beim Wickeln unterwegs solltet ihr euch ein wasserfestes und waschbares Wetbag besorgen.

“Ökowindeln”

Auf dem Windelmarkt tut sich gerade richtig viel – wie in der Einleitung erwähnt, stellen sich auch große Hersteller wie Pampers den Ansprüchen moderner, umweltbewusster Eltern, den die Konkurrenz schläft nicht! Wenn ihr das nächste Mal Windeln kauft, nehmt euch 10 Minuten Zeit und schaut euch die Alternativen an. In fast jedem Drogeriemarkt gibt es inzwischen umweltfreundliche Hersteller wie ECO by Naty aus Schweden oder Moltex aus Deutschland. Einen Test ist es wert und selbst wenn es nicht tausendprozentig überzeugt wie eure alte Marke – an die Haut eurer Babys kommt keine Chemie mehr und ist das nicht so viel toller als eine Windel, die stundenlang dicht hält, aber voller Erdöl und Plastik ist und der Umwelt schadet?

Natürliche Pflege

Im Drogeriemarkt erwarten euch Regalmeter voller Babypflegeprodukte. Jede Marke hat Waschlotions, Shampoos, Cremes für Gesicht, Körper, Popo und und und… ABER Babyhaut ist besonders empfindlich und weniger ist hier mehr. Fürs Baden verwendet in den ersten Monaten einfach einen Spritzer Olivenöl oder Kokosöl (gibt es in fester Form im Glas bei den Lebensmitteln, z.B. auch im Drogeriemarkt) oder auch Muttermilch.

Für die Hautpflege solltet ihr alle Produkte auf Erdölbasis vermeiden und auf Naturkosmetik zurückgreifen, wir schwören hier für jegliche Pflege auf WELEDA, die Popocreme ist einfach die allerbeste!

Second Hand statt Neuware

… bei Kleidung

Wer ein Baby hat, merkt sehr schnell, dass die Kleinen unglaublich schnell wachsen. Der Kauf nagelneuer Kleidung mag kurz das Herz erfreuen, ist aber weder sinnvoll für euren Geldbeutel noch für die Umwelt. Und da Babys Kleidung nicht wirklich abnutzen, könnt ihr hier super gebrauchte Sachen besorgen. Wer Glück hat, bekommt von Freunden Kleidung weitergegeben, ansonsten schaut bei eurem lokalen Second Hand Kinderläden und Flohmärkten vorbei oder bei den einschlägigen Online-Plattformen (z.B. Mamikreisel, eBay, eBay Kleinanzeigen). Hier werden einzelne Größen oft kartonweise verkauft. Ein weiterer Vorteil: Die Sachen sind schon mehrmals durchgewaschen, so dass Schad- und Farbstoffe schon rausgewaschen sind!

Tipp für euch: Stellt euch neben den Wickeltisch oder Schrank einen kleinen Karton und legt Kleidung, die nicht mehr passt, immer gleich hier rein. Mit Größe beschriften und ab damit auf den Dachboden fürs nächste Kind oder zum Verkauf!

… bei der Baby-Ausstattung

Das Gleiche gilt für die Baby-Ausstattung. Auch hier ist es bei den meisten Dingen nicht sinnvoll, in Neuware zu investieren. Ob Kinderwagen, Babybett, Wickeltisch oder Autositz – schaut als erstes bei eBay Kleinanzeigen, ob in eurer Nähe gebrauchte Sachen angeboten werden. Diese sind meist bestens erhalten und ihr zahlt nur ein Drittel bis die Hälfte des Originalpreises. Und wenn eure Kinder “rausgewachsen” sind, verkauft es einfach weiter.

Soll es doch etwas Neues sein, weil ihr nichts Passendes findet oder die Oma gern etwas Besonderes schenken möchte, so sucht nach “mitwachsenden” Sachen, die sich umbauen lassen und so ein paar Jahre halten. Dies gibt es oft bei Babybetten, die sich oft in mehreren Stufen verstellen lassen und später ohne die Seitenteile zum Kinderbett werden. Weitere typische Sachen sind Kinderstühle oder Babytragen (und auch das gibt es alles gut gebraucht!).


Ähnlich funktionieren Babymöbel, die ihr später gänzlich umfunktionieren könnt. Aus dem Wickeltisch wird eine praktische Kommode, aus dem Beistellbettchen ein Regal oder Schreibtisch…

Spielzeug einfach selber machen

Wenn ihr ein Baby bekommt, merkt ihr ziemlich schnell, dass die Kleinen in den ersten Monaten gar nicht an Spielzeugen interessiert sind. Und später könnt ihr spannende Sachen ganz einfach selbst machen und vorhandene Dinge aus eurem Haushalt nutzen. Hier einige Ideen:

  • ein Sensorik-Hula-Hoop (siehe Foto) aus einem Reifen, Bändern und verschiedenen “Anhängern” → zur Anleitung
  • Rasselflaschen – kleine Plastikflaschen mit verschiedenen bunten und geräuschvollen Füllungen, z.B. trockenem Reis oder Nudeln, bunten Perlen oder Pompoms (Flaschen mit einem Tropfen Kleber verschließen)
  • Deckel-Spardose – hebt von Breigläschen die Deckel auf. Nehmt einen kleinen Karton oder eine Dose mit Plastikdeckel (z.B. vom Milchpulver) und schneidet einen Schlitz hinein (etwas größer als die Höhe der Deckel) – das Kind kann nun die Breideckel in die “Spardose” stecken. Immer und immer wieder 🙂
  • Deckel-Schlange: Eine Idee aus unserem PEKiP-Kurs: Die Breideckel könnt ihr auch zu einer Schlange zusammensetzen. In die Mitte der Deckel mit einem Nagel und Hammer ein Loch schlagen. Dann mit einer festen Schnur aneinanderknoten. Dabei vor und hinter jedem Deckel einen Knoten machen oder/und eine große Perle setzen, so dass zwischen den Deckeln ein Abstand bleibt und die Schlange sich auch bewegen kann.
  • Socken-Klingeln: Näht an Babysocken Glöckchen (die nicht verschluckt werden können).
  • Topf-Schlagzeug: Irgendwann wird euer Kind eh die Küchenschubladen ausräumen – also gebt ihm doch absichtlich schon Löffel, Schneebesen und Töpfe als Schlagzeug heraus!

Sicher fällt euch noch viel mehr ein! 🙂

Wir hoffen, unsere Ideen helfen euch dabei, mit eurem Baby nachhaltig zu leben. Ihr werdet sehen, wie gut es tut, umweltbewusster zu sein und dafür mitunter ein Stück Bequemlichkeit zu opfern.

Habt ihr weitere Anregungen? Wir freuen uns auf eure Kommentare!

Titelfoto: Creation Hill / Pexels

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