Das Wochenbett als Zeit des Heilens und der Regeneration: Hebammentipps

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Rund um die Schwangerschaft und Geburt gibt es viele Fragen. Unsere Expertin Sandrina Seide, Hebamme am St. Josefs Krankenhaus in Potsdam, hat hier zu verschiedenen Themen die wichtigsten Antworten und Tipps für euch.

Warum heißt es Wochenbett? 

Hinweis: Wir reden von Wöchnerin, aber natürlich können alle Menschen mit einer Gebärmutter Kinder bekommen! Auch Trans* , nicht binäre und intergeschlechtliche Menschen. Bei ihnen laufen die körperlichen Veränderungen im Wochenbett ähnlich ab.

Das Wochenbett bezeichnet die Phase nach der Geburt bis zur abgeschlossenen Rückbildung der anatomischen und physiologischen schwangerschafts- und geburtsbedingten Veränderungen. Diese Zeit beträgt ca 6-8 Wochen. Es wird Wochenbett genannt, weil der Begriff aus einer Zeit stammt, in der die Frauen mit ihren Neugeborenen für 40 Tage strikte Bettruhe halten sollten (damals auch Kindbett genannt). In unserer Kultur galten blutende Frauen als unrein und der Wochenfluss als infektiös. So mussten die Frauen im Mittelalter diese Zeit abgeschottet im Wöchnerinnenzimmer verbringen. Jede Kultur hat eine eigene Länge und Form des Wochenbettes. Am Ende scheint es überall und schon immer auch darum gegangen zu sein, die Frau zu schonen und zu entlasten, um sie zu stärken und dem Körper Zeit zur Regeneration zu geben. 

Warum sagt man: eine Woche im Bett, eine Woche ums Bett, eine Woche im Haus, eine Woche ums Haus? 

Die Geburt eines Kindes ist der Beginn eines völlig neuen Lebensabschnittes. Einer neuen Zeitrechnung. Alte Rhythmen, Abläufe, Reihenfolgen, etc. gelten nicht mehr. Da ist dieses neue Menschenkind und es ist zu 100 % abhängig. Die ersten 12 Wochen nach der Geburt kann man wie das vierte Trimester der Schwangerschaft verstehen, nur das Kind befindet sich jetzt nicht mehr im geschützten Uterus. Sein Leben hängt davon ab, dass seine Bedürfnisse erkannt und erfüllt werden. Und das Erfüllen der Bedürfnisse wird in aller Regel sehr deutlich und zeitnah eingefordert. Wir müssen lernen zu entschleunigen und uns an die Babys anzupassen und nicht versuchen, die Kinder zu optimieren.

Das Wochenbett ist eine Zeit des Heilens und der Regeneration. Das unsichtbare “Bonding” Band zwischen Mutter und Kind wird aufgebaut und gefestigt. Bonding braucht Ruhe und Zeit. Das Ingangkommen und Aufrechterhalten der Milchproduktion und des Stillens braucht ebenfalls Ruhe. Schritt für Schritt. Die Rückbildung und Wundheilung braucht Schonung. 

Dazu kommen die hormonellen Veränderungen. Die emotionalen Berg- und Talfahrten wollen und sollen gefühlt und gelebt, nicht verdrängt oder weggeschoben werden. Die Paarkonstellation verändert sich. Man ist nicht mehr nur ein Liebespaar, man ist jetzt auch Eltern. Erfahrungsgemäß laufen diese ganzen Veränderungen und Prozesse einfacher, wenn man sich Zeit dafür nimmt und gibt und nicht auf Druck schnell wieder zurück zur Normalität will. Denn normal ist erstmal lange Zeit nichts mehr! Zumindest nicht nach der alten Definition von normal, und das ist ok so. Das darf so sein. Jedes Gefühl, was diese Veränderung mit sich bringt, ist ok und darf gefühlt werden. 

Eltern im Wochenbett mit dem 2. oder 3. oder wievielten Kind auch immer sorgen eher für sich und nehmen sich mehr Zeit für das Wochenbett. Auch wenn man denken könnte, dass mit mehreren Kindern das Wochenbett schwerer einzuhalten ist. Manche Erfahrungen müssen erst durchlebt werden, um sie anzunehmen. Langfristig profitiert der Körper physisch wie auch psychisch von einer entschleunigten Anfangs- und Wochenbettzeit. 

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Was erwartet mich als Mutter körperlich? 

Wir unterscheiden das frühe Wochenbett (ab Geburt bis zum 10. Tag post partum) und das späte Wochenbett (bis sechs bis acht Wochen nach der Geburt). Das frühe Wochenbett ist die wichtigste Erholungsphase. Geburtsverletzungen heilen langsam ab. Der Hormonhaushalt wird langsam umgestellt und der Körper beginnt mit der Milchbildung. 

Die Gebärmutter, der Uterus, welcher sich in der Schwangerschaft um das 20-fache vergrößert hat, bildet sich langsam wieder zurück. Das Gewicht der Gebärmutter reduziert sich innerhalb der ersten Woche von einem Kilogramm auf etwa 500 Gramm, am Ende der Wochenbettzeit hat sie in etwa ihr altes Gewicht von 80 Gramm erreicht. Das alles passiert durch Nachwehen, welche unmittelbar nach der Geburt des Kindes und der Plazenta einsetzen. Frauen, die ihr erstes Kind geboren haben, spüren die Nachwehen in der Regel kaum bis gar nicht. Bei jedem weiteren Kind kann die Intensität der Nachwehen zunehmen und ist für 2-3 Tage nach der Geburt spürbar. Der geöffnete Muttermund schließt sich, die vergrößerte Vagina verkleinert sich wieder. Die erweiterten Harnwege bilden sich zurück und das erhöhte Blutvolumen nimmt innerhalb von vier Wochen wieder ab. 

Der Wochenfluss ist in den ersten Tagen um einiges stärker, als du es vielleicht von deiner Periode gewohnt bist. Wenn du aufstehst oder dich bewegst, kann es immer mal wieder zu schwallartigen Blutungen oder zum Abgang von größeren Blutklumpen kommen. Im Laufe der Zeit verändert sich die Menge und Farbe des Wochenflusses. Er wird über blutrot bis bräunlich, gelblich, weißlich und am Ende ein heller Ausfluss, welcher sich über einen Zeitraum von 4-6 Wochen hinzieht. 

Wie kann ich mich am besten auf das Wochenbett vorbereiten? 

Unbedingt Essen vorbereiten und einfrieren, wenn der Platz im Tiefkühlfach das zulässt oder Essen organisieren (lassen). Snacks für zwischendurch bereithalten. Stillkugeln, Nüsse, Schokolade. Einen Putzplan mit dem/der Partner:in besprechen oder komplett an eine Raumpflege abgeben (das ist im Übrigen ein super Geschenk, welches man sich wünschen kann und allemal besser als die zehnte unnütze und teure Pflegeserie fürs Kind). Das Thema Besuch im Wochenbett im Vorfeld besprechen und regeln. Wer darf wann kommen? Besuch sollte in erster Linie immer Unterstützung sein und keine zusätzliche Arbeit machen, eure Bedürfnisse haben Vorrang!

Sachen die ihr braucht ihr:

  • Wochenbetteinlagen (ohne Plastik) und Netzunterhosen, alternativ bequeme Baumwollunterhosen. Periodenunterwäsche ab der 2. Woche nach der Geburt
  • Eine Po-Dusche oder einen Becher zum Spülen der Geburtsverletzungen nach dem Toilettengang. Kühlende Binden mit Arnika oder Recoveryspray/Wundspray. 
  • Ausreichend Wechselkleidung, hormonell bedingt schwitzt ihr im Wochenbett sehr viel, vor allem, wenn ihr stillt
  • Stilleinlagen zum Wegwerfen oder aus Stoff, vorzugsweise Wolle-Seide, da diese die Wundheilung der Brustwarzen unterstützen. Stilltop und/oder 3 Still-BHs. Die BHs am besten erst nach dem Milcheinschuss besorgen, da man nie weiß, wo die Reise noch hingehen wird
  • Brustwarzensalbe oder Pads zur Pflege
  • Ihr werdet ohne Ende Spucktücher brauchen, welche ihr am besten an eure Hotspots in der Wohnung platziert. 
  • Eine Babywolldecke zum Kuscheln. Ein Körbchen erweist sich immer als sehr praktisch, welches mit euch in der Wohnung mitwandern kann. Darin befinden sich alle für euch essentiellen Utensilien zum Wickeln, Stillen, Handyladekabel, etc. 

Wie kann der/die Partner:in helfen? 

Der oder die Partner:in sollte die Wöchnerin in erster Linie mental unterstützen. Ihr gut zureden und ein empowerndes, wohlwollendes Umfeld schaffen. Für Ruheräume sorgen, damit sich die Frau fallen lassen kann. Denn so kann das Oxytocin, das Hormon der Liebe, welches für Entspannung sorgt, nur so sprudeln – was bei Stillwunsch den Milchfluss anregt und einfach alles zum Fließen bringt. 

Die Wöchnerin mit gutem und gesundem Essen und Trinken versorgen, so dass der Körper wieder zu Kräften kommen und sich erholen kann und sie sich auf die Versorgung des Neugeborenen konzentrieren kann. Pausen schaffen und das Wickeln oder Beruhigen des Babys übernehmen, das festigt auch das eigene Bonding  zum Kind. Die Mutter vor einer verunsichernden Außenwelt oder ihr unangenehmen Situationen schützen. Selbst unbedarfte Kommentare, welche zum Beispiel die Versorgung des Kindes betreffen, können frisch gebackene Mütter sehr verunsichern. Halte ungewollten oder unangekündigten Besuch auf Abstand.

Die Beziehung einer Mutter zu ihrem Baby ist von Natur aus sehr intensiv, um das Baby zu schützen. Diese Beziehung ist nicht besser als deine Beziehung zum Kind, nur anders. Hier hat Eifersucht und gekränkte Eitelkeit keinen Platz! Kümmere dich auch um dich und hole dir Hilfe, wenn du merkst, dass es dir zu viel wird. Sei es eine Raumpflege, oder jemand, der/die das Essen vor die Tür stellt und den Müll mitnimmt. Oder einfach jemand zum Reden. Psychohygiene ist so wichtig! Miteinander, füreinander. 

Noch mehr Tipps findet ihr in unseren Rubriken Baby & Kleinkind und Schwangerschaft & Geburt. Alles Gute für euch!

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