Prioritäten Check! Warum steht Sex eigentlich ganz unten auf der To Do Liste?

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Letztes Wochenende waren meine Eltern zu Besuch. Natürlich hab ich gleich im Vorfeld schon Tickets für den Zoo gekauft. Drei Stück. Für meinen Sohn und für Oma und Opa. Selten war ich so aufgeregt bei einem Kauf von Online-Tickets, bei denen lebendige Tiere involviert sind. Denn der kleine Klick auf Paypal, bedeute für meinen Freund und mich mindestens vier Stunden Freiheit. Und das an einem Sonntag! SONNTAG!!! Diese überschwängliche Freunde können sicher nur die Eltern unter uns verstehen, die keine Großeltern in der gleichen Stadt oder dem Umland greifbar wohnen haben. Unser erstes freies (na gut, halbfreies Wochenende) also in 3,5 Jahren.
Es wird noch schnell zusammen gefrühstückt, das Kind in die warmen Klamotten gepackt, Abschiedskuss und ab geht die Post. Die Zeit läuft… und was jetzt?

Ich muss mich erst mal kurz orientieren und davon abhalten, die kostbare Zeit mit aufräumen und putzen zu verschwenden. Also erst mal in die Badewanne. Entspannen und vor allem die Wanne mal ohne Kleinkind, Plastikboote und Spritzpistole genießen. Danach gehts zurück ins Bett. Mein Freund wartet schon auf mich …, denn sind wir mal ehrlich, natürlich werden wir gleich Sex haben. Das müssen wir nicht groß vorher besprechen, das ist einfach klar. Wenn nicht jetzt, wann dann? Und ich meine die Art von Sex, für die man sich mal wieder ein bisschen mehr Zeit nimmt und danach zusammen im Arm noch mal einschläft. Und trotzdem erwische ich mich dabei, wie ich überlege, ob wir die Zeit nicht vielleicht doch sinnvoller nutzen können. Hallo? Mir muss anscheinend das Badewasser zu Kopf gestiegen sein. Sinnvoller?

Traurig aber war, bin ich in den letzten 3,5 Jahren darauf konditioniert worden, so effizient wie möglich mit kinderfreier Zeit umzugehen. Das Kind ist in der Kita? Na dann los… GO, GO, GO, GO; aufräumen, Wäsche machen, dabei Podcast hören, einkaufen, Texte schreiben, Steuerkram, Freunde zum Lunchen treffen, Kinderklamotten verkaufen, mit der besten Freundin telefonieren, während die Bolognese auf dem Herd köchelt, Mails schreiben, während ich ab und an mal bei der Pediküre sitze und und und. Hier geht es nicht darum, dass keine Zeit für mich bleibt oder ich meinen Alltag schnöde finde. Ganz im Gegenteil, ich komme ganz schön gut auf meine Kosten, aber was meistens ganz ans Ende der To Do Liste rutscht, ist der Sex! Es gibt ihn schon, aber in abgespeckter Form und halt eben nicht mehr als tagesfüllendes Programm.

Alles andere scheint wichtiger, sinnvoller, logischer als die kinderfreie Zeit für Sex zu nutzen. Und wir hätten die Möglichkeit, denn schließlich können wir uns beide unsere Arbeit frei einteilen und laufen uns tagsüber ziemlich oft in der Wohnung über den Weg. Mal essen wir zusammen oder machen Mittagspause, mal kuscheln wir kurz und ein Kuss ist auch noch drin, aber dann gibt es natürlich schon wieder tausend andere Dinge zu tun, als den Kuss als Startschuss für Day Sex zu nutzen. Warum ist das so?

Aus sicherer Quelle (mein Freundeskreis) weiß ich, dass es eigentlich allen so geht. Wir sind zu kleinen Eltern-Maschinen geworden, die sich am Abend eine „1 mit Sternchen“ in ihr Tagebuch kleben wollen. Alles richtig gemacht! Alles erledigt! Gute Arbeit!
Dass das Mist ist für die Beziehung, wissen wir natürlich alle. Denn die interessiert das nicht, ob das Bett frisch bezogen ist oder nicht. Die Beziehung würde lieber Flecken im Bett hinterlassen und sich dort nach dem Sex gemütlich einkuscheln, statt die Laken gerade zu ziehen. So wie früher eben, als To Do Listen auch nicht so schrecklich ernst genommen oder Dinge einfach verschoben wurden. Da hat man gut und gerne mal einige Stunden länger im Bett verbracht, NUR um Sex zu haben. Aber anscheinend bringt die Verantwortung, die ein Kind mit sich bringt, auch Langeweile in der Kiste mit. Aber auch hier hoffe ich auf den beruhigenden Satz, an dem wir Eltern uns auf ewig lang hangeln „Es wird alles einfacher/leichter/besser!“

Ich setze ganz stark auf baldige Übernachtungspartys und Kindergeburtstage ohne Anwesenheitspflicht der Eltern. Und bis dahin müssen meine Eltern dann eventuell noch mal eine extra Runde durch den Zoo drehen.


Text: Daniela Wilmer

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