Kleiner Fuckt am Rande: Wir beginnen am Ende

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Es ist 6:20 Uhr, ich wecke meine Töchter, beide U 10, sie müssen zur Schule. Wir teilen das morgendliche Leid des frühen Aufstehens. Schweigend und kauend sitzen wir uns dann gegenüber. Kein Moment großer Gespräche, bis nach etwa fünf Minuten der Zucker aus Toast und Schokocreme in der Bauchspeicheldrüse auf Sendung geht: Blutzucker Partydosis, sie sind wach. In einer Schublade in der Küche liegen immer zwei Oropax. Eigentlich sind sie für den Notfall, also Wutanfälle am Nachmittag. Heute, ganz heimlich, habe ich mir den Schaumstoff in die Gehörgänge geknäult, der Schall verschwindet mit einem Mal in die Ferne, so muss sich ein guter Trip anhören. So ist das voll ok.

Spielerisch leger packe ich also Gemüse in Frühstücks-Boxen, good job. Selbstgefällig kann ich. Gurkenscheiben und blankes Brötchen wollen wohl verstaut sein. Kokett und würdevoll beende ich diese kulinarische Vorbereitung als richtete ich weißen Trüffel und Beluga-Kaviar gerade aufs Tablet der Queen. Es ist alles eine Frage der Haltung und ich werde sicher nicht daran zu Grunde gehen, mehrmals täglich Brote zu schmieren. Erhobenen Hauptes verstaue ich diese zu Tode designten Boxen in den Taschen und atme. Der Refrain des Klassikers „Ella, ella“ dringt durch den Schaumstoff an mein Trommelfell. Das Radio weiß uns zu wecken. Ich wippe nachgiebig von links nach rechts, die Augen geschlossen. Es ist Freitag.

Freitage gab es schon viele in meinem Leben. Zu Beginn waren sie belanglos, dann in der Schule plötzlich sehr wichtig, später ganz nett und als berufstätige Mutter dann der Tag, an dem man die Vollzeitberufe kurz wechselt. Der anstrengendere Part btw. Heute sind Freitage oft das Gate in mein anderes Leben – das als DJ und Single. Doch was war passiert? Warum liege ich nicht glücklich in den Armen meines Mannes auf dem Sofa und plane Ausflüge in den Zoo?

Es sind Dinge passiert in den letzten Jahren, manche davon habe ich provoziert, andere sind über mich hereingebrochen. Es waren Dinge wie Depressionen und offene Beziehung. Dinge wie Pastinakenbrei und zwölf Stunden Club. Doch was auch passierte, der Wunsch, mehr als eine Mutter zu sein, war meine Powerbank. Und der Trotz gegenüber der Gesellschaft war mein Strom. Ein anderes Bild einer Mutter – einer Frau – abzugeben, nährte meinen nicht enden wollenden Willen nach Freiheit und Erfüllung. Here I am. Tante Kante, die es ohne meine Kinder nie gegeben hätte – warum, das erzähle ich später. So wie alles andere, das mich nun zu POLA geführt hat. Es ist die Reise einer Mutter zu sich selbst und ganz weit weg.

Foto: Julia Szymik

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