Wie schön wäre es, einfach kostenlos überall auf der Welt Urlaub zu machen? Dank verschiedener Haustausch-Börsen im Internet ist das möglich. Hier kommt unser Erfahrungsbericht zu Vorteile und Nachteilen mit anschließenden Tipps für euch!
Haustausch-Urlaub

Nachdem wir mit der Geburt unseres dritten Kindes die Schwelle zur Großfamilie überschritten hatten, mussten wir uns ernsthafte Gedanken über die Urlaubsgestaltung machen. Hotelzimmer bieten in den allermeisten Fällen höchstens Platz für Eltern mit zwei Kindern. Meist muss man also ein ganzes Extrazimmer dazu mieten und sich aufteilen, was die Kosten natürlich exorbitant in die Höhe treibt. Und mehr Kinder bedeuten mehr Kram. Da wir kein Auto haben, verreisen wir immer mit öffentlichen Verkehrsmitteln, und wer schon mal versucht hat, mit Babyequipment, Buddelzeug, Strandmuschel oder Schlitten, Kinderwagen, drei bis vier Koffern und ebenso vielen Rucksäcken voller Spielzeug einen Zug zu besteigen, der weiß, wovon ich spreche. Eine Alternative musste her – die deutlich weniger kostet und wo es vielleicht schon ausreichend Ausstattung gibt, die wir dann nicht mitschleppen müssen.
Schon länger hatten wir mit der Idee des Haustauschs geliebäugelt, aber stets hatten die Bedenken gesiegt. Was, wenn die Tauschpartner etwas kaputt machen? Wollen wir wirklich, dass fremde Menschen in unseren Betten schlafen? Und wie kann man sicher sein, dass die Unterkünfte wirklich so sind wie auf den Fotos?
Wir beschlossen, es einfach mal auszuprobieren. Wir machten Fotos von unserem Haus, meldeten uns bei einer der Plattformen an und warteten ab. Schon bald kam die erste Anfrage von einer Familie aus Spanien. Das war 2019, und seitdem haben wir kaum noch anders Urlaub gemacht.
Haustausch: Woher kommt das eigentlich, und wie funktioniert es?

Das Konzept des Wohnungstauschs wurde in den 1950er Jahren von ein paar jungen Lehrern erfunden. Aus einer privaten Initiative entwickelten sich bald professionelle Tauschorganisationen, die bis heute Menschen aus aller Welt zusammenbringen. Damals musste man sich seine Tauschpartner aus dicken Katalogen mit Fotos im Briefmarkenformat heraussuchen, heute geht das bequem per Internet. HomeExchange, HomeLink oder Intervac heißen die drei größten und funktionieren eigentlich alle ähnlich, nach dem Prinzip: „Warum teuer mieten, wenn man auch tauschen kann?“ Bei allen zahlt man einen geringen Jahresbeitrag und kann dann nach Herzenslust tauschen – entweder mit einem direkten Tauschpartner oder über ein Punktesystem. Das Tauschen selbst kostet dann nichts mehr, außer eventuell den Kosten für eine Reinigung nach Abreise, falls man nicht selbst putzen möchte.
Die Vorteile beim Haustausch oder Wohnungstausch
Tatsächlich ist es uns noch nie gelungen, einen wechselseitigen Tausch zu organisieren, denn die Wahrscheinlichkeit, dass jemand, den man anschreibt, gerade in dieser Zeit nach Potsdam will, scheint gering zu sein. Darum haben wir bisher immer über sogenannte GuestPoints getauscht – wir sind in das Haus eines Mitglieds gefahren, das zu der Zeit nicht zuhause war, während jemand anderes in unserem Haus wohnte. Diese Planung kann manchmal Züge von einem Tetris-Spiel annehmen, wenn es dann aber klappt, hat so ein Haustausch unschätzbare Vorteile gegenüber einer normalen Ferienunterkunft.
Tolle Unterkünfte: Man kann auf diese Weise in Häusern wohnen, die man sich sonst nie leisten könnte oder wollte – und man hat etwas Geld übrig, um sich den ein oder anderen Traum zu erfüllen wie einen Strandritt oder einen Wellenreitkurs.

Persönliche Tipps: Dazu kommt man in eine persönliche Umgebung und hat das Gefühl, in ein anderes Leben, einen anderen Alltag einzutauchen. Die Gastgeber sind meist sehr nett und gastfreundlich, oft haben sie tolle Insidertipps und sind sehr interessiert daran, einem den Aufenthalt so schön wie möglich zu gestalten – denn eine gute Bewertung nach der Abreise bedeutet, vielleicht bald wieder mit jemandem tauschen zu können. So hatten wir zum Beispiel in Spanien schon vor unserer Anreise eine solche Menge an tollen Ausflugszielen per WhatsApp erhalten, dass wir sie gar nicht alle abarbeiten konnten.
Beste Ausstattung: Wenn man mit Kindern reist und in ein Haus kommt, wo Kinder leben, ist meist Spielzeug vorhanden, am Strand Buddelzeug, Bodyboards und dergleichen, man kann also mit leichtem Gepäck reisen. Häufig werden die Fahrräder der Familie zur Verfügung gestellt, in manchen Fällen sogar das Auto. Und mit ganz viel Glück gibt es auch Haustiere zu versorgen. Was für die Kinder hauptsächlich Kuscheln und für die Erwachsenen auch eine ganze Menge Verantwortung bedeutet. Bei der Ankunft auf Bornholm bekamen wir einen gehörigen Schreck, als nur eins statt der zwei Kaninchen auf den Bildern der Haustausch-Plattform im Käfig saßen (es stellte sich heraus, dass es den Haustausch-Gästen vor uns entlaufen war), oder als der Kater, ein Freigänger, eines Tages nach einer Prügelei mit den Nachbarskatzen mit blutiger Nase zurückkam. Natürlich ist es aber auch toll, wenn gleichzeitig die eigenen Haustiere von der Tauschfamilie versorgt werden.
Nachhaltig: Und dann ist da noch der ökologische Aspekt an dem Ganzen: Diese Art von Urlaub ist, zusammen mit einer Anreise mit der Bahn, äußerst nachhaltig, sanfter geht es eigentlich gar nicht mehr: Kein Hotelkomplex muss errichtet werden, keine Straße ausgebaut – man wohnt einfach dort, wo die Einheimischen wohnen. Die in dieser Zeit im besten Fall in der eigenen Wohnung unterkommen, so dass während der Urlaubszeit keine Wohnung leer steht …
Gibt es auch Nachteile beim Wohnungstausch?

Was wollen wir im nächsten Urlaub machen? Einen Städtetrip nach Stockholm? Ein Cottage in Irland mieten? Oder doch in den Süden? Wir haben festgestellt, am besten funktioniert der Haustausch, wenn man nicht allzu festgelegt ist, wohin man reisen möchte. Oftmals ist der Prozess recht langwierig, eine passende Unterkunft zu finden. Häufig sind die Kalender nicht aktuell, oder die Antworten kommen bis zu einem halben Jahr verspätet (ja, das hatten wir auch schon) oder auch nie. Man muss also damit rechnen, erstmal einige Leute anzuschreiben, bis überhaupt eine Antwort kommt. Das Tolle daran: Man entdeckt so auch mal Reiseziele, auf die man sonst nicht gekommen wäre.
Wir waren schon in Dänemark, Spanien und Irland und hatten Gäste aus Spanien, Belgien und Italien. Probleme gab es bisher keine, abgesehen von dem komischen muffigen Geruch in einem Zimmer des Hauses auf Bornholm und einem Wasserfleck um unsere Dusche auf den leider äußerst empfindlichen Zementfliesen.

Allerdings ist es, zumindest bei uns, jedes Mal doch ziemlich aufwändig, das Haus in einen präsentablen Zustand zu versetzen, wichtige Dokumente wegzuschließen, die Sparschweine und die Lieblinge der Kinder wegzuräumen, die nicht fremdkuscheln sollen, Platz in den Schränken für die Gäste zu schaffen. Meist stapeln wir das alles in einem Zimmer, das wir dann abschließen. So richtig lohnt sich das eigentlich erst ab einer Reisedauer von zwei Wochen. Darum müssen wir die Anfragen von Berlinern, die „mal ein Wochenende auf dem Land“ verbringen wollen, leider regelmäßig ausschlagen…
Unser Fazit insgesamt: Wir können es jedem nur empfehlen, und werden es sicher wieder tun!
Praktische Tipps für euren Haustausch

Das Ankommen und Zurechtfinden in einem fremden Haushalt wird deutlich erleichtert durch eine Gästemappe. Da hinein gehören Informationen zum Haus, zu Elektrogeräten, wo sich der Sicherungskasten befindet, welche Macke der Geschirrspüler hat und dergleichen. Gegebenenfalls auch Informationen über Fütterung und Pflege der Haustiere, dazu natürlich Ausflugstipps und Hinweise zu den nächsten Einkaufsmöglichkeiten oder netten Cafés.
Jeder freut sich über ein Gastgeschenk der Besuchenden, am besten etwas Typisches aus der Region, eine kulinarische Spezialität, ein Spielzeug für die Kinder.
Bettwäsche und Handtücher werden meist gestellt. Falls Fahrräder ausgeliehen werden, Werkzeug zum Verstellen der Sättel nicht vergessen – und ggf. die Kombination fürs Zahlenschloss.
Und es kann nicht schaden, die Nachbarn zu informieren, einerseits, damit sie nicht Alarm schlagen, wenn fremde Menschen im Haus ein- und ausgehen, andererseits, damit sie vielleicht als Ansprechpartner bei Problemen zur Verfügung stehen oder auch die Schlüsselübergabe organisieren können.
Wir fanden es immer sehr angenehm, unsere Tauschpartner bei einem Video-Anruf kennenzulernen, um einen persönlichen Eindruck zu bekommen, bevor wir den Tausch finalisiert haben. Wenn man schon vorher im Austausch ist, kann man auch viel individueller auf die Bedürfnisse der Tauschpartner eingehen.
Die gängigsten Haustausch-Plattformen:
Wir haben noch weitere Tipps für euren Urlaub mit Kindern, zum Beispiel:
- Tipps für Flugreisen mit Kindern – vom Baby bis zum Teenager
- Unsere Top 10 Ziele für eine Städtereise mit Kind
- Beschäftigungsideen für unterwegs – in Auto, Bahn oder Flugzeug
- Alles für den Sommer! Urlaubstipps, Rezepte, Spiele, Bastelideen & mehr
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