Elternzeit: Mit dem Wohnmobil durch den Westen der USA

In der Elternzeit durch die USA! Als unser zweiter Sohn geboren war, wussten wir schon: Diesmal wollten wir die Elternzeit richtig gut als Familienzeit nutzen! Nicht einfach nur zu Hause bleiben, sondern gemeinsam etwas unternehmen, fernab vom Alltag ein Abenteuer erleben und schöne Erinnerungen schaffen.

Und so nahmen wir einen „Vätermonat“ der Elternzeit zum Anlass, uns einen Traum zu erfüllen: mit dem Wohnmobil durch den Westen der USA zu reisen. Hauptsächlich ging es durch Kalifornien und die Nationalparks dort (Stichwort Grand Canyon), aber auch ein Stück Utah und Arizona waren dabei. Zum Start der Amerika-Reise war das Baby neun Monate alt, der Große viereinhalb Jahre.

Im Trend: Elternzeit-Reisen

Foto: am Lake Powell

Schon während der Recherche im Internet und beim Platznehmen im Flugzeug merkt man, dass man nicht allein mit dieser Idee ist, die Elternzeit für eine Reise zu nutzen. Im Netz und überall auf unserer Reise durch Amerika sind wir deutschen Eltern mit Baby begegnet (Jeweils ein Jahr später nach unserer USA-Rundreise hat es uns nach Neuseeland und Südafrika verschlagen – auch dort das gleiche Phänomen.).

Ich bin ein großer Fan von der Idee und dem Trend, die Elternzeit zum Reisen zu nutzen – wann hat man schon sonst als Familie die Gelegenheit, eine so lange Auszeit zu nehmen? Bei vielen Arbeitgebern sind drei Wochen Urlaub am Stück das absolute Maximum, oft sind es nur zwei.

Zwei weitere Vorteile: Kleine Babys fliegen noch (fast) umsonst, sobald die Kinder älter sind, schlackert man bei den Flugpreisen mit den Ohren. Und mit Babys zu reisen, ist viel unkomplizierter, als man denkt. Sie sind auf dem Arm noch sehr zufrieden (und wollen zum Beispiel nicht durchs ganze Flugzeug laufen) und wenn man stillt, hat man das Essen schnell und günstig immer mit dabei.

Also packt eure Sachen und los! Es muss ja nicht gleich das andere Ende der Welt sein, auch Deutschland und Europa haben viele tolle Ecken!

Eine Rundreise durch den Westen der USA

Nun aber zu unserer Elternzeit-USA-Reise mit dem Wohnmobil, die ich wirklich sehr empfehlen kann. Man reist durch Nordamerika relativ günstig und unkompliziert, man sieht megatolle Nationalparks und auch mit normalen Englischkenntnissen kommt man ausreichend weit.

Wir starten die Rundreise in diesem Bericht mit der Route unserer Elternzeit und einigen Foto-Eindrücken von den tollen Sehenswürdigkeiten unterwegs.

Wer tiefer einsteigen möchte, findet darunter weitere Informationen und Tipps zur Planung und noch mehr Fotos.

Unsere Elternzeit-Route

 

Start- und Endpunkt unserer USA-Reise war Los Angeles. Wer noch mehr sehen will, kann einen Gabelflug buchen und in San Francisco beginnen (oder enden) und den Yosemite-Nationalpark mitnehmen. Viele Reisende wählen diese Variante und bleiben in Kalifornien, während uns unsere Tour weiter in den Süden der USA führte (weil wir dort Freunde besucht haben).

Wir sind innerhalb von gut drei Wochen bei unserer Elternzeit-Rundreise mit dem Wohnmobil folgende Punkte angefahren:

  • Los Angeles
  • Encinitas (mit Stopp im Legoland)
  • San Diego (mit Besuch von Sea World und dem San Diego Zoo)
  • Yuma
  • Sedona
  • Grand Canyon
  • Monument Valley (die Kulisse vieler Filme und z.B. der Marlboro-Werbung, sehr sehenswert, aber ein extra Schlenker)
  • Page mit Lake Powell, dem „Horse Shoe Bent“ und dem Antelope Canyon (noch ein kleiner Geheimtipp)
  • Bryce Canyon
  • Zion National Park
  • Las Vegas
  • Joshua Tree National Park
  • Los Angeles (mit Besuch des Disneyland California)

Dies entsprach gut 2.000 Meilen beziehungsweise 3.200 Kilometer und war in den drei Wochen gut zu schaffen.

Ein paar Eindrücke

… von unserer wunderbaren Zeit in Amerika (Auch jetzt, fast drei Jahre später, blüht mein Herz auf, wenn ich die Fotos sehe.):

Die Vorbereitung unserer Eltern-(Aus)zeit

Flug in die USA

Den Flug nach Kalifornien haben wir selbstständig gebucht. Hier empfiehlt es sich natürlich, längerfristig zu planen und nach guten Angeboten zu schauen. Solange es möglich ist: Schulferien vermeiden (teuer, voll)!

Viele Airlines (z.B. Lufthansa wie bei uns) bieten auf Langstreckenflügen für Babys „Bassinets“ an, das sind kleine Bettkörbe, die an die Zwischenwände im Flugzeug eingehängt werden können. Dort kann man die Babys zum Schlafen oder auch zum Spielen reinlegen und hat dann mal die Hände frei. Achtung: Die Bassinets müssen frühzeitig reserviert werden (bei uns ging dies nur telefonisch).

Pässe / Visa / ESTA

Sehr wichtig zu wissen: Ein Kinderreisepass genügt nicht für die Einreise in die USA! Auch Babys und Kinder brauchen schon einen richtigen, maschinenlesbaren Reisepass (mit den biometrischen Daten auf einem Chip). Alternativ kann man aus Deutschland ein Visum für die Kinder besorgen, was aber auch sehr aufwändig und kompliziert ist und ein Kinderpass daher die einfachere Option. Dies ist der Stand von 2015, bitte informiert euch hier vorher ganz genau!

Auch die Einreise in die USA muss rechtzeitig beantragt werden. Mindestens 72 Stunden vor Abflug könnt ihr diese „Electronic System for Travel Authorization“ (ESTA) elektronisch im Internet anfordern. Hierfür braucht ihr eure Passdaten und die erste Adresse in den USA sowie eine Kreditkarte oder PayPal. Die ESTA ist ab Genehmigung zwei Jahre gültig und kostet aktuell 14 Dollar. Tipp: Nicht zu kurzfristig beantragen und genügend Zeit einplanen. Es dauert eine Weile, bis man alles verstanden und eingegeben hat.

 

Fotos: Lower Antelope Canyon

Versicherungen

Mit Baby weiß man nie, was dazwischen kommt und so solltet ihr für eure Elternzeit-Reise sowohl eine Reiserücktrittsversicherung abschließen als auch eine Reisekrankenversicherung für die ganze Familie. Ein Arztbesuch in den USA ist schon für einfache Sachen sehr teuer und ohne Belastung der Kreditkarte wird man gar nicht erst zum Arzt vorgelassen.

Über Vergleichsportale findet man sehr günstige Versicherungen (wir zahlen aktuell ca. 165 Euro für vier Personen für ein ganzes Jahr inklusive Reiserücktritt-, Reisekrankenversicherung und Gepäckversicherung).

Reisezeit

Wir waren von Mitte April bis Mitte Mai in den USA unterwegs und dies war eine gute Reisezeit – in Kalifornien schon ausreichend warm, in Yuma noch nicht zu heiß und es gab nur einen kurzen Schneefall am Bryce Canyon (sehr hoch gelegen). Wer früher fahren will, muss damit rechnen, dass der Pass noch gesperrt ist. Wer später fährt, sollte den Süden vielleicht vermeiden.

Wohnmobil & Kindersitze

Das Wohnmobil haben wir über Canusa gebucht – einer deutschen Reiseagentur spezialisiert auf Reisen durch Canada und die USA. Wer sich auskennt, kann aber auch selbst recherchieren und direkt buchen.

Wir haben uns für Road Bear entschieden, der Premium-Verleiher vor Ort. Außerdem wird der Markt dominiert von El Monte und Cruise America, die deutlich kleinere und ältere Modelle anbieten. Road Bear wird von einem ausgewanderten Schweizer geführt und hat sich auf deutschsprachige Kunden spezialisiert. Dies hat den Vorteil, dass zum Beispiel die Einführung in die Bedienung des Wohnmobils auf Deutsch gemacht werden kann, so dass man auch wirklich alles mitbekommt. Alle Camper sind nagelneu und werden nach ein oder zwei Jahren ausgetauscht, so dass man sich nicht mit alten und abgenutzten Möhren herumärgern muss.

Nach dem langen Flug über den großen Teich kann man nicht direkt ins Wohnmobil springen, sondern übernachtet erstmal im Hotel. Von dort wurden wir abgeholt und zur Vermietungsstation etwas außerhalb von Los Angeles gebracht.

Wichtig vorab zu wissen: Wir konnten damals bei Road Bear keine Kindersitze mitmieten (aus Gründen der Haftung und Hygiene, so genau wusste es aber auch keiner) und aufgrund des anderen Systems (hinten keine Dreipunktgurte) konnten auch keine von zu Hause mitgenommen werden. Das heißt, man muss sich schnellstens eine Babyschale und einen Sitz für das ältere Kind besorgen, zu allererst für den Transfer vom Hotel zum Wohnmobil.

Im Internet gibt es für alles eine Lösung, unter anderem haben sich Foren gebildet (wie bei Womo-Abenteuer), wo Kindersitze von Familie zu Familie weiterverkauft werden. Wir haben also schon von Deutschland aus zwei Kindersitze bei Walmart bestellt und an die Adresse unseres ersten Hotels in Amerika liefern lassen und diese am Ende der Reise übers Forum weiter verkauft.

Unser Wohnmobil selbst war RIESIG (8 Meter lang) und hatte vier große Schlafplätze (Doppelbett hinten im Wohnmobil und über der Fahrerkabine), ein eigenes Badezimmer mit Waschbecken, Toilette und guter Dusche und einen Küchenteil mit richtigem Herd, Mikrowelle und Sitzecke. Die Seiten („Side-outs“) konnten zudem in Parkposition auch noch ausgefahren werden, so dass es wirklich wie eine richtige kleine Wohnung ist.

Da die Straßen in den USA lang und breit sind, kann man auch so ein großes Wohnmobil gut manövrieren (in Innenstädten natürlich eine Herausforderung).

Als wir auf den ersten Campingplatz gefahren sind, haben wir gemerkt, dass es im Vergleich doch ein sehr KLEINES Wohnmobil war. Nicht unüblich in Amerika sind Camper in Größe von Reisebussen mit richtigen Schlafzimmern drin, Kinderzimmern mit Doppelstockbetten und natürlich mehreren Fernsehern.

Reiseplanung

Unsere Elternzeit-Route durch Kalifornien und den Rest haben wir vorher fest gelegt, die Stellplätze für die Nacht jedoch noch nicht aus Deutschland vorgebucht. Da wir außerhalb der Hauptsaison unterwegs waren, war das kein Problem. In den USA gibt es überall freies W-LAN und so haben wir abends immer die nächsten ein bis zwei Stationen gebucht (Ausnahmen: direkt in den Nationalparks gibt es nur eine begrenzte Anzahl an Wohnmobil-Stellplätzen und in Las Vegas am Circus Circus RV Park sollte man auch vorbuchen).

So habt ihr Flexibilität, falls es euch irgendwo besonders gut gefällt und ihr eine Nacht länger als geplant dort bleiben wollt. Oder es mal schneller gehen soll oder das Wetter schlecht ist. Rein in euer mobiles Haus und weiter geht’s zum nächsten Highlight!

Übernachtet haben wir oft auf den sehr gut ausgestatteten Campingplätzen der KOA-Kette (beheizte Swimmingpools!) und in den Nationalparks auf den staatlichen Campingplätzen (bescheiden, aber mit toller Lage!).

Reisegepäck

Bei Reisegepäck kann und sollte man sich beschränken. Zwar bieten die Wohnmobile ausreichend Stauraum (man muss sich nur merken, wo man was hingepackt hat, was mir nicht immer gelungen ist), aber fast jeder Campingplatz hat Waschmaschinen und Trockner und natürlich kann man auch sehr günstig einkaufen. Kein Grund, Windeln und Babynahrung für die ganze Elternzeit mitzuschleppen!

Wenn man auch kältere Orte wie den Bryce Canyon ansteuert (wir hatten wie gesagt auch Schnee), sollte man auch eine Mütze und Halstuch oder Schal dabei haben und natürlich eh eine wind- und wasserdichte Jacke. Und dann einfach nach dem Zwiebelprinzip dick einpacken. Bei der nächsten Station hat es dann schon wieder über 20 Grad 🙂

Ansonsten war unser Wohnmobil von Road Bear voll ausgestattet mit Bettwäsche, Handtüchern und allem, was man zum Kochen braucht. Nach der Übergabe fährt man am besten einfach auf den nächsten Shoppingcenter-Parkplatz und deckt sich mit allem ein, was sonst noch fehlt. Lebensmittel, Kleidung, Spielsachen, Strandsachen, Shampoo… Wir haben uns zudem einen Buggy und einen zusammenklappbaren Hochstuhl gekauft, damit auch das Kleinkind gut sitzen kann (und diesen am Ende mit weiterverkauft).

Was ihr aus Deutschland mitnehmen solltet:

  • Windeln und Babynahrung für den Flug und die ersten zwei Tage
  • Die wichtigsten Medikamente für die Reiseapotheke, die man von zu Hause kennt (z.B. für die Kinder Fiebersaft oder Zahnungsglobuli)
  • Babytrage, Tragetuch oder Trage-Rucksack – die Babytrage hat uns schon im Flugzeug gute Dienste geleistet und auf den Wanderungen sowieso
  • Beschäftigung und Knabbereien für den Flug (siehe zum Beispiel unsere Tipps hierzu)
  • evtl. ein Vorlesebuch

Ansonsten gilt: Traut euch und begebt euch auf eure eigene Elternzeit-Reise! Es erwartet euch nicht nur ein traumhafter Urlaub, sondern eine unbezahlbare Familienzeit.

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