Eine Schwangerschaft ist für alle da!

Wächst der Bauch, wächst auch das allgemeine Interesse an der Schwangerschaft. Langsam ist die Information über die frohe Botschaft auch von Freunden und Familie verarbeitet worden und die nun entstehende Wölbung ist das unmissverständliche Ausrufezeichen zum Sachverhalt. In wirklich jeder Begegnung ist dem Gegenüber schon bei der Begrüßung das innere Hufe Scharren anzusehen und der Kommentar lässt meist nicht lange auf sich warten. Zwischen völliger Überraschung und herzlicher Freude changieren die Reaktionen, anstrengend wird es jedoch, wenn nonchalant und ungebeten Einschätzungen zur Schwangerschaft abgegeben werden. Etwa ob man Drillinge erwarten würde oder ob man sich das auch wirklich gut überlegt hätte – in DEM Alter. 

Selbst wenn man es schafft, sein Gesicht und das inbrünstig gedachte „Schnauze“ im Zaum zu halten, fragt man sich manchmal eben doch, ob der Bauch vielleicht nicht zu groß oder die Kurzatmigkeit normal ist. Rätselhaft scheint auch der Wunsch eines jeden, die haarsträubendste Horrorgeschichte zum Thema Geburt zum Besten geben zu müssen. Als hätte man mit dem diffusen Wissen um schmerzhafte Wehen und dem irren Größenverhältnis von Kind und Geburtskanal nicht schon genug Gründe, die Veranstaltung abzusagen – aber geht ja nicht. 

Die sehen komisch aus!

Dabei gibt es einige Dinge, die wirklich mal gesagt werden müssen. Zum Beispiel wie Babys aussehen, wenn sie frisch geboren sind. Nicht wie in der Werbung! Sie sind schrumpelig, haben verquollene Augen, Hände wie von Greisen und die Stirn vor Anstrengung und der Zumutung Welt in Falten gelegt. Einer muss es sagen: Die sehen komisch aus. Nach all den erwartungsfrohen Monaten hat sich unwillkürlich ein Bild im Gehirn festgesetzt, man könnte es vielleicht nicht einmal beschreiben oder ist sich dessen nicht bewusst, aber es ist eher von knuffigen kleinen Wonneproppen geprägt als von rot-blauen Quetschgesichtern. Keine frisch gebackene Mutter (oder Vater) sollte sich schlecht fühlen, nur weil sie beim ersten Anblick des ersehnten Wunschkindes die Hebamme skeptisch beäugt, die die Ankunft mit einem „Herzlichen Glückwunsch“ quittiert und einen wissen lässt: „Ja! Das ist Ihres! Wir sind uns ganz sicher!“ In ein paar Tagen wird es das süßeste Baby der Welt sein, aber bis dahin ist man dem kleinen Wunder sowieso schon hoffnungslos verfallen. 

Die Top Five der beliebtesten Schwangerschaftsfragen

Solange man noch auf den Tag der Tage wartet, kann man weiterhin die Top Five der beliebtesten Schwangerschaftsfragen beantworten: Welcher Monat? Wisst ihr schon, was es wird? Habt ihr schon einen Namen? Wann ist Termin? Und für die richtig Mutigen: War das geplant?

Die Namensfrage funktioniert hier wie eine Art Stresstest. Entweder für den angedachten Namen oder das Gegenüber. Sehr schön kann man die Mühe beobachten, die es dem Gesprächspartner macht, der inneren Entgleisung standzuhalten, wenn man mit aller Ernsthaftigkeit einen skurrilen Kindsnamen vorträgt. Denn jeder weiß, wer sich berufen fühlt ohne explizite Aufforderung, den erwählten Namen des Ungeborenen negativ zu kommentieren, dem sei versichert, dass er sich damit in den Olymp der elterlichen Antipathie katapultiert und zwar für immer.

Gute Besserung!

Ratschläge, Meinungen und Erfahrungswerte können nerven, vor allem, wenn sie ungefragt und unüberlegt bei einem abgeladen werden. Manchmal spricht aber auch einfach völlige Hilflosigkeit aus dem Kommentar, wenn nun Nachwuchs und der Anblick einer schwangeren Frau so gar nichts mit der eigenen Lebenswelt zu tun haben. Fahrig suchen die Augen schon bei der Begrüßung nach einem geeigneten Punkt zum Verweilen, ratloses Tasten nach Gesprächsthemen und dann die Erlösung durch Verabschiedung, um dann doch noch mit einem unbedarften „Gute Besserung!“ die totale Überforderung preiszugeben.

Text: Andrea Glaß

Die erste Kolumne von Andrea „Haltet die Welt an, ich bin schwanger!“ sowie ihre Zweite„Die Schwangerschaft: Warten, warten, warten“ könnt ihr hier nachlesen!

Foto: pexels/garonpiceli

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