Interview: „Unsere Kinder im eigenen Garten aufwachsen sehen – das ist unser Traum!“

Familieninterview Ina & Tom

Ina (28) und Tom (31) leben mit ihren Kindern Emmalie (5) und Mattes (3) in Töplitz, einem Ortsteil von Werder (Havel). Für ihren Traum vom Eigenheim sind sie vor einem Jahr aus dem Potsdamer Norden aufs Dorf gezogen. Welche Vorteile das für ihr Familienleben hat und was sie an der Stadt am meisten vermissen, das haben sie uns bei einem Eis in ihrem Garten erzählt.

Seit einem Jahr lebt ihr in eurem eigenen Haus in Töplitz – wie wohl fühlt ihr euch hier?

Tom: Sehr wohl. Wir haben fast alles neu gemacht – den Garten gestaltet und das Haus von innen komplett in Eigenregie umgebaut. Als gelernter Handwerker war das für mich kein Problem. Und die Vorteile liegen ja auf der Hand: Ob ich nun in Potsdam Miete zahle oder hier einen Kredit abzahle, kommt aufs Gleiche raus. Dafür habe ich meine eigenen vier Wände und für mich ist es ein mentaler Ausgleich, hier rumzubuddeln und im Garten zu arbeiten.

Die Rosen sehen sehr gepflegt aus. Was wächst hier alles?

Tom: Ja, ich habe ein Bewässerungssystem angelegt und meine Mutter hat uns mit den Blumen geholfen und Unkraut beseitigt.

Ina: Außerdem haben wir Beete, in denen wir Obst und Gemüse anbauen: Erdbeeren, Kartoffeln, Brokkoli, Schnittlauch, Rucola. Der Rucola aus unserem Garten schmeckt viel intensiver als aus dem Supermarkt. Daraus machen wir gerne Pesto. Die Radieschen sind nix geworden, wir üben noch.

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Aber ihr habt längere Wege, wenn ihr irgendwo hinwollt – nervt das manchmal?

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Ina: Wir sind immer auf das Auto angewiesen. Es fährt zwar ein Bus, aber man braucht überall lange hin. Da sind wir mit dem Auto flexibler. Der erste Winter war schwierig für mich. Vorher hatten wir in Potsdam viele tolle Nachbarn, mit denen wir uns gut verstanden haben. Hier war es gerade zur kalten Jahreszeit recht einsam, weil wir anfangs noch niemanden kannten.

Tom: Früher in Potsdam war es viel einfacher, Kontakte zu knüpfen, da war an jeder Ecke ein Spielplatz. Hier ist das anders. Darum haben wir jetzt einen eigenen Spielplatz in unserem Garten, wo die Kinder frei spielen können. Wir kommen aber langsam an. Die Kita hier im Dorf ist der Hotspot, wo man alle Leute trifft. Da bauen wir gerade neue Freundschaften auf.

Wie kam es überhaupt zu der Entscheidung und wie schwer war es, das richtige Haus zu finden?

Ina: Das war gar nicht schwer. Tom hat ein Händchen dafür. Es war klar, dass wir nicht in unserer 4-Zimmer-Wohnung in Potsdam bleiben können. Die Kids haben sich ein Zimmer geteilt und Tom war zu der Zeit im Homeoffice. Es war einfach zu klein für uns. Dann hat Tom nach Häusern gesucht und wir sind früher schon immer gerne zum Baden nach Töplitz gefahren. Wir wussten also: Wenn wir irgendwann ein Haus haben wollen, dann in Töplitz! Dann hat Tom dieses Haus hier gefunden. Wir haben es von einem Kreditberater durchrechnen lassen, weil wir überhaupt erstmal wissen wollten, wie teuer es wäre. Als wir das Haus besichtigten, wussten wir schon, dass wir es uns leisten können.

Das heißt, ihr habt euch nur ein einziges Haus angeschaut – und das dann gleich gekauft?

Tom: Ja. Wir hatten uns vorher schon informiert und wussten, wenn wir es noch preisgünstiger haben wollen als hier, dann müssen wir noch weiter raus aufs Land ziehen. Und das wollen wir nicht. Also war klar: Näher ran an die Stadt kommen wir zu diesem Preis nicht. Die Energiestandards bei diesem Haus waren auch gut, also haben wir das Angebot angenommen.

Ina: Jetzt haben wir auf jeden Fall genügend Platz. Die Kinder haben ihr eigenes Zimmer und unser Arbeitsbereich ist gleich neben dem Wohnzimmer.

Auch beruflich hat sich einiges bei euch verändert?

Ina: Ja, ich habe meinen Beamtenstatus als Lehrerin gekündigt und wechsle demnächst die Schule. Tom war vorher im Vertrieb und arbeitet jetzt als Bauleiter.

Tom: Das ist auch ganz schön zu sehen, dass das Leben gar nicht so planbar ist. Man denkt ja eigentlich, wenn ich einen großen Kredit aufnehme, brauche ich Sicherheit im Job und ein geregeltes Gehalt. Aber dann hatten wir beide jobtechnisch einen großen Umbruch im letzten Jahr und haben gesehen, dass es eigentlich gar nicht so schlimm ist, wenn es anders kommt als gedacht.

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Ihr seid früh Eltern geworden, Ina war sogar mitten im Studium – wie war das?

Ina: Als ich mit Emmalie schwanger wurde, war ich noch im Bachelorstudium. Die Bachelorarbeit habe ich kurz vor der Entbindung abgegeben. Nach der Geburt kam Corona und ich habe für den Master von zu Hause aus studiert – mit schlafendem Baby in der Trage. Das hat gut funktioniert, denn Emmalie war ein sehr dankbares Kind. Gegen Ende des Masterstudiums wurde ich dann schwanger mit Mattes. Das hat total gut gepasst, weil ich zwischen Ende des Masterstudiums und Referendariat aufgrund der Bewerbungsfristen ein halbes Jahr Zeit hatte. Dieses halbe Jahr habe ich mit Elternzeit überbrückt. Und dann war ich mit zwei Kindern im Referendariat.

Klingt herausfordernd! Gab es Momente, in denen du an deine Grenzen gestoßen bist?

Ina: Ja, da gab es eine Zeit, als Tom die Einarbeitung für seinen neuen Job hatte. Da war er drei Wochen nicht da und das war ein Ausnahmezustand und sehr anstrengend. Glücklicherweise wusste ich ziemlich genau, wo meine Grenzen liegen. Das heißt, ich konnte nicht so viel Energie ins Referendariat stecken wie andere Leute, die keine Kinder haben. Da hat mein Selbstschutz gut funktioniert. Der Druck im Referendariat war sehr hoch und ich dachte zeitweise, ich schmeiße das alles hin. Aber dadurch wurde mein Ehrgeiz geweckt. So ein Referendariat geht neun Monate – genauso lange wie eine Schwangerschaft. Und ich sagte zu mir: Das ist jetzt wie ein drittes Kind und ich habe es durchgezogen.

Hattet ihr Unterstützung in dieser herausfordernden Zeit?

Ina: Ja, Toms Mama war eine riesige Unterstützung. Tom war von der Arbeit aus viel unterwegs und meine Konferenzen fanden oft abends statt. Auch Unterrichtsentwürfe habe ich am Wochenende geschrieben, da haben die Kinder dann bei den Großeltern geschlafen. Das kriegt man alleine gar nicht hin. Auch heute holt sie die Kinder immer, wenn sie kann und wir es gerade brauchen.

Tom: Wir sind froh, dass die Großeltern da sind, vor allem auch, wenn wir als Paar was zusammen machen wollen.

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Was unternehmt ihr als Paar am liebsten?

Tom: Eigentlich tanzen. Als wir noch in Potsdam gewohnt haben, waren wir öfter tanzen. Das hat großen Spaß gemacht. Und wenn wir beide was gut miteinander können, dann ist es Lachen. Aber damals hatten wir für die Tanzstunden eine Babysitterin. Jetzt müssen wir erstmal schauen, ob wir uns das in unserer jetzigen Situation noch leisten können.

Ina: Ja, das war toll! Wir haben alle Standardtänze getanzt – Walzer, Discofox, Rumba. Aber Cha Cha Cha ist unser Lieblingstanz. Den haben wir auch bei unserer Hochzeit getanzt.

Apropos Hochzeit – ihr hattet vor kurzem eine große Party?

Ina: Ja, wir hatten vor kurzem unseren 5. Hochzeitstag – die Holzhochzeit. Während Corona konnten wir damals nicht groß feiern, also haben wir es jetzt nachgeholt. Unsere Familie und Freunde haben uns eine Bank geschenkt, auf der sie ihre Namen eingeritzt haben. Die steht jetzt im Garten.

Und auf dieser Bank werdet ihr in 50 Jahren gemeinsam sitzen und auf euer Leben zurückschauen?

(beide lachen): Ja, wahrscheinlich.

Wie habt ihr euch kennengelernt?

Ina: Über eine Dating-App. Tom hatte auf meine Frage – im Gegensatz zu vielen anderen Männern – sehr nett geantwortet. Ich wollte wissen: „Im Regen tanzen oder drinnen bleiben?“ Er schrieb: „Egal, weil die Person, die ich mag, für mich immer die Sonne sein wird.“

Tom: Wir haben uns dann recht schnell getroffen und der Rest ist Geschichte.

Ina: Ja, es ging alles sehr schnell. Ich bin danach für ein halbes Jahr ins Auslandssemester nach Paris gegangen. Der Kontakt blieb in dieser Zeit sehr intensiv. Und einen Monat, nachdem ich zurückkam, war ich schon schwanger.

Tom: Das ist sehr untypisch, dass man schon nach einem halben Jahr Beziehung in die Elternschaft reinrutscht. Aber wir haben das alles so gewollt. Aus unserem Umfeld kamen tatsächlich viele kritische Fragen. Aber wir sehen es als Vorteil: Besser, als wenn man fünf Jahre zusammen und als Paar eingespielt ist und plötzlich kommt ein Kind und crasht die ganze Welt, weil man sich als Eltern nochmal ganz anders kennenlernt und dann gibt es Probleme. Aber da fehlt uns auch der Vergleich.

Ihr seid recht jung Eltern geworden – wie war das für euch?

Tom: Für uns war es super, Ina war 21 Jahre alt, ich war 25 Jahre. Mit zunehmendem Alter wird man ja träger und ich könnte mir nicht vorstellen, mit 40 Jahren Papa zu werden und das ganze Kleinkindalter durchzumachen. Was auffällig ist, dass wir in unserem ganzen Bekanntenkreis – auch in der Kita – immer die Jüngsten sind. Das ist ein bisschen schade, weil die anderen Eltern oft in einer ganz anderen Phase ihres Lebens stecken. Langsam gleicht sich das an.

Wie würdet ihr euer Familienleben beschreiben?

Ina: Chaotisch, laut und gut strukturiert. Emmalie und Mattes sind sehr eng miteinander, aber es gibt auch Tage, an denen sie sich nicht so gut verstehen und das ist dann für alle ziemlich anstrengend. Aber wir haben eine gute Struktur, die uns durch den Tag navigiert.

Was macht ihr als Familie am liebsten?

Beide: Eis essen!

Tom: Wir fahren gerne ins Eiscafé und sind überhaupt viel unterwegs, weil wir gerne was mit Freunden machen. Soziale Kontakte sind uns sehr wichtig, und darum fahren wir oft Freunde besuchen, die auch Kinder haben. Da können die Kinder miteinander spielen und wir kommen endlich mal dazu, mit unseren Freunden zu quatschen.

Ina: Manchmal fahren wir auch mit dem Boot. Wir haben hier am See einen Steg mitgepachtet, da liegt ein kleines Boot, damit fahren wir über die Havel zu einer geheimen Stelle, die findet man, wenn man Richtung Ketzin fährt… da hängt eine Schaukel am Baum über dem Wasser und man kommt nicht mit dem Auto ran, sondern nur mit dem Boot.

Tom: (lacht) Das darfst du doch nicht verraten! (beide lachen)

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Welche Werte wollt ihr euren Kindern mitgeben?

Tom: Offenheit und Toleranz.

Ina: Und sie sollen lernen, bei sich zu bleiben. Gerade in Auseinandersetzungen ist das schwierig, da heißt es oft, der Andere hat aber angefangen. Und dann versuche ich ihnen zu vermitteln, dass man nur auf sich schaut und reflektiert, was man selbst dazu beigetragen hat.

(Die Kinder kommen schreiend angerannt): Papa, im Zimmer ist eine Spinne!

Habt ihr viele Spinnen hier?

Ina: Ja leider. Das ist der Nachteil: Es gibt hier draußen viel mehr Spinnen als in der Stadt. Tom ist immer genervt, wenn er eine Spinne wegmachen soll. Aber ich sage dann zu ihm, dass er damit jetzt für die nächsten Jahre leben muss. Das ist meine größte Herausforderung, damit klarzukommen. Im Herbst gehe ich auch nicht in den Schuppen, weil die da überall sitzen – und das sind diese großen dicken Hausspinnen.

Was ist euer größter Traum als Familie?

Ina: Mit dem Haus ist schon unser größter Traum in Erfüllung gegangen. Aber wir wollen trotzdem noch viel von der Welt sehen und reisen. Nächstes Jahr wollen wir zum Nationalfeiertag nach Paris fahren. Ich bin ja Französischlehrerin und finde, das muss man mal erlebt haben. Da ist richtig viel los, mit Feuerwerk und allem… das will ich unbedingt sehen. Und danach wollen wir an die Küste. Darauf freue ich mich schon.

Vielen Dank für das Gespräch und alles Gute für euch!

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