„Ich hätte mich eher darum gestritten, wer in Elternzeit geht!“

Die Zwillinge von Daniel und meine Tochter gehen in dieselbe Kita. Vor kurzem trafen wir uns auf dem Spielplatz und ich erfuhr, dass er sich zur Zeit und für insgesamt 10 Monate in Elternzeit befindet. Da ich leider noch nicht viele Väter kenne, die das für einen längeren Zeitraum machen (und ich auch ein absoluter Befürworter bin), musste ich einfach mehr darüber erfahren.

POLA: Lieber Daniel, bitte stell dich doch einmal vor.

Daniel: Ich heiße Daniel, bin 34 Jahre alt und wurde in Potsdam geboren. Ich bin verheiratet und habe 3 Kinder. Meine Zwillinge sind 3 Jahre alt und mein kleiner Sohn ist 9 Monate alt. Bis zu meiner Elternzeit arbeitete ich in einer Sozialen Psychiatrie. Dort werde ich auch nach meiner Elternzeit wieder anfangen.

POLA: Wie lange bist du jetzt in Elternzeit?

Daniel: Ich bin seit September 2017 in Elternzeit und werde sie bis Ende Juli 2018 nehmen. Am 1. August nehme ich dann meine Arbeit wieder auf.

POLA: Es ist ja schon etwas Besonderes (und sollte eigentlich normal sein), wenn die Väter so lange in Elternzeit sind. Warum habt ihr euch dazu entschieden, dass du die Elternzeit nimmst?

Daniel: Eigentlich müsste man mich eher fragen, warum gibt es Leute, die die Elternzeit nicht machen wollen. Für mich erübrigt sich die Frage, warum irgendjemand Elternzeit nimmt. Ich hätte mich eher darum gestritten, wer in Elternzeit geht. Ich finde es wunderschön, dass ich den Großteil der Elternzeit machen kann. Meine Frau war fünf Monate in Elternzeit und studiert jetzt weiter und nun bin ich 10 Monate in Elternzeit. Und das ist wirklich etwas Besonderes für mich, denn bei unseren Zwillingen waren wir gemeinsam 1 Jahr zu Hause. Ich freu mich riesig darauf, dass jetzt alles mal mit einem Kind machen zu können, denn mit 2 Kindern hat jeder immer ein Kind, um das er sich kümmern muss. Und mit meinem Kleinen genieße ich das jetzt sehr. Ich wollte schon immer Kinder und ich bin froh, dass das hier mit der Elternzeit in Deutschland so möglich ist.

POLA: Wie sieht so ein typischer Tag bei dir gerade aus?

Daniel: Wenn meine Frau zeitig anfängt, verlässt sie um 7 Uhr das Haus. Ich habe dann alle 3 Kinder allein und muss sie fertig machen. Um 9 Uhr bringen wir dann die beiden Großen in die Kita und dann beginnt meine Zeit mit dem Kleinen. Wir gehen dann immer für 1,5 Stunden spazieren. Egal wie das Wetter ist. Für den Spaziergang treffe ich mich regelmäßig mit einem Freund, der auch gerade mit seinem Sohn in Elternzeit ist. Anschließend toben wir dann zu Hause eine Runde und essen Mittag. Den Mittagsschlaf machen wir dann meistens gemeinsam. Das nehme ich mir dann auch raus und es ist mir relativ egal, wie es bei uns zu Hause aussieht. Dann toben wir nochmal eine Runde und essen etwas und dann müssen wir auch  schon die Zwillinge aus der Kita holen. Die Zeit mit dem Toben und Spielen ist mir auch ganz wichtig, denn sobald die Großen zu Hause sind, ist die Zeit für den Kleinen recht kurz. Am Nachmittag gehen wir dann auf den Spielplatz oder kaufen gemeinsam ein. Und dann beginnt auch schon das Abendritual mit Abendbrot und Vorlesen.

POLA: Wie regelt ihr das mit eurem Haushalt? Ist derjenige, der in Elternzeit ist, auch für den Haushalt verantwortlich?

Daniel: (lacht). Der grobe Haushalt bleibt bei mir auch gern mal liegen. Ich mache es dann entweder abends mit meiner Frau zusammen oder wenn die Kinderzimmer ganz katastrophal aussehen, versuche ich natürlich schon mal, etwas aufzuräumen. Ansonsten verlagern sich die Feinarbeiten meistens auf das Wochenende. Mein Fokus liegt in der Elternzeit eben beim Kind. Ich will nicht durch die Wohnung hetzen und alles clean machen, denn schließlich haben wir drei Kinder. Und mein Begehren ist es, dass es den Kindern gut geht und ich entspannt bin.

POLA: Wie schwer fiel es deiner Frau, nach 5 Monaten in Elternzeit, dass du jetzt die Elternzeit übernimmst?

Daniel: Sie war sehr traurig und es fiel ihr schon schwer, loszulassen.

POLA: Welche Reaktionen bekommst du von Männern und Frauen, wenn sie erfahren, dass du 10 Monate in Elternzeit bist? Und gibt es da einen Unterschied?

Daniel: Die Reaktionen sind eigentlich ziemlich gleich. Die meisten ziehen den Hut davor, dass es 10 Monate sind. Für mich selber steht es ja außer Frage, dass nur die Frau zu Hause bleiben sollte. Ich denke, wir sind dabei, es hinter uns zu lassen, dass nur die Mütter in Elternzeit gehen.

POLA: Kennst du noch mehr Väter, die in Elternzeit sind oder in Elternzeit waren?

Daniel: Ja, ich kenne einige Männer.

POLA: Welchen Vorteil hat es, wenn der Papa so lange beim Kind zu Hause bleibt?

Daniel: Für mich ist die Elternzeit auch total wichtig, um meine Frau in gewissen Reaktionen zu verstehen, wie zum Beispiel den Stresspegel oder die Stimmung. Ich kann dadurch auch die Reaktionen der Frauen verstehen, die den ganzen Tag bei ihren Kindern zu Hause sind. Und ich geh definitiv davon aus, dass ich eine viel engere Bindung zu meinen Kindern habe, wenn man für so lange Zeit in Elternzeit ist.

POLA: Was würdest du anderen Vätern gern sagen, die überlegen, für längere Zeit in Elternzeit zu gehen?

Daniel: Die Kinder werden es einem danken. Ich denke, diese gemeinsame Zeit ist so wichtig für die Vater-Kind-Beziehung, denn diese besondere Bindung aufzubauen, kannst du auch nur einmal. Und du wirst später alles zurückbekommen. Wenn deine Kinder groß sind, wirst du einfach ganz anders auf sie zugehen können, als es vielleicht unseren Vätern möglich war.

Lieber Daniel, ich danke dir für deine offenen Worte und wünsche dir weiterhin eine tolle Elternzeit!

Diesen Artikel teilen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.