“Wir finden es für beide Seiten schön, jung Eltern zu werden!”

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Die Illustratorin und Designerin Cathérine (28), der Politikwissenschaftler Ferdinand (29) und ihre Tochter Madita (2) wohnen seit diesem Jahr im schönen Babelsberg. Im Spätsommer war die kleine Familie noch mit ihrem Bulli für zwei Monate in Portugal unterwegs. Nun erwarten die Eltern ihr zweites Kind und freuen sich riesig auf den Familienzuwachs.

Ihr kennt euch schon, seit ihr 11 und 12 Jahre alt seid. War es damals Liebe auf den ersten Blick?

Cathérine: Bei mir schon. Bei Ferdi nicht. Wir haben uns in den Sommerferien in einem Ferienlager kennengelernt. Jeden Sommer haben wir uns dort wiedergesehen. Ich war also jeden Sommer für 6 Wochen verliebt und habe dramatische Tagebucheinträge verfasst. Dann ging die Schule wieder los… und was soll ich sagen? Andere Mütter haben auch schöne Söhne.

Während meines letzten Schuljahres in Potsdam war Ferdi für ein halbes Jahr für ein Praktikum in Berlin. Und da ist es dann komplett um mich geschehen, wir sind nachts durch die Straßen gezogen und haben auf Baukränen rumgeknutscht. Dann ist er leider auf Weltreise gegangen und hat mein Herz mitgenommen.

Ferdinand: Und dann vergingen einige Jahre, in denen wir uns gar nicht gesehen haben. Jeder von uns war in einem anderen Land unterwegs und da haben wir uns wirklich nur ganz selten getroffen. Ich bin dann zum Schreiben der Masterarbeit wieder nach Berlin, habe mich bei Cathérine gemeldet und dann ging das alles ziemlich schnell, alte Liebe rostet wohl nicht.

Was habt ihr in der Zwischenzeit gemacht?

Cathérine: Nach der Schule bin ich für ein paar Monate als Au-Pair nach Barcelona gegangen, habe aber kein Wort Spanisch gelernt. Dann habe ich in Passau versucht, Jura zu studieren. Das habe ich aber keine drei Semester ausgehalten und schließlich bin ich nach Halle und habe dort an der Kunsthochschule Kommunikationsdesign studiert.

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Ferdinand: Ich habe meine Bachelor und Master in Politik in Maastricht gemacht. Und bin dann nach Berlin gezogen, um dort meine Abschlussarbeit zu schreiben. Das ist eigentlich nicht empfehlenswert, weil man in Berlin wirklich viel zu abgelenkt ist, ich unter anderem von Cathérine.

Und dann wurde es endlich ernst bei euch!

Cathérine: Ja, das ging dann auch alles ein bisschen schneller, als man das vielleicht sonst so macht. Wir haben uns im August wieder gesehen, sind im September zusammengekommen und ein halbes Jahr später war Madita schon auf dem Weg. Wir sind in unsere erste gemeinsame Berliner Wohnung gezogen, sind da allerdings nur ein paar Monate geblieben, weil Ferdi kurze Zeit später ein Jobangebot in Hannover bekommen hat. Dort ist Madita dann auch auf die Welt gekommen.

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War es euer Wunsch, so früh Eltern zu werden? Ihr wart ja noch sehr jung und erst ein paar Monate ein Paar?

Cathérine: Als wir gerade mal drei Monate zusammen waren, war ich das erste Mal schwanger, hatte zwei Monate später aber eine Fehlgeburt. Wir hatten uns, obwohl das alles natürlich ungeplant und überraschend früh in unserer Beziehung war, sehr auf dieses Baby gefreut. Also war schnell klar, dass wir weiterhin nicht versuchen werden, keine Kinder in diese Welt zu setzen. Und dann hat sich Madita auch ziemlich bald angekündigt.

Aber auch generell finde ich es schön, jung Eltern zu sein. Für beide Seiten. Natürlich zwingt es einen dazu, schnell erwachsen zu werden, weil man plötzlich die Verantwortung für einen anderen Menschen trägt. Und gleichzeitig beschäftigt man sich so viel mehr mit kleinen Dingen und die Sinnhaftigkeit des Lebens verschiebt sich mit dem Blick durch die kindlichen Augen total. Und diese Nähe, die man selbst noch zur eigenen Jugend hat, lässt einen, hoffentlich, mehr Verständnis für seine Kinder aufbringen.

Madita ist jetzt zwei Jahre alt. Wolltet ihr einen kleinen Abstand zwischen den Geschwistern?

Ferdinand: Ja. Bei mir ist der Abstand zu meinen Geschwistern relativ groß und ich wollte gern, dass der Abstand bei meinen Kindern nicht ganz so groß ist.

Cathérine: Also hätte mir mal jemand vorher gesagt, wie terrible die “Terrible Two” (die oft anstrengende Autonomiephase bei Zweijährigen, Anmerkung der Redaktion) gelegentlich sind, hätte ich vielleicht mit der Schwangerschaft noch ein bisschen gewartet. Kindliche Ausraster und übermüdete, hormongeladene Schwangere sind nicht die idealste Kombination.

Neulich hat eine Arzthelferin mir gestanden, dass ihr Mann und sie am liebsten ausziehen wollten, als ihre Tochter zweieinhalb Jahre alt war. Aber dann hat sie gesagt, dass ab dem dritten Geburtstag alles schlagartig besser wurde und ihre Tochter seitdem richtig süß ist. Wenn unsere Nummer zwei auf die Welt kommt, wird Madita auch bald drei. Ich verlasse mich vielleicht zu sehr auf die Aussage einer Frau, mit der ich nur drei Minuten geredet habe, aber ich bin zuversichtlich und ich freue mich einfach riesig auf unsere zweite Tochter. Und natürlich finde ich Madita auch die meiste Zeit cool und ziemlich lustig und einfach zum Fressen süß.

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Cathérine, du bist sehr tiefenentspannt. Bist du das auch, wenn es mal eine anstrengende Phase gibt? Und woher kommt das?

Cathérine: Eigentlich schon, mein Geduldsfaden ist recht lang. Vor allem bei Madita, ich liebe die schon einfach wahnsinnig, deshalb möchte ich mich nicht mit ihr streiten. Außerdem finde ich es enorm anstrengend, wenn es doch dazu kommt. Wenn sie mich anschreit und ich zurückschreie, bin ich danach total ausgelaugt.
Trotzdem wäre es zu schön und zu unrealistisch, wenn ich behaupten würde, dass ich immer entspannt bleibe. Wenn man in Lissabon bei 35 Grad, hochschwanger auf der Einkaufsmeile steht, das Kind seit 15 Minuten brüllend auf dem Boden liegt, weil man die Hose nicht ordnungsgemäß hochgekrempelt hat und alle zwei Minuten irgendwelche wildfremden Leute kommen, die in Sprachen auf einen einreden, die man nicht versteht, dann bleibt einem eigentlich nur Lachen oder Weinen. Und ich würde gerne sagen, dass ich dann immer ganz entspannt lache, aber das wäre gelogen.

Ferdinand: Ich kenne ja einige Mütter und muss sagen, Cathérine ist die entspannteste Mutter, die ich kenne. Und das färbt auch auf Madita ab. Das ganze erste Jahr war Madita so entspannt. Beide sind sehr gemütliche Menschen und liegen morgens auch gern mal etwas länger im Bett.

Was ist euch bei der Kindererziehung wichtig?

Ferdinand: Es ist alles sehr flexibel bei uns. Wir sind ziemlich viel unterwegs, auch mit unserem Bulli, deshalb gab es nie feste Essens- oder Schlafenszeiten. Aber so ein richtiges Konzept haben wir nicht. Wir achten auf Maditas, aber auch auf unsere Bedürfnisse. Wir haben ja noch das Glück, dass Madita noch nicht zur Schule muss, und sind somit noch sehr flexibel.

Und was wollt ihr Madita mit auf den Weg geben?

Cathérine: Oh, so viel. Ich hoffe, dass sie im Grunde immer glücklich ist, weil das alles sehr viel einfacher macht. Ich meine damit nicht, dass sie sich nicht der Traurigkeit der Dinge hingeben darf, auf jeden Fall gehört eine ordentliche Menge Dramatik zu einem aufregenden Leben dazu. Aber, dass sie am Ende des Tages immer weiß, dass alles gut wird. Dafür braucht sie natürlich ein gutes Selbstbewusstsein, von dem ich hoffe, dass wir ihr dabei helfen können, es zu entwickeln. Ich hoffe auch, dass sie sich als Mädchen und später als Frau immer gleichberechtigt fühlt und wenn nicht, den Mut hat, dafür zu kämpfen. Und dass sie ausgeglichen und aufgeschlossen ihren eigenen Weg, unabhängig von allem, in dieser wirren Welt findet.

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Ihr habt beide viele Geschwister. Wie viele Kinder wünscht ihr euch?

Ferdinand: Genau diese zwei. Das ist zumindest momentan der Plan. Einfach, um allen gerecht zu werden, und auch uns in unserer Beziehung als Paar.

Cathérine, du hast dein Studium abgebrochen. Ist es dir daher so wichtig, dass deine Kinder auch ihren Weg gehen?

Cathérine: Ich denke, das wäre mir genauso wichtig, wenn ich mein Studium zu Ende gebracht hätte. Jetzt habe ich nur weniger Argumente, falls ich meine Kinder mal dazu überreden wollen sollte, irgendetwas nicht so zu machen, wie sie es wollen.

Hat die Kunst schon immer einen großen Teil in deinem Leben eingenommen?

Cathérine: Es war auf jeden Fall schon immer mein Argument, weshalb ich keine guten Noten in der Schule brauche. Denn an der Kunsthochschule zählt ja nur die Mappe. Aber ja, ich habe schon als Kind lieber gemalt, als Zähne zu putzen.

Wie kreativ bist du, seitdem du Mama bist?

Cathérine: Da ich mich in der Elternzeit mit Café Ma selbstständig gemacht habe, versuche ich jede freie Sekunde mit Kreativsein zu füllen. Allerdings hat man mit Kind, was noch nicht im Kindergarten ist, natürlich auch sehr wenig Zeit.

Und warum ist Madita nicht in der Kita?

Cathérine: Mir war es wichtig, dass Madita reden kann, bevor sie in den Kindergarten geht, damit sie erzählen kann, was so passiert. Sie hat dann mit anderthalb Jahren schon recht gut gesprochen. Aber da war ich dann noch nicht bereit, ich alte Glucke. Ich habe das Jahr mit ihr aber sehr genossen und würde das mit Nummer zwei wahrscheinlich ähnlich machen. In diesem Jahr wird sie allerdings noch in einer Babelsberger Kita eingewöhnt.

Hat sich dein Stil durch das Mamasein verändert?

Cathérine: Vielleicht, aber ich glaube in erster Linie durch das Älterwerden.

Und warum habt ihr euch jetzt für Potsdam entschieden?

Ferdinand: Das hatten wir schon die ganze Zeit geplant. Ich bin ja in einem ganz kleinen Dorf im Schwarzwald aufgewachsen und ich habe Berlin nie länger als zwei Jahre ausgehalten. Wir waren ja immer wieder bei Catherines Familie in Potsdam zu Besuch und es hat mir immer richtig gut gefallen. Ich wollte eigentlich schon viel eher hierher ziehen.

Cathérine: Weil es hier einfach so schön ist. Die ganzen Parks und Seen machen das Leben so viel ruhiger. Berlin ist auf die Dauer einfach ein bisschen zu wild.

Eure neue Wohnung ist so schön eingerichtet. Woher stammen eure schönen Vintage Möbel?

Cathérine: Das ist ein ziemlich bunter Mix aus Flohmarkt, Antiquariat, eBay Kleinanzeigen und der Straße. Aber einige Stücke sind auch Geschenke. Das blaue Samtsofa haben mir meine Großeltern vermacht, mein Schreibtisch ist die alte Küchenplatte meiner Mutter und die dunkle Kommode aus dem Keller ist von Ferdis Eltern.

Werdet ihr jetzt in Potsdam alt oder wohin geht eure Reise?

Cathérine: Wenn das so läuft, wie wir uns das erträumen, werden wir uralt in in unserer Potsdamer Hollywood-Schaukel sitzen und ein letztes Glas Rotwein trinken.

Liebe Cathérine, lieber Ferdinand, vielen Dank für das Interview und alles Liebe euch 4!

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