Nachhaltig: unser Interview mit Sonja von babyccino berlin

Homestory Sonja. Slowliving und Nachhaltigkeit

„Es ist uns als Eltern wichtig, unseren Kindern den Nachhaltigkeitsgedanken vorzuleben.“

Letzte Woche haben wir Sonja und ihren kleinen Sohn in ihrem zu Hause in der Potsdamer Innenstadt besucht. Ihr großer Sohn war zu dieser Zeit in der Kita und ihr Mann arbeiten. Bei einer kleinen Kaffee- und Obstpause hat uns Sonja verraten, warum in ihrem Leben die Themen „Nachhaltigkeit“ und „Slow Living“ eine wichtige Rolle spielen und was ihr an ihrer Waldorf-Kita (im Gegensatz zu einer normalen Kita) so gut gefällt.

POLA: Liebe Sonja, bitte stell dich doch einmal vor. 

Sonja: Hallo, ich bin Sonja, 36 Jahre alt und die Mama von 2 Jungs. Der Große ist 5 und der Kleine ist 18 Monate alt. Wir wohnen jetzt seit zwei Jahren in Potsdam. Vorher haben wir lange in Berlin gewohnt, uns dann aber irgendwann für die grüne Kleinstadt entschieden. Uns war wichtig, dass man alles fußläufig erreichen kann, dass die Natur gleich in der Nähe ist und dass man bei Ausflugszielen nicht immer auf das Auto angewiesen ist. Das haben wir alles in Potsdam gefunden. Im Moment arbeite ich in  einem kleinen Kinderladen, nebenbei versuche ich regelmäßig auf babyccino berlin zu bloggen.

POLA: Wie kam es zu babyccino berlin und welche Themen spielen dort eine Rolle?

Sonja: Mit meinem Blog habe ich vor 4 Jahren angefangen. Vor meiner ersten Elternzeit habe ich als Grafikdesignerin gearbeitet, wollte mich danach dann aber neu orientieren. Ich habe schnell gemerkt, dass ich ein großes Interesse an Kinderprodukten und DIY’s hatte – vor allem natürlich Dank meinem Sohn und seinen Interessen und Bedürfnissen. Der Fokus lag dabei von Anfang an auf nachhaltigen und hochwertigen Produkten. Und dann bin ich irgendwie an’s Bloggen gekommen, eigentlich diente das ursprünglich eher meiner privaten Ideensammlung und Wunschliste.

POLA: Warum habt ihr euch vor 2 Jahren dazu entschieden, nach Potsdam zu ziehen?

Sonja: Berlin hat einfach ein ganz anderes Tempo. Das war uns als kleine Familie dann irgendwann zu viel. Eigentlich wollten wir auch erst nach Freiburg ziehen, da uns das Klima und die Urlaubsnähe sehr gereizt hat. Dann sind unsere Freunde von Neukölln nach Potsdam gezogen und die Idee hat uns gut gefallen. Wir konnten alle sozialen Kontakte behalten und mein Mann pendelt jetzt zwischen Berlin und Potsdam. Die Wohnungssuche war allerdings nicht so einfach, dafür haben wir für unseren großen Sohn gleich einen Platz in einer tollen Waldorf-Kita bekommen. 

POLA: Und warum habt ihr euch für die Waldorf-Kita entschieden?

Sonja: Eigentlich war es ein sehr glücklicher Umstand, dass wir dort reingekommen sind, denn zur Zeit unserer Suche war dort gerade ein Platz frei. Wir haben uns die Kita gleich angeschaut und waren total begeistert. Zum einen passte es für unseren großen Sohn super gut, er liebt die Natur, besitzt viel Fantasie für Rollenspiele und ist ein eher schüchterner Typ. In einer klassischen Kita hatten wir immer das Gefühl, dass ein Zuviel an Angeboten herrscht. Englisch, Sport und alle Arten von Ausflügen werden dort angeboten. Dabei wollen Kinder meist gar nicht entertaint und unterhalten werden, sondern es reichen ihnen ganz oft schon die kleinen Dinge, aus denen man großartige Spielideen entwickeln kann. Das geht von ganz allein. In der Waldorf-Kita ist es sehr behütet, die Stimmung ist meiner Meinung nach eine friedlichere als in den Kitas, die wir zum Vergleich hatten. Einmal in der Woche wird zusammen Brot gebacken, die Kinder bringen jeden Morgen ein Obst oder Gemüse mit, welches dann in der Gruppe zusammen vorbereitet und meist draußen im Garten „verschmaust“ wird. Die Kinder werden so zum Beispiel auch auf ganz natürliche Weise an die normalen Alltagsabläufe herangeführt. Obwohl ich selbst nicht mehr in der Kirche bin, finde ich es ein gutes Gefühl zu wissen, dass in der Kita die religiösen Feste stattfinden – das fängt beim Jahreszeitentisch an und hört beim Laternenumzug auf. Die Waldorfkita ist sehr naturverbunden, es gibt einfaches Spielzeug und vor allem aber auch natürliche Materialien, mit denen die Kinder spielen. Als wir das erste Mal dort waren, fühlten wir uns wie in einer Oase der Ruhe. Das ganze Gegenteil von unserem vorherigen Leben in Berlin. 

Was ich auch schön finde: Morgens werden alle Eltern von den Erziehern umarmt. Das war für uns am Anfang etwas ungewöhnlich, aber mittlerweile möchte ich es auch nicht mehr missen, denn man nimmt sich einfach einen kurzen Moment Zeit, um den anderen richtig zu begrüßen. Und signalisiert seinem Kind: Es ist alles gut, du bist hier gut aufgehoben bei jemandem, dem ich vertraue und mag.

POLA: Auf deinem Blog und Instagram-Account dreht sich fast alles um die Themen „Nachhaltigkeit“ und „Slow Living“. Was bedeutet das für euch und warum ist euch das so wichtig?

Sonja: Im Prinzip geht das ja auch Richtung Waldorf. Sich wieder auf das Handwerklich-Wesentliche zu besinnen. Einfach alles langsamer und achtsamer zu machen. Wir versuchen, so viel es geht, selber zu machen, regional einzukaufen und auch unser Konsumverhalten einzuschränken. Ich kaufe zum Beispiel lieber Second Hand, als in Billigdiscountern für den meist gleichen Preis Neuware. Es ist uns auch wichtig, den Kindern den Nachhaltigkeitsgedanken vorzuleben. Man braucht keine 30 Kuscheltiere oder 15 T-Shirts. Es reichen eben auch 5 T-Shirts. 

POLA: Wie können wir nachhaltiger leben? Hast du einfache Tipps für uns?

Sonja: Versuchen saisonal und regional einzukaufen. Und auch nur soviel wie man wirklich braucht und isst (funktioniert prima mit Hilfe eines Speiseplans!) Viele Dinge kann man selber machen, wie zum Beispiel Brot backen, Aufstriche zaubern oder Eis für die Kinder. Glücklich können auch die sein, die Strick- und Nähbegabte in der Familie haben! 

Weniger ist oft mehr – das heißt auch, immer mal wieder aussortieren. Für jede Neuanschaffung eine Sache wegtun. Es befreit total und man kann viel einfacher Ordnung halten. Wenn jedes Spielzeug seinen Platz hat, wissen die Kinder am Abend beim Aufräumen auch, wo was hingehört. Dazu sollte man jede Anschaffung genau überlegen. Lieber ein bisschen mehr Geld für ein gutes Produkt investieren und sich vorher genau informieren. 

POLA: Und was ist dir bei der Erziehung deiner Kinder wichtig?

Sonja: Am wichtigsten ist mir natürlich, dass die beiden glücklich und zufrieden sind. Aber ich bin auch jemand, der klar seine Grenzen setzt. Wenn ich abends Feierabed haben will, werde ich auch mal direkter. Ich gehe aber natürlich auch Kompromisse ein, meist, um vor allem mir einen Gefallen zu tun und es einfacher zu haben … Zum Beispiel darf mein Großer abends eine Folge fernsehen, und ganz oft überredet er mich, noch eine weitere Folge schauen zu dürfen. Es ist mir auch wichtig, dass alle im Haushalt mithelfen und beispielsweise ihren Teller nach dem Essen zur Spüle bringen. Klar, das klappt nicht immer, aber irgendwann automatisieren sich solche Abläufe ja hoffentlich. Auch ohne ständiges Loben und Danken! Außerdem versuchen wir die Grundstimmung zwischen uns Eltern immer im Positiven zu halten. Uns ist aufgefallen, dass sobald zwischen mir und meinem Mann Spannungen sind, die Kinder auch ungehaltener und zorniger werden.

POLA: Und wo ist euer Lieblings-Familienort in Potsdam?

Sonja: Wir sind super gern im Café Eden. Da gibt es einen tollen Kletterbaum. Schon der Weg durch Sanssouci ist total schön. Wir sind auch gern im Neuen Garten oder der Meierei. 

 

Liebe Sonja, vielen lieben Dank für deine Zeit und das tolle Interview!

 

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