Kolumne: Fantastische Welten

Kolumne Spielen

Jeder weiß, dass Kinder sich die Welt über das Spielen erschließen. Spielen ist für die frühkindliche Entwicklung so wichtig wie Essen, Schlafen und Liebe. Es hilft bei der Ausbildung von körperlichen wie geistigen Fähigkeiten und bietet einen Rahmen, der soziale Kompetenzen fördert. Das Spiel ist der Modus, der es schafft, den inneren Antrieb zum Lernen mit Spaß zu vergolden. 

Das Kind weiß von all dem nichts. Es spielt rein um des Spielens willen. Wenig macht mir so viel Freude, wie der Anblick meines Sohnes, wenn er in ein Spiel vertieft ist. Und genauso wenig habe ich Lust mitzuspielen. Die Frage: „Mama, spielst Du mit mir?“ löst in mir so viel Begeisterung aus wie verschimmeltes Brot. Trotzdem lüge ich oft „gern“ zur Antwort, denn auch für die Entwicklung als Familie ist es wichtig, dass man miteinander spielt, Anregungen bietet, Kreativität fördert. Darüber entsteht Vertrauen und außerdem ein Raum, in dem Kinder lernen können, mit Widrigkeiten und Erfolgen umzugehen. Darüber hinaus gilt in unserer Gesellschaft das Ideal der „intensiven Elternschaft“. Das bedeutet, dass man Zeit mit seinem Kind verbringt, zugewandte Zeit, das heißt, die Beziehung pflegt, sich auseinandersetzt, Interaktion betreibt – also spielt! Denn anregende Konversation über tagesaktuelle politische Themen mit einem 4-Jährigen fällt wohl für die Allermeisten aus. Mein Sohn weiß ja nicht mal, was eine Ampel-Koalition ist. Ich muss ihn, wie die Pädagogen sagen, da abholen, wo er steht und das ist nun mal inmitten seiner Spielsachen. 

Ergo muss ich ran, ob ich will oder nicht und ich will eigentlich nicht und das ist auch ganz normal, beruhigt mich das Internet. Erwachsene fänden beim Spielen mit kleinen Kindern oft keine Herausforderungen, da sie die Fähigkeiten, die es für die meisten Spiele braucht, schon erworben hätten, finde ich heraus. Eltern fühlen sich deswegen körperlich, geistig und strategisch meist unterfordert (außer beim Memory!). Zu meinem Glück ist für Kinder alles ein Spiel. Ich kann das intensive Elternsein auch über Basteln, Lesen, Toben und Malen herstellen oder über gemeinsames Kochen und Backen. Überhaupt sind mir Sachen mit Regeln oder Zielen lieber als unendlich abstrakte Rollenspiele. Vor seiner Polizeistation sitze ich trotz großer True Crime-Leidenschaft vollkommen uninspiriert und blicke sehnsüchtig auf die ruhige Einzelzelle.

Normalitäten aus Absurdistan

Neulich erzählte mir eine Mutter, dass sie nach ein paar Stunden Spielen mit ihrer Tochter vorgetäuscht hätte, auf die Toilette zu müssen, um für fünf Minuten statt Filly-Pferd wieder Mensch zu sein. „STUNDEN?“ habe ich entsetzt geschrien. Ich bin nach 5 Minuten Paw Patrol spielen so durchgerödelt, dass ich am liebsten die ganzen fancy Fahrzeuge der Fellfreunde zertreten möchte. Stunden! Laut Statistischem Bundesamt spielen Eltern im Schnitt eine halbe Stunde am Tag mit ihren Kindern im Alter von 0-6 Jahren. Man soll es auch nicht übertreiben, raten Spielwissenschaftler. Das Elternsein ist keine Pflicht zum Dauer-Entertainment. Es geht vielmehr darum, Impulse zu setzen, sagen die Ludologen.

Einige Erwachsene hingegen scheinen das Spielkind in sich niemals verloren zu haben. Diese Leute arbeiten womöglich bei Produktionsfirmen, die Unterhaltungssendungen für Kinder entwickeln. Schließlich käme meiner Meinung nach nur ein ausgemachter Kindskopf auf die Idee, sechs verkleidete Hundewelpen, die von einem 10-Jährigen angeführt werden, so hochzurüsten, dass sie in der Lage sind, ständig drohende Katastrophen in einer Kleinstadt zu vereiteln. Ich hasse die Serie, in der weitestgehend kleine Jungs die Probleme einer unfähigen Bürgermeisterin lösen. 

Mein Vierjähriger jedoch ist begeistert von den „Helfern auf 4 Pfoten“. Er zeigt insgesamt eine extrem hohe Akzeptanz für diese kreativen Erzählwelten. Vielleicht ist unsere unterschiedliche Fähigkeit zur Toleranz von Absurditäten auch der Grund, warum ich manchmal nicht erkennen kann, worum es in seinem Spiel gehen soll? So wie gestern, als er mir mit seinem süßen Kindergesicht befahl: „Mama, du baust eine Fleischmaschine!“ Er sagte das mit einer beiläufigen Selbstverständlichkeit, als wäre eine Fleischmaschine so alltäglich wie ein Stuhl. Ich wusste überhaupt nicht, was er meint, wie das aussehen soll. Sind Bausteine der richtige Ansatz oder Mett? In welchem Universum befinden wir uns? Wollte er eine Ritter-Fleischmaschine oder sollte sie kostümierte Hundewelpen verarbeiten? Ich brauchte konkretere Anweisungen und Vorgaben! Der Junge verzweifelte an mir, verstrickte sich in nebulösen Erklärungsversuchen und hatte insgesamt null Verständnis dafür, dass er erst tausend Fragen beantworten musste, bevor seine Mutter eine simple Fleischmaschine bauen konnte. Er schlug vor, was anderes zu spielen: „Mama, “ sagte er entnervt „spielen wir lieber Ich sehe was und du siehst nichts.

 – Ich dachte, das hätten wir gerade gespielt.

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