Kolumne: Die Sache mit dem Sommerurlaub…

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Naaa, wo fahrt ihr diesen Sommer hin? Eine Frage, die gerade die einzige zu sein scheint, die zählt. Klar, eine typische Smalltalk-Frage, die einfach perfekt in die Sommerzeit passt, so wie man zum Ende des Jahres gefragt wird, wie und wo man Silvester feiert. Und eigentlich wäre die Frage mit drei Worten beantwortet: BEI DEN SCHWIEGERELTERN! Und doch komme ich jedesmal in Erklärungsnot. Aber warum eigentlich? Ich versuche es hier noch mal zu erklären…

Die letzten beiden Jahre zählen ja nicht so richtig, was das Thema Urlaub angeht. Corona all over the place. Auch wenn andere das nicht daran gehindert hat, in den Urlaub zu fliegen, haben wir uns in den letzten beiden Sommern für den Garten der Schwiegereltern entschieden.
Dieses Jahr dann wollten wir alles anders machen – endlich wegfliegen! So richtigen Familienurlaub planen! Jedoch hat das Planen von Anfang an schon keinen Spaß gemacht. Denn irgendwie wussten wir gar nicht so richtig, was wir eigentlich suchten… Nach Dänemark ans Meer? In einen Kids Club in den Süden? Oder vielleicht doch so was wie Camping?

Schnell habe ich gemerkt, dass bei keinem der Alternativen so richtig Vorfreude aufkam oder aber ich die Angebote schlicht viel zu teuer fand. Nach reiflicher Überlegung kam ich zu dem Entschluss, dass einen Urlaub im Süden und das im August (Kita-Schließzeit) für uns totaler Quatsch ist. Wir sind alle drei keine Sonnenanbeter und würden wahrscheinlich die Hälfte des Tages nur drinnen verbringen. Häuser in Dänemark sind traumhaft schön, machen aber viel mehr Sinn, wenn man zu 6. oder 8. ist. Immerhin haben wir das jetzt schon mal für das nächste Jahr mit Freunden geplant und reserviert. Immerhin!!!

Die Tabs an meinem Laptop nahmen also ungeahnte Dimensionen an und doch kam ich mit der Planung kein Stück weiter. Irgendwie schien es, als müssten wir uns entscheiden, ob das Kind auch seine Kosten kommen soll oder wir? Ein Urlaub von dem wir alle was haben sollten, kamen wir nicht wirklich näher. Kann sein, dass wir dafür auch nicht urlaubsaffin genug sind und definitiv auch zu wenig Erfahrung haben, aber Schluss endlich fühlte sich nichts richtig an.

„Na dann lass uns doch einfach wieder zu meinen Eltern fahren!“ sagte meine Freund irgendwann. Ein Satz, vor dem ich die ganze Zeit ein bisschen Angst hatte,  aber der gleichzeitig auch Erleichterung in mir auslöste…
Angst ist natürlich etwas übertrieben, aber ich kenn den Ort in Nordeutschland, seit der Pandemie, wirklich in- und auswendig. Ich habe das Gefühl, wir müssten unserem fast vierjährigen Sohn mal mehr von der Welt zeigen, jetzt wo er anfängt, so wissbegierig zu sein. Und gefühlt macht alle Welt die tollsten Urlaube und wir fahren halt mal wieder „nur“ in die Nähe von Flensburg. Die Vorteile liegen natürlich klar auf der Hand: Uns erwartet ein Vorort mit einem Haus und einem wunderschönem Garten, ein Auto, drei Malzeiten pro Tag, um die wir uns nicht kümmern müssen und natürlich Oma und Opa, die große Lust auf Kinderbespaßung haben. Also frag ich mich erneut, störe eigentlich ich mich an dem Alternativ-Urlaub oder geht es mir wirklich um die Bedürfnisse meines Sohnes? Denn für ihn ist es eigentlich der perfekte Urlaub. Er fühlt sich dort pudelwohl, hat dort Spielzeug ohne Ende und liebt Oma eh über alles. Vergessen wir also manchmal das Wesentliche, weil wir denken, wir müssen unseren Kindern den ultimativen Urlaub bescheren?

Ziemlich sicher ist diese Art von Urlaub die einzige, in der wir auch selber ein bisschen zur Ruhe kommen, mal ein Buch lesen können und für abends auch gleich einen Babysitter haben. Denn bucht man eine Finca, ganz egal wo, mietet man selber kochen und abwaschen auch gleich mit. Wird der Kids Club vom Kind nicht angenommen, sitzt man im schlimmsten Fall zwei Wochen mit dem Kind zusammen zwischen einem Haufen anderer Familien und Kindern. Da hab ich schon die wildesten Geschichten zu gehört. Ein Urlaub mit Freunden und Kids könnte ich mir total gut vorstellen, waren wir nur dieses Jahr zu spät und ist ja nun auch für nächstes Jahr geplant. Es führt uns also immer wieder zurück zu dem Ort, der tatsächlich auch ein Urlaubsort ist. Zwar weniger für junge Familien als mehr für Senioren, aber an der Natur und Wasser vor Ort gibts absolut nichts zu meckern.


Die Urlaubsplanung steht also und was noch viel toller daran ist, es gibt gar keine Planung. Alles was wir machen müssen, ist Koffer packen und in den Zug steigen. That’s it! Die Rückfahrt buchen wir spontan, je nachdem wie lange wir Lust haben, dort zu bleiben. Vielleicht gönne ich mir so gar noch ein paar Tage alleine in Berlin und fahre schon etwas früher zurück? Alles ist möglich und plötzlich so einfach. Das Geld was wir gespart haben, haben wir dann spontan in einen Kurztrip nach Kopenhagen investiert und dort, über Pfingsten, herrliche Tage verbracht. Den Rest der Kohle sparen wir, um im Januar für vier Wochen abzuhauen. Urlaub macht irgendwie deutlich mehr Sinn, wenn es in Berlin kalt und grau ist. Mit diesem Arrangement fühlen wir uns jetzt sehr sehr wohl. Jetzt muss ich nur noch aufhören, mich zu erklären, warum wir diesem Sommer nicht in den Flieger steigen, sondern uns für die All inclusive Option made by Oma und Opa entschieden haben. Die Vorfreude steigt…!

Text: Daniela Wilmer

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