Manchmal hat ein Baby einfach seinen eigenen Kopf, oder besser gesagt seinen eigenen Sitzplatz. Wenn sich das Kleine kurz vor der Geburt nicht mit dem Köpfchen nach unten drehen möchte, sondern mit dem Po nach unten liegt, spricht man von einer Beckenendlage. Bei vielen Eltern sorgt das für Unsicherheit oder Angst. Was bedeutet das für die Geburt? Muss ich jetzt automatisch einen Kaiserschnitt bekommen?
Die gute Nachricht ist: Eine Beckenendlage ist nichts Seltenes und längst kein Grund zur Panik. Etwa 5 % der Babys liegen so zum Ende der Schwangerschaft und es gibt heute viele Möglichkeiten, damit gut und sicher umzugehen.
Ein Beitrag der Potsdamer Hebamme Sandrina Seide
Wissen und Tipps rund um die Beckenendlage
Was genau ist eine Beckenendlage?
Bei einer Beckenendlage liegt das Baby im Bauch mit dem Po oder den Füßen nach unten, also genau andersherum als bei der typischen Schädellage. Das bedeutet, dass der Babykopf oben unter dem Rippenbogen der Mutter liegt und das Beckenende, also Po oder Beine, unten im Becken.
Es ist keine „falsche“ Lage, sondern einfach eine andere. Die meisten Babys drehen sich im Laufe der Schwangerschaft von selbst in die Schädellage, meist um die 34. bis 36. Woche herum. Wenn das Baby danach aber weiterhin mit dem Po nach unten bleibt, spricht man von einer Beckenendlage. Diese kann ganz unterschiedlich aussehen, manchmal sind die Beine nach oben gestreckt, manchmal angewinkelt, manchmal liegen die Füßchen vor dem Po.
Warum liegen manche Babys am Ende der Schwangerschaft in Beckenendlage?
Warum ein Baby in der Beckenendlage liegt, kann ganz unterschiedliche Gründe haben und meist gibt es gar keinen bestimmten. Risikofaktoren sind unter anderem eine Frühgeburt, niedriges Geburtsgewicht, die Lage der Plazenta, Menge des Fruchtwassers, anatomische Veränderungen des Uterus oder des Beckens, das Alter der Schwangeren, eine sehr kurze Nabelschnur, Mehrlingsschwangerschaften oder Myome (gutartige Wucherungen von Muskelzellen in der Gebärmutter). Diese ganzen Risikofaktoren machen am Ende jedoch nur 7–15 % aller Beckenendlagen aus. Vor allem eine genetische Prädisposition wird als möglicher Auslöser diskutiert.
Beckenendlagen wiederholen sich oft in späteren Schwangerschaften und diese Häufung besteht auch generationsübergreifend. Wenn also Mutter oder Vater selbst eine Beckenendlage war, ist das Risiko größer, auch eine zu bekommen.
Welche Möglichkeiten gibt es, das Baby zum Drehen zu bewegen?
Es gibt einige Möglichkeiten, die das unterstützen sollen – aber was davon funktioniert wirklich?
Die äußere Wendung – die Methode mit den besten Erfolgschancen
Am besten untersucht und tatsächlich wirksam ist die äußere Wendung. Dabei versucht eine erfahrene Ärztin oder ein erfahrener Arzt durch sanften Druck von außen, das Baby in die Schädellage zu bringen. Das Ganze passiert unter Ultraschallkontrolle, sicher und überwacht. Studien zeigen, dass so bei etwa der Hälfte der Babys die Drehung gelingt und dadurch auch weniger Kaiserschnitte nötig sind. Schwerwiegende Komplikationen sind dabei sehr selten.
Akupunktur und Moxibustion – Wärme und Nadeln
Die Moxibustion stammt aus der Traditionellen Chinesischen Medizin. Dabei wird ein Kräuterstäbchen (Beifuß) nahe dem kleinen Zeh erwärmt, genauer gesagt am Punkt Blase 67. Ziel ist es, die Bewegungen des Babys anzuregen, sodass es sich von selbst dreht. Oft wird die Methode mit Akupunktur kombiniert. Einige Studien, vor allem aus China, berichten tatsächlich von erfolgreichen Wendungsraten, wenn regelmäßig gemoxat wurde. In europäischen Untersuchungen fällt das Ergebnis allerdings deutlich schwächer oder gar nicht messbar aus. Es wird vermutet, dass Unterschiede in der Anwendung oder Auswahl der Frauen eine Rolle spielen könnten. Moxibustion kann helfen, muss aber nicht. Die Methode gilt als sicher, solange sie von jemandem durchgeführt wird, der sich damit auskennt, wie eine Hebamme oder Ärzt:in mit einer Zusatzausbildung in TCM oder Akupunktur. Akupunktur allein dagegen hat in Studien bislang keinen eindeutigen Nutzen gezeigt.
Osteopathie – den Körper in Balance bringen
Auch osteopathische Behandlungen werden immer wieder empfohlen. Dabei geht es darum, Spannungen im Becken und in der Muskulatur zu lösen, um dem Baby mehr Raum für Bewegung zu geben. Viele Schwangere empfinden die Behandlung als angenehm und entspannend. Aus wissenschaftlicher Sicht ist die Datenlage dünn. Es gibt bisher nur sehr kleine Studien, die keine klaren Aussagen zur Wirksamkeit erlauben. Das heißt, Osteopathie kann unterstützen, es ist aber nicht sicher belegt.
Übungen und Yoga – gut fürs Wohlbefinden, Wirkung jedoch unklar
Auch bestimmte Körperübungen oder Positionen, etwa auf dem Gymnastikball, in der Knie-Ellenbogen-Lage oder in der sogenannten indischen Brücke, sollen dem Baby mehr Platz schaffen, um sich zu drehen. So richtig belegt ist das allerdings nicht. Studien zeigen keine klaren Unterschiede zwischen Frauen, die solche Übungen gemacht haben, und denen, die es nicht taten. Trotzdem können Bewegung und Entspannung helfen, Verspannungen zu lösen, und das kann ja nie schaden.
Wenn das Baby in Beckenendlage liegt, lohnt sich ein offenes Gespräch mit Ärzt:in oder Hebamme über alle Möglichkeiten. Die äußere Wendung ist die Methode mit der besten Erfolgsaussicht, während Moxibustion oder spezielle Übungen eher sanfte Begleiter sind, deren Wirkung wissenschaftlich noch nicht eindeutig belegt ist. Am wichtigsten ist, dass sich die werdende Mutter gut informiert und unterstützt fühlt.
Die vaginale Geburt aus Beckenendlage
Früher hieß es oft Kaiserschnitt. Doch heute weiß man, dass eine vaginale Geburt auch bei dieser Lage möglich und sicher ist, wenn bestimmte Voraussetzungen stimmen und das Team erfahren ist.
Wann eine vaginale Geburt möglich ist:
- das Verhältnis zwischen Abdomen/Bauch und Kopf des Babys muss harmonisch sein und es darf keine Diskrepanz bestehen (der Kopf sollte nicht viel größer sein als der Bauch im Umfang)
- das Baby sollte in einer reinen Beckenendlage liegen (also mit dem Po nach unten, die Füße hochgeklappt neben dem Kopf)
- die Schwangerschaft ist unkompliziert verlaufen
- das Geburtsteam hat Erfahrung
In vielen Kliniken gibt es spezialisierte Ärztinnen und Ärzte, die solche Geburten zusammen mit den Hebammen begleiten. Sie achten darauf, dass Mutter und Baby während der Wehen gut überwacht werden. Sollte sich im Verlauf zeigen, dass es nicht optimal vorangeht, kann jederzeit ein Kaiserschnitt durchgeführt werden. Die Sicherheit steht immer an erster Stelle.
Wie läuft eine Beckenendlagengeburt ab?
Die Geburt selbst unterscheidet sich in vielen Phasen gar nicht so stark von anderen. Das Baby kommt mit dem Po zuerst. Die Beinchen sind anfangs noch hochgeschlagen am Körper. Hebammen und Ärzt:innen greifen so wenig wie möglich ein und lassen das Baby geboren werden, also aus eigener Kraft voranschreiten. Erst wenn der Oberkörper und schließlich das Köpfchen folgen, können erfahrene Hände mit gezielten Griffen unterstützen, wenn nötig. Eine gute und unterstützende Position zur Geburt ist hier der Vierfüßlerstand.
Informed choice – sicher und selbstbestimmt entscheiden
Studien zeigen, dass eine geplante vaginale Geburt aus Beckenendlage bei sorgfältiger Auswahl ähnlich sicher verlaufen kann wie eine vaginale Geburt aus Schädellage oder eine geplante Sectio, vorausgesetzt, sie findet in einer Klinik mit entsprechender Erfahrung statt. Viele Frauen berichten von einer intensiven, aber sehr selbstbestimmten Geburtserfahrung. Wer eine Beckenendlage hat, sollte sich am besten frühzeitig in einer Geburtsklinik beraten lassen (um die 35. Schwangerschaftswoche), die solche Geburten regelmäßig begleitet. Dort kann in einer ärztlichen Geburtsplanung gemeinsam entschieden werden, welcher Weg der sicherste und passendste ist – für Mutter und Kind.
Weitere Hebammen-Tipps für eure Schwangerschaft
Unsere Hebamme Sandrina Seide hat noch viel weiteres Wissen und Tipps für euch, zum Beispiel:
- Phasen der Geburt – Der Weg eures Babys hinaus in die Welt
- Tipps für die Begleitperson im Kreißsaal
- Wehenfördernde Maßnahmen
- Die besten Geburtspositionen
- Wie ist das mit dem Sex vor und nach der Geburt?
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