Kennt ihr schon die LEO-Hörspiele für Kinder? Erfinder Matthias Arnold im Interview

Lieben eure Kinder es auch so sehr, Hörspielen zu lauschen? Ob beim LEGO-Bauen, im Auto oder vor dem Einschlafen am Wochenende – Hörspiel geht bei uns immer! Auf der Suche nach neuem „Hörstoff“ sind wir vor einigen Wochen auf „LEO und die Abenteuermaschine“ gestoßen und sind sehr begeistert, denn hier werden aufregende Abenteuer mit Wissensvermittlung verknüpft. Was uns besonders überrascht hat: Die aufwändigen Folgen werden nicht etwa von einem großen Verlag produziert, sondern entstehen in Eigenregie nicht weit von Potsdam. In Oranienburg hatte Familienvater Matthias Arnold (41) vor gut fünf Jahren die Idee dazu und hat gerade die 12. Folge veröffentlicht. Was das Besondere an LEO ist und wie ein Hörspiel entsteht, das erfahrt ihr in unserem Interview.

POLA: Lieber Herr Arnold, wie kam Ihnen die Idee zu LEO, Sie sind ja von Haus aus kein Hörspiel-Produzent?

Matthias Arnold: Das ist richtig, ich arbeite seit 20 Jahren für das deutsche Fernsehen als Cutter, schneide also das Filmmaterial der Kameraleute zu Magazinbeiträgen oder Dokusoaps zusammen.

Privat habe ich zwei Söhne, Elias ist 5 Jahre alt und Tobias 9. Als Tobias mit 4-5 Jahren in die „Warum-Phase“ kam, hat er mir Löcher in den Bauch gefragt. Ich habe immer viel gelesen und habe versucht, ihm alles zu erklären, bin aber auch irgendwann an meine Grenzen gestoßen. Ich habe dann nach Hörspielen gesucht, die Abenteuer und Wissen verbinden, aber nichts gefunden, was wirklich gut war und meinen Ansprüchen genügt hat. Jetzt bringe ich die Geschichten, die ich meinen Sohn erzähle, als Hörspiel heraus.

Was ist das Besondere an den LEO-Hörspielen, was sonst niemand hat?

Bei LEO tröpfelt das Wissen mit Spaß rein.

LEO kombiniert Abenteuer, Spaß und Wissen. Diese Verbindung gibt es selten bis nie, die existierenden Hörspiele sind entweder sehr trocken oder bestehen nur aus Abenteuern. Bei LEO tröpfelt das Wissen mit Spaß rein. Es gibt auch kein Geschrei und keine Schimpfwörter, viel Lärm oder hektisches Rumgegacker. So können es auch wir Eltern gut hören und fühlen uns gut unterhalten und nicht genervt.

Das gelingt Ihnen wirklich sehr gut, Kompliment! Das ist doch sicher sehr aufwändig und teuer, wieso stemmen Sie das in Eigenregie und haben sich keinen großen Verlag an die Seite geholt?

Es hat sich einfach kein Verlag für LEO gefunden. „Sie schreiben am Massengeschmack vorbei.“ war der meistgenannte Grund. Bei den Verlagen geht es um Gewinnmaximierung und man bedient irgendwie alles, Wissenshörspiele interessieren nicht. Auch für den großen Erzähleranteil bei LEO wurde ich kritisiert – aber imposante Dinge wie die Chinesische Mauer müssen einfach mit Worten ausgemalt werden, damit die Kinder sich das auch vorstellen können. Da ich keine Kompromisse machen wollte, produziere ich LEO nun selbst. Bis heute gibt es keine zweite Person hinter LEO.

Wie genau entsteht so eine Folge LEO?

Am Anfang steht die Idee zu einem Thema, wie zum Beispiel in Folge 11 zu Bruce Lee, Shaolin Mönchen und Karma. Dazu recherchiere ich viel und zwar nicht nur bei Wikipedia, sondern vor allem in Büchern. Ich habe im Schlafzimmer eine riesengroße Bibliothek, zum Thema Mondlandung gibt es zum Beispiel ein tolles Buch aus den 70er Jahren, nun voll mit meinen Markierungen. Dann schreibe ich die Geschichte, das war schon immer eine Leidenschaft von mir. Schon mit 16 hatte ich als Jugendlicher drei Romane verfasst – andere haben in dem Alter Zeitschriften ausgetragen, ich habe Artikel dafür geschrieben. (lacht)

Bei großen Verlagen sind die Hörspiele auf eine Länge von 40-50 Minuten begrenzt, weil die Produktion so teuer ist. Bei mir ist die Geschichte zu Ende, wenn sie zu Ende ist. Ich schreibe solange, bis ich zufrieden bin. Das dauert mehre Wochen und meist schreibe ich verschiedene Folgen gleichzeitig.

Als nächstes suche ich mir für jede Rolle einen professionellen Sprecher und höre mir in einer Art Casting die Stimmen an. In Berlin wird über 4-5 Tage dann vertont, die Sprecher kommen hier nacheinander ins Studio und sprechen ihre Rollen ein. Das sind Tonnen an Material, aus denen ich dann eine Vormischung mache und die Dialoge zusammensetze, Verhaspler rausschneide oder Pausen setze. Aus meinem Job beim Film ist mir Musik sehr wichtig, in jeder Folge gibt es daher auch 30-35 Lieder als Musikuntermalung.

Dann entsteht die sogenannte Hauptmischung, in der ein Sound Designer noch Effekte einsetzt, wie zum Beispiel Regengeräusche. Das geht mehrmals zwischen uns hin und her bis ich rundum zufrieden bin. Parallel gestaltet eine Grafikerin das Cover nach einer Skizze von mir und ich suche ein Presswerk für die CDs.

Wie lange dauert der Prozess ungefähr?

Selbst im Urlaub gibt es keinen Tag ohne LEO.

Das sind ungefähr vier Monate Dauerarbeit von früh bis spät, denn ich mache das ja neben meinem eigentlichen Job. Ich stehe sehr früh auf und arbeite an LEO, bringe dann die Kinder in Kita und Schule und mache dann bis 18 Uhr meine Cutter-Jobs. Bis 22 Uhr etwa verbringe ich mit meiner Familie und meiner Frau und dann geht es bis Mitternacht, meist sogar bis 2 Uhr mit LEO weiter, und das täglich. Selbst im Urlaub gibt es keinen Tag ohne LEO.

Sie haben richtig tolle Sprecher, die man aus anderen Hörspielen, Film und Fernsehen kennt.

Ja, darauf bin ich sehr stolz! Erzähle ich jemandem, dass ich quasi privat ein Hörspiel produziere, denken die Leute, das kann ja nichts sein. Hören sie dann rein, sind Sie immer überrascht und begeistert. Ich arbeite mit Deutschlands Top-Sprechern. Irina von Bentheim, die deutsche Stimme von Sarah Jessica Parker, der Carrie aus „Sex and the City“, spricht zum Beispiel die Mutter von LEO. Charles Rettinghaus synchronisiert sonst Jamie Foxx oder Robert Downey Junior. Irina und Charles kannte ich von Dreharbeiten und konnte sie schnell für LEO gewinnen.

Die deutsche Sprecherszene ist nicht groß und LEO hat sich schnell rumgesprochen und ich habe nun einen Pulk von Top-Sprechern, die sich alle für LEO ins Zeug legen. Da ist zum Beispiel Oliver Rohrbeck, der Justus Jonas aus „Die drei ???“ und Synchronstimme von Ben Stiller, Ingo Albrecht, die deutsche Stimme von Dwayne „The Rock“ Johnson und und und. Wer bei LEO reinhört, wird viele bekannte Stimmen entdecken.

 

Im Tonstudio: Marco Rosenberg, der Sprecher von LEO / Sprecher Ingo Albrecht (links; Synchronstimme von Dwayne “The Rock” Johnson) mit Matthias Arnold

Die Gagen, die Produktionskosten – das ist sicher nicht günstig. Wie finanzieren Sie LEO?

Die Kinder treiben mich an wie ein Feuer.

Bisher ist LEO immer noch ein teures Hobby, jede Folge kostet so viel wie ein kleines Auto. Ich habe kein Werbebudget und deshalb wissen viele Eltern noch nicht, dass es LEO gibt, aber dank Mundpropaganda spricht sich LEO langsam herum. Eltern, die den Wunsch haben, für ihre Kinder Sachen abseits der ausgetretenen Pfade zu finden, stoßen auf LEO und erzählen es weiter. Ich halte auch Vorträge in Schulen und erkläre Kindern der 2.- 4. Klassen, wie ein Hörspiel entsteht. Dazu gibt es für jeden eine CD und auch das führt wieder zu weiteren Fans.

Das Feuer dahinter, was mich antreibt, sind die Kinder, das kann ich nicht in Worte fassen und in Geld nicht berechnen. Ich bekomme so viele tolle Rückmeldungen von Eltern und Kindern, das können Sie sich nicht vorstellen. Begeisterte Eltern schicken Mails, Videos und Sprachnachrichten. Ein Sohn hat die Mozart-Folge gehört und möchte nun unbedingt Klavier spielen. In einer Folge sollen die Eltern spontan ihre Kinder umarmen, da sind schon kleine Wunder passiert. Dieses Feedback ist meine Batterie, die extrem schnell aufgeladen wird. Die Kinder werden heutzutage mit so viel Müll zugeschüttet und es ist ein Kampf gegen Windmühlen, aber LEO gibt mir das Gefühl, die Welt ein bisschen besser gemacht zu haben.

Vieles läuft heute digital. Warum setzen Sie zusätzlich immer noch auf die CD?

Zum einen hat Haptisches, das man anfassen kann, einen viel größeren Wert. Schenken Sie dem Kind zum Zeugnis eine CD und es wird sich freuen. Aber bei einem Download? Sie erinnern sich doch sicher selbst noch an Ihre erste CD, aber nicht an Ihren ersten Download.

Zum anderen kann man zu CDs immer und immer wieder wahrhaftig „greifen“ und sie anhören und Kinder brauchen und wollen diese Wiederholungen. Kindergehirne funktionieren anders als bei uns Erwachsenen, das vergessen wir oft. Kinder freuen sich, jeden Tag das Gleiche anzusehen oder zu hören, und zu wissen, was als nächstes passiert.

Gerade haben Sie die 12. LEO-Folge veröffentlicht. Mit welcher Folge sollen unsere Leser starten, wenn sie neugierig geworden sind?

Wie sagt man so schön: Es sind alles meine Babys und ich liebe alle. Für mich stechen aber 2 Folgen heraus: Albert Einstein (Folge 4) und Bruce Lee (Folge 11). Zu Einstein sage ich immer: In diesem Hörspiel stecken 50 Prozent von dem, das du für das Leben wissen musst. Das Leben wartet nicht auf uns, es tut auch manchmal weh und braucht harte Arbeit. Aufstehen, Hose saubermachen und weiter geht’s, das ist Albert Einstein in Person. Bei Bruce Lee geht es um chinesische Lebensweisheiten und um Karma. Tu niemanden an, war du selbst nicht angetan haben möchtest.

Die ersten drei Folgen bestehen aus mehreren Geschichten und sind auch was „für zwischendurch“. Ab Folge 4 gibt es dann einen roten Faden und es geht so richtig los und LEO hat seine Bestimmung gefunden. Ich empfehle daher, ab Folge 4 einzusteigen. Grundsätzlich ist LEO für das Alter von 5 bis 10/12 Jahren perfekt.

Lieber Herr Arnold, wir freuen uns schon auf Folge 12 und danken Ihnen für das tolle Interview!

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Fotos: © Matthias Arnold / Abenteuermaschine.de

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