„Uuund, wie geht’s euch?“ – Was Corona mit uns als Familie gemacht hat

Wir stecken jetzt schon ganz schön lange zusammen fest. Wir – das sind mein Freund, mein Sohn und ich. Ziemlich genau 2,5 Jahre hocken wir aufeinander. In der Zeit ist viel passiert und trotzdem fühlt es sich an, als würde uns das Murmeltier täglich grüßen. 2,5 Jahre als Familie auf gar nicht mal so großem Raum – Was macht das eigentlich mit uns?

Mein Freund und ich sind ziemlich freiheitsliebend. Deshalb haben wir bis kurz vor der Geburt auch nicht zusammen gewohnt. Und das obwohl wir damals auch schon fast acht Jahre zusammen waren. Um so mehr haben wir uns auf das erste Jahr gemeinsam mit Baby gefreut. Zusammen in einer Wohnung, er macht die Elternzeit, ich arbeite von zu Hause. Nähe von 0 auf 100. All in.

Das volle Programm, wir drei 24/7. Intensiv wurde es und schön, aber nicht immer einfach. Ich war also auch ein bisschen erleichtert, als nach einem Jahr die Eingewöhnung in der Kita begann und kurz darauf auch mein Freund zurück in den Job musste. Bis… na bis ein paar hundert Fledermäuse eine Party geschmissen haben und Corona plötzlich zu unserem Alltag gehörte. Alles auf null. Alle wieder zu Hause.

Und täglich grüßt das Murmeltier!

Zwischen Homeoffice, 65 Quadratmetern, zwei mal kochen am Tag, viele viele Spülmaschinen-Ladungen, spielen, Bücher gucken, Burgen bauen, stecken wir den ersten Lockdown erstaunlich gut weg. Zum Glück spielt damals das Wetter mit und wir waren viel draußen. Das uns ein langer Winter ohne Betreuung, dafür aber mit noch mehr Pandemie, bevor stehen würde, ahnten wir zu dem Zeitpunkt noch nicht. Auch nicht, dass wir uns alle drei als Familie im Herbst in Quarantäne begeben. Wir haben Corona, erst ich, dann mein Freund, unser Sohn vielleicht. Diesmal sitzen wir also so richtig fest. 14 Tage ohne frische Luft oder andere Menschen. Einmal schleichen wir uns spät abends raus, um eine Runde über den Friedhof zu drehen. Mit Maske und Taschenlampe fühlen wir uns wie Bonnie und Clyde. Die Tage vergehen und wir üben uns in immer neuen Abläufen. Für den ersten Lockdown, den Lockdown Light, unsere Quarantäne und den zweiten Lockdown. Oder der wievielte ist das jetzt eigentlich? Die Tage vergehen erstaunlich schnell und trotzdem frag ich mich manchmal, was wir eigentlich die letzten 365 Tage gemacht haben?

Damals im März…

Als es im März 2020 hieß, dass die Kitas schließen, schnürte es mir fast die Brust zu. Ich war so verliebt in meine neue Freiheit, dass ich täglich von 9-15 Uhr in meinem Tempo duschen, arbeiten, Freunde treffen konnte. Alles fühlte sich damals so leicht an. Jeden Nachmittag freute ich mich wie verrückt meinen Sohn von der Kita zu holen, um anschließend gemeinsam zu spielen, zu kochen, zu kuscheln. Damals fühlte ich mich meiner Freiheit beraubt. Damals, als ich doch tatsächlich dachte, dass nach fünf Wochen alles wieder beim Alten wäre. Aus fünf Wochen wurden vier Monate und daraus eine wahnsinnig intensive Zeit als Familie. Die Uhren tickten anders, die Prioritäten verschoben sich und ich hatte das Gefühl, meinen Sohn noch mal ganz neu kennenzulernen. Wir nehmen uns für alles ganz viel Zeit. Das Kind merkt das und ist ganz besonders ausgeglichen und macht uns die intensive Zeit ziemlich einfach. Zwei Mal fahren wir für längere Zeit zu Oma und Opa aufs Land. Abwechslung für das Kind, mehr Homeoffice für uns. Dazwischen wieder ganz viel Dankbarkeit. Dafür, dass wir gesund sind, dass jeden Tag die Sonne scheint, dass wir uns und ein Dach über dem Kopf haben.

Zusammen ist man weniger allein

Dezember. Die ersten Tage sind wieder aufs Neue hart. Statt zwei Wochen Weihnachtsferien, ein neuer Lockdown. Die Laune sinkt, die Temperaturen auch. Das wird anders diesmal, das wissen wir. Wir merken schnell, dass schlechte Laune uns als Familie nicht weiter hilft. Wieder Augen zu und durch und wieder wird der neue Alltag zu etwas zu Schönem. Weil wir uns irgendwie drauf einlassen und nur von Tag zu Tag denken. Unser Sohn fängt jetzt richtig an zu sprechen, der  Wörtersalat wird zu richtigen Sätzen. Und wir sind dabei, rund um die Uhr. Das macht glücklich. Genau so wie die kleine Dinge, die wir uns jeden Tag vornehmen. Ein Spaziergang zu einer neuen Bäckerei, ein warmer Kakao im Wald. Wir sind ein richtig gutes Team wir drei. Zwei Lieblingsmenschen an denen ich mich zum Glück nicht satt sehen kann. Trotzdem möchte ich am Abend, wenn Feierabend ist, meine Ruhe haben. Gespräche finden hier nach 20 Uhr nur noch selten statt, dafür wird geglotzt oder gelesen. Viel haben wir uns nicht zu erzählen, weil wir nichts mehr ohne den anderen erleben.

Zum Glück bringt das neue Jahr nicht nur Eis und Schnee, sondern auch Abwechslung durch zwei liebe Kita-Familien, die mittlerweile fast zum Mittelpunkt unseres Alltags geworden sind. Es wird für einander gekocht, auf die Kinder aufgepasst, zusammen gelacht und Sorgen ausgetauscht. Wir halten uns gegenseitig den Rücken frei und haben eine gute Zeit zusammen. Und da ist sie wieder, die Dankbarkeit. Dafür, dass wir nicht untergehen, für neue Freundschaften, unser Körper, der den Virus so gut weggesteckt hat. Mein Kompass für die wirklich wichtigen Dinge hat sich noch mal neu ausgerichtet. Wir drei brauchen nicht viel. Selbst eine größere Wohnung, die wir dringend suchen und am Anfang der Pandemie noch viel wichtiger erschien, rückt gerade in den Hintergrund. Und auch wenn ich es kaum erwarten kann, irgendwann mal wieder einen ganzen Tag nur für mich zu haben, endlich mal wieder alleine zu sein, weiß ich auch, dass ich das hier gerade vermissen werde. Aber vielleicht auch nur ein bisschen.

Text: Daniela Wilmer

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