Mental Load: Meine Abrechnung mit Nikolaus, Christkind, Weihnachtsmann und Co.

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Kennt ihr Leute, die sich gerne mit fremden Federn schmücken? Lob und Ruhm einheimsen für Dinge, die sie gar nicht getan haben? Klingt nicht sonderlich sympathisch und ich glaub, ich hätte im Normalfall schon lange den Kontakt abgebrochen … normalerweise … ich kenn hier aber 1-2 Herrschaften, die das sehr sehr gerne machen und denen ich nicht einfach „Ciao für now“ hinterher rufen kann. Die Rede ist von Herrn Nikolaus und dem Weihnachtsmann und natürlich dem süßen und unschuldigen Christkind. Jedes Jahr aufs Neue tun sie so, als würden sie zig Geschenke besorgen, Bäume schmücken und Kamine runter rutschen. Es ist also mal höchste Zeit für eine kleine Abrechnung!

Was hat sie denn? Will sie beef haben mit den wichtigsten Figuren der Weihnachtszeit? Ja will sie! Na gut, wir müssen uns nicht gleich gegenseitig die Augen auskratzen, aber ich möchte hier gerne mal was klar stellen: Die ganze Arbeit – nämlich Geschenke überlegen, einkaufen, basteln, einpacken usw. bleibt zu 100 Prozent bei uns. Aber wer heimst den ganzen Fame dafür ein? Na ihr! Ihr Fabelwesen, die in jeder zweiten Geschichte und etlichen Liedern vorkommen. Ihr seid die Rockstars unter den Fabelwesen. Neben euch sieht sogar der Osterhase und die Zahnfee lame aus. Ihr seid Schuld daran, dass wir Mütter uns jedes Jahr überschlagen, ziemlich doll gestresst sind, drei Kreuze im Kalender machen, wenn endlich Januar ist und bis zum Frühling keine weiteren Feiertage anstehen.

Heute bin ich schlauer!

So langsam verstehe ich auch, warum meine Mutter sich zu den Feiertagen, früher als ich Kind war, zu einer sehr viel schlechter gelaunten Version ihrer selbst verwandelt hat. Im Alltag lustig und unbeschwert und an den Feiertagen gestresst und leicht reizbar. Dabei schien damals doch alles so einfach: Pünktlich zum 1. Advent hing ein selbstgebastelter Adventskalender an der Wand, zu Nikolaus stand ein prall gefüllter Stiefel vor der Tür und das Weihnachtsbaum schmücken und Geschenke drunter legen, hat ja schließlich auch das Christkind gemacht, warum war Muddi also so schlecht drauf? Heute bin ich schlauer!

Aber was mich daran eigentlich nachdenklich macht, ist der Fakt, dass sich in den letzten 30 Jahren nicht wirklich viel geändert hat. Es sind größtenteils immer noch die Mütter die besorgen, bestücken, organisieren, verpacken, verstecken und überraschen. Nur weil Traditionen über Jahrzehnte bestehen bleiben, heißt das ja nicht, dass das Drumherum keinen kleinen, zeitgemäßen Feinschliff gebrauchen könnte. Schließlich arbeiten Mütter und Väter mittlerweile gleich viel, teilen sich (mehr oder weniger) gerecht die Elternzeit auf und Väter übernehmen die Kita-Eingewöhnung und das Babyschwimmen. Aber geht es langsam auf Weihnachten zu, dann fallen wir in alte Muster. Während die Väter den Weihnachtsbaum besorgen und sie damit auch den letzten und einzigen Punkt auf ihrer Erledigungsliste abgehackt haben, fängt bei uns der Wahnsinn erst richtig an. Während wir also mit der einen Hand Kekse ausstechen und mit der anderen Geschenke einpacken, vervollständigen wir mental im Kopf die To Do Liste. Dazwischen noch ein Anruf von Oma und Opa, was sich das Kind denn wünsche und ob wir das Geschenk nicht gleich am besten selber besorgen könnten, sie überweisen dann das Geld dafür.

Nebenher, als wäre all das noch nicht genug, bestellen wir einen neuen Schneeanzug, testen ob die Winterstiefel wirklich warm genug sind und kaufen lieber noch ein zweites Paar Handschuhe, bevor der eine wieder zum Alleingänger wird. Mit dem Adventskranz fang ich gar nicht erst an…

Der Nikolaus ist schuld!

Eine wesentliche Sache hat sich dann aber doch verändert, als unsere Mütter auch schon keine Credits für ihren Halbtagsjob als Weihnachtsmann bekamen – Instagram! Wenn eine Mutter sich damals dazu entschieden hat, in diesem Jahr keinen Adventskalender selber zu basteln und auf den mit der komischen Schokolade zurückzugreifen, dann wurde dieser einfach gekauft und ich als Kind habe sie dafür gefeiert. Heute erschlagen einen die sozialen Medien mit „homade Cookies“ die krasser aussehen, als die vom Konditor, Kalendern, die zu schön sind, um on Kinderhänden angefasst werden zu dürfen und Adventskranz-Kreationen, die einen Schönheitswettbewerb gewinnen würden. Da sind sie, die Bilder, die einem jeden Tag fast den Atem rauben und einem das Gefühl vermitteln, dass wir aber auch noch mal ne Weihnachtsschippe oben drauf legen können. Mach ich aber nicht. Ich machs mir dieses Jahr einfach und schiebe es auf den Nikolaus. Der hatte dieses Jahr wohl nur Zeit für eine matschige Mandarine (war die letzte die wir noch hatten), einen Mini-Schoko-Nikolaus (habe ich am Tag vorher selber geschenkt bekommen) und ein Playmobil-Männchen (Ein Tütchen aus dem Adventskalender musste dran glauben). Muddi hat´s vergessen, der sonst so perfekte Nikolaus muss dafür gerade stehen. Aber wem mache ich hier eigentlich was vor, dem Kind fällt es eh nicht auf, das freut sich und weiß doch gar nicht, was eigentlich geplant war. Den Druck, den machen wir uns wieder mal nur selber. Aber damit ist jetzt Schluss – die vergessene Nikolaus-Überraschung hat mir gezeigt, dass das Improvisieren genau so gut funktioniert wie Perfektionismus. Ein gesundes Mittelmaß aus Spaß dran haben, Zeit sparen und vor allem gerechte Aufteilung im Haushalt ist der Anti-Nervenzusammenbruch-Garant für die Weihnachtstage. Und wenn dann doch mal ein bisschen mehr schief geht, dann wissen wir ja alle, auf wen wir es schieben können.

Text: Daniela Wilmer

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