Die Klinikclowns in Potsdam: “Wir eröffnen einen Raum, in dem alle Emotionen Platz haben!”

Von den Klinikclowns in Potsdam hat sicher jeder schon mal etwas gehört oder sie sogar selbst erlebt – doch wer steckt hinter den bemalten Gesichtern und den bunten Sachen und wie wird man eigentlich professioneller Klinikclown? Wir haben uns mit der Pressebeauftragten des Lachen hilft e.V. Potsdam, Tanja Selmer aka Clownin „Tiffy“, unterhalten und viele spannende Dinge erfahren.

POLA Magazin: Liebe Tanja, seit wann gibt es die Klinikclowns in Potsdam beziehungsweise Brandenburg und auf welche Generation habt ihr euch fokussiert?

Tanja: Nicola Streifler hat die Klinikclowns 2008 nach Potsdam gebracht. 2012 wurde dann der Verein „Potsdamer Klinikclowns“ gegründet und 2019 in „Lachen hilft“ umbenannt. Denn inzwischen sind wir in ganz Brandenburg und teilweise auch in Berlin unterwegs und sind auch nicht nur in Krankenhäusern tätig, da passte „Lachen hilft“ dann einfach viel besser. Als Clowns besuchen wir alle Generationen: Neugeborene und Kinder, Jugendliche und Erwachsene sowie Senioren. 

Und nun sind wir natürlich neugierig: Wie wird man Klinikclown und wer steckt hinter den Clownsfiguren?

Wir sind 12 Frauen und Männer mit ganz unterschiedlichen Berufsausbildungen, aber wir sind alle professionelle Klinikclowns. Für diesen Beruf braucht man eine künstlerische Ausbildung sowie Empathie und Feinfühligkeit. Theoretisch kann das jeder werden. Wichtig ist eben nur, dass man ein künstlerisches Handwerk mitbringt und Sensibilität besitzt, denn wir spielen keine vorbereiteten Szenen und wir sind auch nicht lediglich die Quatschmacher vom Dienst. 

Regie führt immer der Patient oder die Patientin, der/die gerade besucht wird, aber wir haben natürlich ein gewisses Handwerk und Routinen. Wenn wir ein Zimmer betreten, sind unsere Antennen immer voll aufgestellt, denn unser Ziel ist es, mit dem Menschen in Kontakt zu kommen und eine echte Begegnung zu schaffen. Wir wollen den Menschen einen zumindest kurzen Ausstieg aus dem Alltag ermöglichen und demzufolge eine Entlastung schaffen. 

Wie oft tretet ihr als Klinikclowns auf und wie muss man sich eure Arbeit vorstellen?

Wir haben 16 Orte, die wir regelmäßig besuchen. Bei vielen sind wir wöchentlich und bei den anderen dann 14-tägig. Gewöhnlich halten wir uns ungefähr zwei Stunden auf der Station auf, es können aber auch mal drei Stunden werden. Meistens gehen wir im Duo, aber in wechselnden Paarungen. So schleicht sich keine Routine ein und wir sind  aufgefordert, wach zu bleiben und uns auf den Moment und den Clownspartner einzulassen. 

Unsere Arbeit beginnt immer mit einer Übergabe der Stationsleitung oder der Psychologen, so dass wir erst einmal den Hintergrund der Menschen erfahren. Somit wissen wir zum Beispiel auch, welche Themen sehr sensibel behandelt werden müssen. Diese Rückkopplung gibt es dann am Ende auch nochmal. Das heißt, entweder gibt es eine zweite Übergabe oder wir schreiben ein Protokoll, in dem wir zurückmelden, wie wir das Kind oder die Eltern erlebt haben oder was uns aufgefallen ist.

Und bevor wir starten, ziehen wir uns vor Ort um, schminken uns und schlüpfen somit in die Figur. Im Anschluss wärmen wir uns noch etwas auf und dann gehen wir von Zimmer zu Zimmer. Bevor wir eintreten, fragen wir immer um Erlaubnis. Sobald wir in das Zimmer kommen, schauen wir nach Anknüpfungspunkten, auf die wir dann eingehen können, wie zum Beispiel das Fußballshirt eines Jungen oder das Harry Potter-Schild an der Tür. Und wenn wir dann in Action sind, schauen wir immer, ob der Mensch darauf eingeht und Freude daran hat. 

Unser Ziel ist es aber nicht, ein Lachen zu erzwingen, sondern wir eröffnen einen Raum, indem alle Emotionen Platz haben. Wenn ein Mensch weint und es ihm dadurch etwas besser geht, dann ist das genauso wertvoll wie ein Lachen. Und oft folgt dem Weinen oder der Wut ein befreites Lächeln oder Lachen.

Und wie findet man seine Clownsfigur und den entsprechenden Charakter?

Eine Clownsfigur zu finden, ist ein Prozess, der nicht von heute auf morgen geht, sondern mehrere künstlerische Workshops sowie viel Selbsterforschung erfordert. Denn die Clownsfigur spiegelt auch eine Haltung zum Leben. Sie hat viel mit einem selbst zu tun, sie schöpft aus der eigenen Persönlichkeit, den eigenen Emotionen und Energien.

Meine Clownsfigur, Tiffy, hat sich über mehrere Jahre entwickelt und wird sich auch immer weiterentwickeln. 

Was ist das Schönste an eurer Arbeit?

Die Resonanz, die zurückkommt! Wenn man in den echten Kontakt mit den Menschen tritt und das Gefühlt hat, eine Zeit lang gemeinsam zu schwingen. Das gibt einem unheimlich viel Energie, die einen durch den Tag trägt.

Und das Schwerste?

Natürlich erlebt man manchmal auch bedrückende Situationen, aber genau dafür sind wir ja da. Wir Clowns geben allem Raum, was ist, erforschen es und finden fast immer etwas Tröstliches, Schönes oder Erheiterndes. Außerdem haben wir ClownsspielerInnen regelmäßig Supervisionen, in denen wir Vieles gemeinsam aufarbeiten können.

Liebe Tanja, vielen Dank für das spannende Interview!

Ihr wollt die Klinikclowns in Potsdam unterstützen? Jeder Euro hilft!

Spendenkonto, Lachen hilft e.V.

Mittelbrandenburgische Sparkasse in Potsdam

IBAN: DE19160500001000977648

BIC: WELADED1PMB

Tipp: Wenn ihr viel bei Amazon einkauft, könnt ihr auch darüber Spenden generieren (von Amazon gezahlt). Geht dazu einfach über die Adresse smile.amazon.de. Es ist genau die gleiche Plattform, nur dass ihr eine gemeinnützige Organisation auswählen könnt (z.B. Potsdamer Klinikclowns e.V.), an die von Amazon dann jeweils 0,5% eures Einkaufswertes gespendet werden – ohne Extrakosten oder Aufwand für euch!  

Fotos: Sebastian Höhn

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