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Nadine Neuner vom KörperRaum Potsdam

„Wir selber sollten die wichtigste Person in unserem Leben sein.“

Vergangenen Mittwoch haben wir die Heilpraktikerin Nadine Neuner in ihrer Praxis KörperRaum besucht. Sie empfing uns in ihrem warmen Raum in Wollsocken und hatte leckeren Tee für uns vorbereitet. Wir fühlten uns von Anfang an wohl und hätten uns am liebsten selbst gleich auf ihre Massageliege gelegt. Warum sie ihre Arbeit nur noch für Frauen anbietet und was ihr gegen Kopfschmerzen tun könnt, das lest ihr hier.

Pola: Liebe Nadine, bitte stell dich doch einmal vor. 

Nadine: Hallo, ich heiße Nadine Neuner, ich bin 36 Jahre alt, habe 2 Kinder und einen tollen Mann. Meine Große ist schon 9 und der Kleine wird jetzt 2 Jahre alt. Ich bin seit 10 Jahren Heilpraktikerin und ich habe von Anfang an selbstständig gearbeitet. Meine Praxis hier in Potsdam habe ich seit ungefähr einem Jahr. Zur Zeit wohnen wir noch in Kleinmachnow, aber wir wollen sehr gern nach Potsdam ziehen. Ursprünglich komme ich aus dem Allgäu, bin dort aber mit 18 Jahren weggegangen. Zuerst habe ich dann in Hamburg gelebt und dann 13 Jahre lang in Berlin.

Pola: Und wieso bist du Heilpraktikerin geworden?

Nadine: Ich habe ganz klassisch mein Abitur gemacht und war dann erstmal viel reisen. Unter anderem habe ich ein halbes Jahr in einer buddhistischen Dorfgemeinschaft in Italien gelebt. Dann habe ich vier Semester Interkulturelle Europa- und Amerikastudien in Halle studiert. Das klang leider besser als es war, und deswegen habe ich nach 2 Jahren auch abgebrochen und direkt die Heilpraktiker-Ausbildung in Berlin angefangen. Das war tatsächlich schon ein Jugendtraum von mir, Kräuterhexe zu sein. Ich habe eine 3-jährige Vollzeit-Ausbildung gemacht und dabei viele verschiedene Therapie-Arten erlernt. Mein Fokus lag schon immer auf Pflanzenheilkunde und auch auf der Körpertherapie, dass heißt Massagen, Fußreflexzonen-Therapie, Shiatsu, Cranio-Sakral-Therapie. Und seitdem arbeite ich in diesen Bereichen, habe aber auch für drei Jahre nebenberuflich einen Familientreff in Berlin-Johannisthal geleitet. Und zwischendurch habe ich mal als angestellte Masseurin gearbeitet. Da habe ich in einem Jahr hochgerechnet ca. 1000 Menschen massiert. Es war eine tolle Erfahrung, so viele verschiedene Körper zu erleben, aber es war nicht das, was ich dauerhaft machen konnte. Ich möchte Menschen in ein nachhaltig gesundes und glückliches Körpergefühl begleiten. Denn daraus schöpfen wir auf der ganz elemantaren Ebene unsere Lebenkraft. Seit ca. fünf Jahren arbeite ich jetzt hauptsächlich selbstständig und seit ca. 3 Jahren auch nur noch mit Frauen.

Pola: Wieso hast du deinen Fokus komplett auf Frauen umgelegt?

Nadine: Weil ich selbst eine Frau bin. Weil ich dadurch einen viel besseren Bezug zu den Themen habe, die die Frauen mit in meine Praxis bringen. Dadurch, dass ich selber Mutter bin, auch 5 Jahre alleinerziehend war, auch eine Fehlgeburt und eine Abtreibung erlebt habe, und jetzt wieder in einer Partnerschaft lebe, sind mir ganz viele Themen von Frauen geläufig. Ich habe das Gefühl, die Frauen fühlen sich dadurch auch einfach viel besser verstanden. Und außerdem finde ich, gibt es noch viel zu wenig Angebote, wo es tatsächlich nur um die Bedürfnisse und Hintergründe der Frauen geht.

Pola: Was bietest du hier in deiner Praxis KörperRaum an?

Nadine: Einerseits verschiedene Arten von Körperarbeit, wie Massagen, auch für Schwangere oder mobil im Wochenbett, dann Körpertherapie und Coaching zur Begleitung und Unterstützung wenn die Frau etwas in ihrem Leben aktiv verändern möchte. Denn über die eigene Körperwahrnehmung lässt sich da oft nachhaltig mehr erreichen, als über bloße Beratungsgespräche. Es kann um alle Lebensthemen gehen: von unerfülltem Kinderwunsch, über Aufarbeitung von traumatischen Erlebnissen, bis hin zur Überwindung von Ängsten und depressiven Zuständen. Und außerdem biete ich noch Pflanzenheilkunde für Frauenthemen an, wie zum Beispiel Hormonregulierungen, PMS, Menstruationsschmerzen oder auch einfach chronische Schwäche oder Infekte. Da gibt es dann erst ein Anamnesegespräch und ich schicke der Frau dann ein Rezept für eine individuelle Heilpflanzen-Teemischung zu. Es gibt hier in Potsdam eine Apotheke, die das ganz individuell anmischt. Den Tee trinkt man dann über sechs Wochen und dazu verschreibe ich oft noch spezielle Konzentrate.

 

Pola: Wendest du die Dinge auch privat an?

Nadine: Ja, alles. Ich biete nur das an, was ich selber an mir „erprobt“ habe. Auch die ganze Körpertherapie habe ich an mir selber ausprobiert und die effektivsten Methoden, die mich am meisten ‚weiter‘ gebracht haben, habe ich dann selbst erlernt, um sie eben auch weitergeben zu können.

Pola: Und was machst du, wenn deine Kinder krank werden?

Nadine: Ich versuche immer, sie erstmal selbst zu kurieren. Tatsächlich bedarf es bei Kindern aber oft gar nicht so viel Therapie. Wenn sie krank sind, lasse ich sie krank sein, da ich merke, dass ihnen gerade das oft gut tut. Zum Beispiel Fieber zu haben, zu schlafen und kaum was zu essen. Wenn sie Fieber bis 39 oder knapp 40 Grad haben, gebe ich ihnen auch nicht gleich Fiebersenker, bleibe aber beobachtend nah dran und schaue immer, dass sie genug trinken. Ich vertraue sehr auf die Selbstheilungskräfte und den Prozessen, die der Körper in Gang bringt, damit habe ich einfach super Erfahrung gemacht. Mein medizinisches Wissen hilft mir da aber natürlich auch sehr.

Pola: Hast du für uns vielleicht drei Tipps bei typischen Frauenproblemen? 

Nadine: Na klar. Bei Menstruationsbeschwerden empfehle ich zum Beispiel Frauenmantel und Schafgarbe. Die sollte die Frau in einer Teemischung ab der 2. Zyklushälfte zwei Mal am Tag trinken. Bei Erschöpfungszuständen empfehle ich intensive körperliche Bewegung, sollten noch Schlafprobleme dazukommen, empfehle ich oft auch Passionsblumen-Präparate. Eine Übung, die einem zum Beispiel wieder Kraft gibt, ist das einfache Schütteln des Körpers. Stell dich dafür breitbeinig und gefestigt hin und schüttle als erstes deine Knie und deine Hände und Handgelenke. Achte dabei darauf, dass deine Atmung tief und intensiv ist. Diese Übung (mindestens 3 Minuten) verstärkst du immer mehr, indem du mehr und mehr Körperteile mit hinzunimmst. Das ist zwar erstmal anstrengend, doch danach bist du auf jeden Fall wieder ganz bei dir. Du hast wieder mehr Energie und bist bereit dich den Anforderungen der nächsten Portion von verrücktem (Familien-)Leben zu stellen. Und das sind die 3 Minuten defintiv wert, zumal du auch zum Lieblingssong zappeln kannst. Und bei starken Kopfschmerzen empfehle ich ein warmes Fußbad mit Senf-Mehl. Senf-Mehl sind gemahlene Senfkörner und die bekommt man in jeder Apotheke. Gieße dafür heißes Wasser (so heiß, wie man es aushält) in einen Eimer und mach einen Teelöffel Senf-Mehl dazu. Das Senf-Mehl regt die Haut ziemlich stark an, man bekommt heiße Beine und der Kopf lässt locker. Danach kann man ziemlich gut schlafen. Es ist auch sehr empfehlenswert bei kalten Füßen, aber vorsicht bei sehr empfindlicher Haut.

Pola: Bald bietest du einen Workshop zum Thema “ Ich bin genug“ an. Da soll es darum gehen, wie man Selbsthass, Leistungsdruck und Schuldzuweisungen hinter sich lässt und Stück für Stück zufriedener mit sich selbst wird. Erzähl uns doch bitte mal ein wenig mehr darüber. 

Nadine: Also erstmal, alles was ich hier anbiete, habe ich auch selbst erfahren und bei Frauen in meinem Umfeld miterlebt. Diese Erfahrung ist mir bei meiner Arbeit auch ganz wichtig. Sonst hätte ich nicht das Gefühl, dass ich all das so autenthisch weitergeben könnte. Wir leben in einer Gesellschaft, in der unmögliche Ansprüche an die Menschen gestellt werden, sodass jeder denkt, man muss diese auch an sich selber stellen. Doch eigentlich ist es ein systemisches Problem. Wenn etwas schief läuft, machen sich Frauen meistens selber dafür verantwortlich und fühlen sich unzulänglich, anstelle mal nach außen zu gucken, ob da vielleicht irgendwas nicht stimmt. Oder sie wissen zwar um das Problem, beispielsweise schlimme Arbeitszustände, doch fühlen sich zu abhängig, schwach oder einfach nicht wert und fähig, das auch zu ändern, also zum Beispiel einen neuen, besseren Job zu suchen. Und das Schlimme ist, wir Frauen wollen immer allem gerecht werden und das so perfekt wie möglich. Wir wollen unsere Familie glücklich machen, wir wollen unsere Kinder so gut wie nur möglich erziehen, wir wollen eine super Karriere hinlegen, wir wollen gut aussehen, wir wollen eine tolle Partnerin sein, wir wollen eine super Sexualität haben und so weiter. Und dabei vergessen wir ganz oft unsere eigenen Bedürfnisse, da wir nur mit Erfüllen von Wünschen Anderer beschäftigt sind oder wo wir denken, dass andere sie an uns stellen. Genau dabei gehen wir dann oft über unsere Grenzen hinaus. Obwohl wir erschöpft sind, wischen wir noch den Küchenboden. Und weil ich das aus meiner eignen Geschichte gut kenne, mittlerweile aber tolle Methoden erlernt habe, da nicht in den Teufelskreis aus Leistungsdruck-Überforderung-Selbstzweifel-Depression, usw. reinzugeraten, möchte ich diese Workshops anbieten und anderen Frauen auch diese Werkzeuge vermitteln und mitgeben. Denn es ist eine riesige Herausforderung mit diesen ganzen Anforderungen umzugehen, ohne ständig in der nächsten Erschöpfung zu landen. Wir selbst sind doch die wichtigste Person in unserem Leben. Und in einer Gruppe von anderen Frauen entsteht auch eine Unterstützung, die jede Einzelkämpferin bereichert.

Pola: Und dann hast du auch noch vor, einen Workshop zum Thema „Sexualität nach der Geburt“ zu geben? 

Nadine: Ja, genau. Auch das ist ein großes Thema. Ganz viele Frauen haben durch Geburtserlebnisse oder durch das ständige Beschäftigtsein mit dem Baby und den Schlafmangel den Kontakt zu ihrer Weiblichkeit und auch einfach zu ihrem Körpergefühl verloren. Teilweise kommen dann eben auch Themen aus dramatische Geburtserlebnissen oder Problemen in der Partnerschaft dazu. Da suche ich erstmal das Gespräch, um zu erfahren, was nicht mehr stimmt und in welche Richtung der Wunsch der Frau geht. Ganz oft hilft es schon, wenn man den Frauen Raum gibt, darüber zu reden, Raum für Austausch und das Gefühl nicht allein zu sein. Und schließlich gibt es eine Menge wunderbarer Übungen um unsere Körper einfach wieder in ein genussvolles Gefühl zu bringen. Auch Tanzkurse oder Massagekurse können Paare einander wieder körperlich entspannt näher bringen, ohne dass der Sex gleich im Vordergrund ist. Da entstehen tolle neue Begegnungen.

Pola: Und zum Abschluss: Welchen Wunsch hast für die Zukunft?

Nadine: Ich möchte gern ganz viele Frauen ansprechen und ihnen Werkzeuge an die Hand zu geben, ihr eigenes Leben lebendiger zu gestalten und kraftvoller zu werden.

 

 

Liebe Nadine, vielen lieben Dank für deine offenen Worte!

 

KörperRaum Potsdam / Gutenbergstraße 11 in 14467 Potsdam / Telefon: 0160/8548475 

 

Fotos: Theresia Koch

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2 Kommentare

  • Liebe Nadine & liebes POLA-Team, ein wirklich tolles Interview , welche uns Frauen zum Nachdenken anregt. Ich wünsche dir Nadine ganz viel Erfolg mit deinen Workshops.
    Zum Thema PMS habe ich einen Ratgeber geschrieben, vielleicht können wir hier eine Koopertion eingehen, es würde gut zu deiner Zielgruppe passen;.)
    Herzlichst, Anne Durmaz

  • Was für ein toller Artikel. Ich fühle mich sehr angesprochen. Schade; dass ich leider zu weit von Potsdam entfernt wohne; sonst würde ich gern das Gespräch mit Nadine suchen und den Workshop „ Ich bin genug“ besuchen..
    Mach weiter so.
    Herzliche Grüße
    Jana

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