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Kai Meyer, wie wird man Spielplatz-Erfinder?

Was sind die besten Spielplätze? Na klar: Die, wo es auch uns Erwachsene nicht mehr hält! Wo wir schaukeln, klettern, buddeln, rutschen und uns verstecken wollen, als wären wir wieder 6. Nichts da mit ewigem Anschubsen, Auffangen und Sandkuchen essen – Platz da, Kind! Hier kommen Mama und Papa!

Groß und stabil müssen diese Spielplätze sein, bunt und mit witzigen Details. Mit Schaukeln, die bis in den Himmel fliegen! Mit hohen Spielhäusern zum Verstecken und Raufklettern. Mit großen Sandkästen, in die man riesige Burgen und tiefe Matschegruben bauen kann.

Genau solche Traum-Spielplätze für große und kleine Kinder baut Kai Meyer (53) mit seinem Team von Wildholz Spielgeräte aus Potsdam. Wohl an die 100 Spielplätze sind in den letzten zehn Jahren mit viel Fantasie und Liebe zum Handwerk entstanden.

Wir wollten wissen, wie man zu einem solchen Beruf kommt und haben für euch hinter die Kulissen geschaut. Herr Meyer, erzählen Sie mal!

Ich schaukle bis heute gerne!

POLA: Herr Meyer, wie wird man Spielplatzbauer? Kann man das studieren?

KM: Nein, ich bin ein klassischer Quereinsteiger. Nach der Schule habe ich zunächst eine Schlosserausbildung mit Abitur gemacht. Das Abitur war ein Zugeständnis an meine Eltern, ich fand es meinen Kumpels gegenüber damals eher peinlich. Nach einigen Querelen mit Stasi und DDR-Hochschulpolitik bin ich mit ein paar Zwischenstationen 1987 nach Potsdam an die kirchliche Ausbildungsstätte für Gemeindediakonie und Sozialarbeit gekommen und habe doch noch begonnen zu studieren. Nach meiner Berufsanerkennung als Sozialpädagoge habe ich viele Jahre in Berlin in der stationären Suchthilfe gearbeitet.

Ich habe schon gemerkt, dass ich eine Veränderung möchte, ein Wendepunkt in meinem Leben hat das dann beschleunigt. 2006 traf mich ein familiärer Schicksalsschlag. In der Auseinandersetzung damit habe ich 2008 meine Anstellung und meine Tätigkeit als Suchttherapeut aufgegeben.

POLA: … und haben beschlossen, „Jetzt bau ich Spielplätze!“?

KM: Auch als Sozialpädagoge hatte ich weiter handwerklich gearbeitet, mit Holz und Metall. Zudem ist meine Frau Tischlerin und freischaffende Künstlerin und hatte sich bereits in Theorie und Praxis mit Spielplatzbau beschäftigt. 2005 wurde sie von einer Kita gebeten, doch einen Spielplatz zu bauen. Ihr allein war das „eine Nummer zu groß“. Weil wir gerade unser Haus bezogen hatten und das Geld alle war, passte es gut: Sie hat sich um Entwurf, Planung und geschäftliche Abwicklung gekümmert und ich habe Holz besorgt und gebaut.

… dann sind Sie Holzbildhauer!

Es wurde ein tolles Spielschiff und ich bin mit einem Foto davon zur Handwerkskammer, um die Arbeit auch offiziell zu machen. „Wenn Sie solche Dinge bauen, dann sind Sie Holzbildhauer.“ hieß es, das ist ein meisterfreier Beruf. In den nächsten Jahren habe ich dann weitere kleinere Aufträge gemacht und mit meinem privaten Wendepunkt 2008 beschlossen, als Vollerwerb Spielplätze zu bauen.

POLA: … und es läuft gut, mittlerweile haben Sie richtig viel zu tun.

KM: Ja, fast zu gut. Ich arbeite oft 60 bis 70 Stunden die Woche und habe ein festes Team von drei Leuten, bald werden es vier sein. Mit mir an den Spielplätzen arbeiten Alex als Monteur, Felix als Holzbildhauer und Frido als Tischler. Seit einiger Zeit setzen wir auch Projekte im Innenbereich um und bauen auch hier Spielflächen oder Lese-Ecken. Wir können über die Anzahl der Anfragen nicht klagen, aber ich wünsche mir mehr Auftraggeber direkt aus Potsdam und Umgebung. Kurze Wege tun meinen Mitarbeitern, mir und auch der Umwelt gut.

POLA: Die Sachen sehen alle so toll aus. Aus welchem Holz fertigen Sie die Spielgeräte?

KM: Das ist Robinienholz, ein festes, sehr beständiges Holz. Man kann es ohne chemische Behandlung in die Erde einbringen, ohne dass es verrottet, weil Nässe dem Holz wenig ausmacht. Man muss es daher auch nicht lasieren oder lackieren, außer aus optischen Gründen.

Besonders schätze ich, dass es kein Tropenholz ist und fast überall ohne große Ansprüche wächst. Meine erste Begegnung mit Robinienholz hatte ich übrigens im Jägerhof im Glienicker Volkspark gegenüber der Sacrower Kirche. Dort hat Schinkel mit gewachsenem Robinienrundholz eine Vordachabstützung gebaut, die mich sehr fasziniert hat.

POLA: Holen Sie das Holz aus den Potsdamer Wäldern?

KM: Mittlerweile sind nur noch wenige Stämme vom Förster direkt aus dem Umland. Das sind dann immer die krummen, besonders interessanten. Da wir für unsere Arbeit jedoch sehr viele Stämme brauchen, die auch gerade gewachsen sind, kaufen wir diese in Ungarn. Dort gibt es extra Robinien-Plantagen.

Wie unser Name „Wildholz“ schon sagt, arbeiten wir mit dem Holz so, wie es kommt. Die natürlichen Wuchsformen werden möglichst belassen und in die Spielgeräte eingearbeitet. Besonders schön kann man das nicht nur an den großen Stämmen sehen, sondern auch bei den Wänden der Spielhäuser, wo sich Bretter in allen Windungen aneinander schmiegen oder wir natürliche Fenster bilden können.

 

POLA: Wie kommen Sie auf Ihre vielfältigen Ideen?

KM: Mittlerweile verfüge ich mit meinem Team über viele Erfahrungen und einen großen Ideenschatz, um auf jeden Wunsch eingehen zu können. Die Lösung zu verzwickten Problemen kommen mir oft direkt nach dem Aufwachen oder beim Joggen.

Immer individuell, so wie das Holz.

Obwohl sich die einzelnen Elemente wie zum Beispiel Spielhaus, Rutsche, Sandkasten, Schaukel oder Wippe wiederholen, gleicht kein Spielplatz, den wir gebaut haben, einem anderen. Dabei gehen wir zunächst mit der Schule oder Kita in den Dialog: Was wird gebraucht? Für welche Altersgruppen? Welche Spielfunktionen? Auf welcher Fläche? Gibt es „Problemecken“, für die Lösungen gewünscht sind? Besonderheiten wie einen Abhang oder Bäume, die mit eingearbeitet werden sollen?

Dabei ist es uns wichtig, mit den Erziehern vor Ort zu sprechen und nicht nur mit dem Träger, der das Projekt finanziert. Die Erzieher kennen ihre Kinder und wissen genau, was gebraucht wird.

 

Und dann machen wir einen Entwurf dazu oder bauen Modelle. Besonderen Spaß machen uns kreative Details wie kleine Tiere auf und um den Spielgeräten. Bei einer Kita haben wir die Märchenfiguren, die der Kita den Namen geben – Jorinde und Joringel – in das Tor eingebaut. Felix und ich sind übrigens zertifizierte Spielplatzprüfer, so dass wir in der Lage sind, nicht nur kreativ, sondern auch DIN-konform zu bauen.

POLA: Sind Sie dabei, wenn die Kinder den Spielplatz zum ersten Mal „stürmen“?

KM: Ja, das ist besonders bei unseren „Mitbauprojekten“ der Fall, die oft im Rahmen von „Grün macht Schule“ entstehen. Das ist ein vom Berliner Senat gefördertes Projekt zur Qualitätsverbesserung der Schulhöfe. Hier entwerfen und bauen wir mit den Kindern zusammen den Spielplatz!

Projektwoche „Spielplatzbau“

POLA: Wow! Wie kann man sich das genau vorstellen?

KM: Im ersten Schritt bespreche ich zusammen mit den Erwachsenen der Schule die Rahmenbedingungen wie Budget oder Fläche. Dann machen wir mit den Kindern einer ausgewählten Klasse einen Workshop-Tag und lassen sie Ideen entwickeln und mit Stöckchen, Pappe und Heißkleber Modelle bauen.

Ich mache daraus eine Synthese und versuche, in meinem Modell Ideen aus jeder Gruppe einfließen zu lassen. Die technische Umsetzbarkeit, DIN-Normen und die Bezahlbarkeit spielen natürlich auch eine Rolle.

Dann geht es an die Umsetzung und wir machen mit der Klasse eine ganze Projektwoche, in der wir den Spielplatz entstehen lassen. Jeden Tag nehmen wir uns acht der Kinder und bauen mit ihnen zusammen. Mit uns vier Profis können wir die Kinder so betreuen, dass sie viele Werkzeuge mitbedienen können. Und für mich schließt sich hier ein Kreis, denn in der Arbeit mit den Kindern kann ich meine alten Erfahrungen als Sozialpädagoge gut einfließen lassen.

 

Zuletzt dürfen die Kinder das Spielgerät selbst farbig gestalten, da mischen wir uns gar nicht ein. Und jeder, der mitgebaut hat, darf seinen Namen mit Bildhauerwerkzeugen im Holz verewigen. Das macht die Kinder unglaublich stolz!

Das ist immer ein aufregender Moment!

Und nicht nur die Kinder, sondern auch ich und mein Team sind aufgeregt, wenn der Spielplatz am Ende der Woche eingeweiht wird und 250 Kinder der ganzen Schule darauf losstürmen!

POLA: Klingt super, bei einem solchen Projekt würde sicher jedes Kind gern mitmachen. Und ich auch! Zurück zum Anfang und zu den Erwachsenen – bauen Sie auch Spielgeräte für Privatleute wie mich?

KM: Ja, gerne. Viele Familien wünschen sich für ihren Garten individuell gefertigte Spielgeräte, denen man die handwerkliche Herkunft ansieht und die in Verarbeitung und Material langlebig sind. Manchmal geht es auch um ein Bett oder eine Spielebene fürs Kinderzimmer im Wildholz-Style.

Da die Projekte nicht so komplex sind wie ein Spielplatz für eine Kita oder einen Hort, können wir diese auch gut mal kurzfristig einschieben, um an einem Tag eine Schaukel aufzubauen. Oder eine 6-Meter-Wippe, wie sich das mal ein Rentner-Ehepaar gewünscht hat.

POLA: Ehrlich? Wie toll! So eine Rentnerin will ich auch mal sein!

KM: Ich selbst schaukele bis heute gerne. Es gibt ganze Bücher über die ausgleichende und beruhigende Wirkung des Schaukelns.

POLA: In diesem Sinne, liebe Leser: Auf zum nächsten Spielplatz! Herr Meyer, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Ihr wollt auch so einen tollen Spielplatz für zu Hause, den Kindergarten oder die Schule? Mehr Informationen über Kai Meyer und das Team von Wildholz findet ihr auf der Wildholz-Webseite oder kontaktiert sie unter info[at]wildholzspiel.com oder 01626/55 55 96.

Fotocredit: Fotos Kai Meyer & Team © POLA Magazin // Fotos Spielplätze: © Wildholz

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