Anne von Fridays for Future in Potsdam: “Wir müssen jetzt mit effektivem Klimaschutz beginnen!”

In unserer Kategorie “Jugend” interviewen wir Jugendliche, die etwas spannendes aus ihrem Leben zu erzählen haben. Diesmal trafen wir uns mit Anna Ducksch. Die 17-Jährige besucht das evangelische Gymnasium auf Hermannswerder und ist die Pressesprecherin für Fridays for Future in Potsdam

POLA: Liebe Anna, wie bist du zu Fridays for Future Potsdam gekommen und welche Aufgaben übernimmst du dort?

Anna: Ich bin Anfang Mai 2019 durch einen guten Freund ins Team von Fridays for Future gekommen. Auch vorher habe ich schon an den Demos teilgenommen. Ich bin eigentlich immer da, wenn es gerade irgendwo hängt, dementsprechend vielfältig sind auch meine Aufgaben. Momentan kümmere ich mich um die Social Media Arbeit und die bundesweite Vernetzung. Außerdem bin ich als Pressesprecherin gewählt worden. 

Wie viele Jugendliche engagieren sich in Potsdam für Fridays for Future? Und wie müssen wir uns das vorstellen. Trefft ihr euch regelmäßig?

Wir sind kein festes Team. Jeder kann kommen und auch wieder gehen. Momentan sind wir sechs bis sieben Jugendliche, die regelmäßig dabei sind. Wir treffen uns normalerweise einmal in der Woche, durch die aktuellen Corona-Maßnahmen machen wir wöchentlich Telefonkonferenzen. Neben der Organisation der Demos, der Pressearbeit, der Bespielung unserer Social Media Kanäle, der Mobilisation, Koordination und inhaltlichen Arbeit, stehen wir mit Politiker*innen im Gespräch, beschäftigen uns inhaltlich mit politischen Geschehnissen und weiteren Ansatzpunkten und Aktionsideen. Wir unterstützen auch andere Projekte, wie zum Beispiel die fLotte Potsdam, die kostenfrei Lastenräder verleiht oder die Volksinitiative Verkehrswende Brandenburg jetzt!, die Unterschriften für eine ökologische Verkehrswende in Brandenburg sammelt. 

Und was wünscht ihr euch speziell für Potsdam?

Potsdam hat mit dem “Masterplan 100% Klimaschutz 2050” eine gute Grundlage. Der Plan enthält viele gute und konkrete Ansätze für Klimaschutz in der Stadt. Dieser ist schon 2016 aufgestellt worden, nur haben wir leider noch keine Maßnahmen sehen können. Der effektive Klimaschutz muss jetzt beginnen. Der Masterplan muss dringend umgesetzt werden, um bis 2035 klimaneutral zu werden. Das CO2-Neutralität bis 2035 möglich ist, hat die von Fridays for Future in Wuppertal in Autrag gegebene Studie im Institut gezeigt. Der Klimaschutz darf nicht an Bürokratien scheitern. Wir müssen jetzt handeln und das muss unser Meinung nach einfach Priorität haben.

Habt ihr das Gefühl, mit den Streiks oder Aktionen etwas bewirken zu können?

Einerseits haben wir das Gefühl, dass uns zugehört wird. Wir haben auf kommunaler und Landesebene Gespräche geführt und bekommen Mittel, um uns politisch zu beteiligen. Wir haben zum Beispiel einen Zuhörerplatz in zwei Ausschüssen der Stadt Potsdam, im Klima-, Umwelt-, Mobilitäts- und Bauausschuss. Auch im Landtag wurden wir im Ausschuss für Landwirtschaft, Umwelt und Klima angehört. Außerdem haben wir das Gefühl, dass das Thema bei vielen Menschen mehr ins Bewusstsein gerückt ist. Leider ist in der Politik und der Gesellschaft die Dringlichkeit des Themas noch nicht angekommen. Es ist gut, dass wir angehört werden und das man uns mittlerweile auch ernst nimmt, dennoch fehlen die notwendigen Maßnahmen. 

Was sagen deine Eltern und Lehrer zu den Streiks?

Meine Eltern befürworten meine Aktivität und unterstützen mich, wo sie nur können. Sie sind der Meinung, dass ich viel für meine Leben lernen werde. Bei anderen Jugendlichen sieht das zum Teil auch anders aus, denn deren Eltern vertreten nicht die Meinung ihre Kinder.
Auch meine Lehrer*innen unterstützen großteils mein Engagement. Dennoch ist der Zwiespalt da, ob Schule vorgeht, wenn es um Termine mit Politiker*innen geht. Dazu zu sagen ist auch, dass ich bei weitem mehr mache, als freitags zu streiken, was meine Lehrer*innen natürlich auch wissen. Ich denke, daher ist die Akzeptanz auch größer. Aber auch bei Schüler*innen, welche die Bewegung durch Teilnahmen an Streiks unterstützen, ist diese da. 

Was muss sich deiner Meinung nach verändern, damit sich noch mehr Jugendliche für Politik interessieren?

Politik ist oft nicht nur sehr theoretisch, trocken, komplex und intransparent, sondern auch unnahbar. Viele Menschen, nicht nur Jugendlich, blicken auf die Politik mit der Einstellung  „die da oben“. Es ist für sie nicht greifbar, dass sie auch nur Menschen sind. Außerdem braucht es auch im Politikunterricht weniger Theorie und mehr persönlichen Bezug. Es gibt Möglichkeiten sich zu engagieren, die oft allerdings gar nicht genutzt werden, auch weil keiner etwas davon weiß. 

Außerdem braucht es auch eine Gemeinschaft und Gleichgesinnte, denn allein für etwas zu kämpfen ist schwer. Es ist auch in der Schule oder im persönlichen Umfeld schwierig, Akzeptanz für seine politische Meinung zu bekommen, denn viele wollen einfach nur dazugehören, aber nicht für ihre Meinung kämpfen. 

Auch sind die politischen Strukturen sehr komplex und viele sehen irgendwann einfach nicht mehr durch, welche Entscheidungen von wem getroffen werden. Im Politikunterricht ist oft nicht genügend Zeit, um alle Frage zu klären. Auch wir merken immer wieder, dass es schwierig ist, bei all den Anträgen noch den Überblick zu behalten. Oft ist es sehr viel Papierkram, der gelesen werden muss, dafür haben wir oft nicht das Wissen und die Zeit. Leider geht dadurch auch viel Potential politischer Mitbestimmung verloren. 

Wie kann man euch erreichen und unterstützen?

Unterstützung können wir immer gebrauchen, ob bei der Politik, auf den Demos oder bei der Vor- und Nachbereitung, aber auch bei unserer generellen Arbeit, ob Social Media oder Mobilisation. Alle, die sich für das Thema interessieren, sind herzlich willkommen und können nach ihren Interessen und Kapazitäten mitmachen. Wir freuen uns immer über frischen Wind. Auch das Technik Team Eventbike Zero, welches aus Fridays for Future Potsdam entstand, freut sich über Verstärkung. Das Eventbike Zero verfolgte ursprünglich das Ziel, die Technik für unsere Großdemonstrationen nachhaltig und ausschließlich mit den Lastenrädern der fLotte Potsdam zu transportieren. Daraus entwickelte sich in einem Jahr ein Bildungsprojekt, das nachhaltige Mobilität und Veranstaltungen verbindet und dabei den technischen Anteil explizit auch jungen Frauen zugänglich macht. Das Projekt bietet allen Jugendlichen die Chance, nicht nur mit Fridays for Future auf die Straßen zu gehen sondern selbst etwas gegen die Klimaerwärmung und für die Verkehrswende zu unternehmen. 

Liebe Anna, vielen Dank für das tolle Interview und alles Gute für euch!

Ihr wollt auch mitmachen? Dann schreibt doch einfach eine Mail an potsdam@fridaysforfuture.is, eine Nachricht über Instagram oder eine Message über Facebook!

Fotos: Fridays for Future Potsdam

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