„Der Lotsendienst hat mir Mut zur Gründung gegeben“ sagt Justine von DUFTE

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Träumt ihr von eurem eigenen kleinen Unternehmen, traut euch aber noch nicht richtig, eure Idee auch Realität werden zu lassen? Beim Lotsendienst der Landeshauptstadt Potsdam erhaltet ihr nicht nur kostenfreie Beratung, sondern könnt auch an einem Coaching teilnehmen und euch praktische Hilfe bei den ersten Schritten in die Selbstständigkeit holen.

Diesen Weg ist auch Justine Schacher vor gut anderthalb Jahren gegangen. Die 33-jährige Potsdamerin ist bald dreifache Mutter und war früher angestellte Flugbegleiterin. Heute ist sie erfolgreiche Inhaberin von DUFTE, einer kleinen Manufaktur für handgemachte Seifen und Kerzen. Erfahrt in unserem Interview, wie Justines Weg in die Selbstständigkeit lief und welche Tipps sie für Neugründer:innen hat!

Liebe Justine, was genau ist DUFTE?

Ich fertige von Hand und mit viel Liebe Seifen und Kerzen aus sorgfältig ausgewählten Rohstoffen. Meine Produkte sprechen den besten aller Sinne an: den Geruchssinn. Während man sich die Augen und Ohren zuhalten kann, kann man die Nase als Sinnesorgan nicht ausschalten. Mit einem Geruch wird man sofort an einen bestimmten Ort transportiert, das Riechen kann Emotionen und Erinnerungen hervorrufen, ob positiv oder negativ. Die Natur hat sich etwas dabei gedacht, zum Beispiel auch als Warnung vor Gefahren wie verdorbenen Lebensmitteln oder Rauch. Das fängt schon bei Babys an, die ein sehr starkes Geruchsempfinden haben und ihre Mama am Geruch erkennen.

Entstand so auch der Name, DUFTE?

Genau! Der Name für mein Unternehmen war schwer zu finden und hat mich viel schlaflose Nächte gekostet. Ich wollte was etwas Einfaches. Der beste Freund meines Mannes ist schließlich auf die Idee gekommen. „Das ist dufte!“ bedeutet hier in der Gegend ja auch, dass etwas super ist. Im südlichen Raum ist das gar nicht bekannt und man hat mich schon gefragt, ob ich die ü-Striche vergessen habe. (lacht)

Deine Kerzen haben tolle Namen, transportierst du damit deine persönlichen Duft-Erinnerungen?

Ja. Ich bin in einem kleinen Ort in Brandenburg aufgewachsen, wir haben immer viel im Wald gespielt und dort Buden gebaut. Die Kerze mit Waldduft ist für mich daher „Ein Besuch in der Heimat.“ Die Kerze „Tag am Meer“ erinnert an das Mittelmeer, dort verbringen wir oft unseren Urlaub und es riecht nach mediterranen Pflanzen und einer frischen Brise. Der „Urlaub in den Tropen“ ist inspiriert von meiner Zeit als Flugbegleiterin in die asiatischen Länder.

Wie kamst du auf die Idee von DUFTE?

Das will ich alles so nicht mehr!

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Als ich vor sieben Jahren mit meinem ersten Sohn schwanger war, habe ich angefangen, Produkte mit anderen Augen anzuschauen. Was esse ich? Was benutze ich für meine Haut? Viele Produkte enthalten Mikroplastik, welches im Körper verbleibt. Dazu kam, dass es in meiner Familie mehrere schwere Krankheitsfälle gab und liebe Menschen gestorben sind. Auch deshalb habe ich mich immer mehr gefragt: Was kann ich tun, um besser zu leben? Bei meinen Recherchen habe ich mich erschrocken, wie viel “ Müll“ in den Produkten steckt, auch trotz Gütesiegel. Mir war klar: Das will ich alles so nicht mehr!

Von Kind an hatte ich eine Problemhaut und nun gelernt, dass es einfache und natürliche Inhaltsstoffe gibt, die viel besser für die Haut sind. So kam ich auf die Herstellung von Seifen. Und ich war schon immer eine große Kerzenliebhaberin und musste feststellen: Das ist sehr viel Gift, was man hier einatmet, allein beim Auspusten von konventionellen Kerzen. Da ich mittlerweile Kinder hatte, stellte ich mir einmal mehr die Frage, ob es nicht natürlichere Lösungen gibt.

Die Idee ist nach und nach entstanden und gewachsen, auch das Thema Nachhaltigkeit kam mit dazu – nicht mehr alles wegzuwerfen, sondern wiederzuverwenden und auf Plastik zu verzichten. Meine Enkelkinder sollen von der Erde und von der Natur auch noch etwas haben!

Konntest du all deine Vorstellungen umsetzen?

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Ja, ich versuche alle Rohstoffe möglichst regional zu beziehen oder wie bei Kokosöl und Sheabutter Bio-Produkte zu verwenden, bei deren Anbau die Bauern gerecht entlohnt und fair behandelt werden. Ich verwende Rapswachs aus Europa und Rapsöl von einer Brandenburger Ölpresse. Was die meisten nicht wissen: Obwohl bei uns gefühlt so viel Raps wächst, kommt das Rapsöl in den Supermärkten meist aus Asien, um unseren hohen Bedarf zu decken!

Der Docht meiner Kerzen ist aus Holz von alten Obstbäumen und komplett unbehandelt. Denn Baumwollfäden haben immer einen Zinkfaden mit verflochten und müssen mit Paraffin behandelt werden, damit sie brennen, das möchte ich nicht. Die Kerzengläser sind aus recycelten Wein- und Bierflaschen, die aus Restaurants bezogen werden.

Wie war dein Gründungsprozess von der Idee zum fertigen Produkt?

Ganz lange war es nur eine Idee im Kopf. Durch die Kinder konnte ich nicht mehr als Flugbegleiterin arbeiten und für meinen nächsten Schritt war mir wichtig, Beruf und Familie gut vereinbaren zu können, mir selbst meine Arbeitszeit und Termine einzuteilen. Ich hatte keine Ahnung von Gründung, wie man das macht. Bei der Recherche im Internet bin ich dann auf den Lotsendienst der Stadt Potsdam gestoßen.

Wie genau hat dich der Lotsendienst beim Gründen unterstützt?

Ich fand es sehr spannend und habe den Lotsendienst schon oft weiter empfohlen.

Ich war zunächst beim Erstgespräch und dann sehr schnell im nächsten Gründerkurs, dem Development Center. Ich war sehr gespannt darauf und auch auf die anderen Gründer! Du triffst Menschen, die sind gerade in der gleichen spannenden Lebensphase wie du. Wir waren eine tolle Gruppe, haben uns gegenseitig unterstützt und Mut gemacht und haben teilweise heute noch Kontakt.

Wir Gründer waren alle sehr verschieden mit unseren Ideen und obwohl jede Gründung ganz anders ist, sind die Coaches sehr gut auf jeden Einzelnen eingegangen. Es hat mir sehr geholfen und ich habe viel mitgenommen. Ich wusste zwar schon, was ich machen will, hatte aber Angst vor dem ganzen Bürokratischen, der Anmeldung beim Finanzamt, den Behörden usw., die Tipps beim Development Center waren hier sehr hilfreich. Ich fand es sehr spannend und habe den Lotsendienst schon oft weiter empfohlen!

Wie ging es nach dem Development Center weiter?

Wer schreibt schon jeden Tag einen Business Plan?

Ich habe ohne Pause direkt mit dem Einzelcoaching weiter gemacht. Nach der Woche im Development Center gab es nochmal ein Einzelgespräch beim Lotsendienst und es wurden mir verschiedene Coaches vorgeschlagen. Je nach Branche und je nachdem, ob es einem wichtiger ist, einen Business Plan zu erstellen oder Marketing-Maßnahmen zu entwickeln, stehen dir verschiedene Experten zur Verfügung.

Es war super, mit jemandem zu sprechen, der sich mit der Materie auskennt. Wer schreibt schon jeden Tag einen Business Plan? Da war ich wirklich dankbar, auch zu erfahren, welche Förderungen und Finanzierungsmöglichkeiten es gibt und was man in die Anträge schreibt. Man spart sich hier viel Zeit, sich selbst in alles reinzulesen. Im Prozess habe ich mir auch genau überlegt, welche Zielgruppe ich eigentlich ansprechen möchte usw.

Du kannst es also jedem mit Gründungsidee empfehlen, den Lotsendienst zu nutzen?

Der Lotsendienst hat mir Mut gegeben.

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Unbedingt! Der Lotsendienst hat mir Mut gegeben, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. Er hat mich gestärkt zu sagen: „Ich versuch‘s jetzt einfach!“ Wenn es nicht funktioniert, ist es schade, aber ich hab es probiert. Und nun funktioniert meine Idee viel besser, als ich es jemals erträumt hätte!

War Corona kein Problem für dich?

Im Gegenteil glaube ich, Corona hat mir eher in die Hände gespielt. Die Menschen waren viel zu Hause und haben sich darüber Gedanken gemacht, was eigentlich auf der Welt passiert und was wir mit ihr machen. Meine Produkte haben den Nerv des Zeitgeistes getroffen: Nachhaltigkeit. Und sie haben es sich in der Zeit natürlich zu Hause gemütlich gemacht. Meine Kerzennamen habe ich mir schon vor der Pandemie ausgedacht, aber aufgrund der Reiseeinschränkungen haben sie in den Menschen Sehnsüchte befriedigt. Ein Tag am Meer. Urlaub in den Tropen. Ein Besuch in der Heimat – das war ja alles nicht möglich. Eine meiner Heimat-Kerzen wurde zum Beispiel nach Amerika geschickt, weil sie nicht zum Heimatbesuch herkommen konnten.

Ich hatte ein paar Lieferengpässe bei einigen Rohstoffen und auch bei den Gläsern, denn es hatten ja keine Restaurants oder Bars offen, um leere Flaschen zu beziehen. Aber ich habe zum Glück kein Ladengeschäft, das ich schließen musste.

Du blickst also positiv auf deine Gründung zurück?

Ich hab es zu keinem Zeitpunkt bereut.

Ich hab es zu keinem Zeitpunkt bereut. Ich kann mich selbst entfalten, muss mich mit niemandem absprechen. Kann Sachen einfach ausprobieren. Natürlich hat der Spruch mit „selbst“ und „ständig“ schon einen Sinn. Man geht nicht nach der Arbeit nach Hause und ist fertig. Wenn ich es nicht tue, macht es keine andere.

Was sind deine Tipps für alle, die gern gründen möchten?

  1. Mach es nicht halbherzig, du musst es wirklich wollen! Das Gründen kostet Kraft und Nerven. Manchmal hab ich nur drei Stunden geschlafen und dann ging es weiter.
  2. Nicht aufgeben, glaub an dich! Ich wurde auch viel belächelt und mir wurde oft gesagt, es gäbe schon genug Seifen und Kerzen am Markt. Es gibt Momente, wo es sehr zäh ist und gefühlt nichts weiter geht, dann muss man dran bleiben, dann schafft man das auch! Sogar mit Kindern und Familie.
  3. Frage deine Zielgruppe. Ich habe wirklich viel rumgefragt, mich mit Familie und Freunden beraten, Umfragen und Tests gemacht – wie kommt was an? Auch bei verschiedenen Altersgruppen und Männern. Die Geschmäcker sind wahnsinnig unterschiedlich und nicht jeder denkt so wie ich. Natürlich war ich auch niedergeschlagen und verunsichert, wenn was Schlechtes rauskam, aber dann habe ich einfach umgedacht. Zum Beispiel bei der Form und Größe der Seifen: Die hätte ich gern größer gemacht, aber die meisten wollten lieber eine kleinere Seife, um immer mal wieder was Neues probieren zu können.

Welche Wünsche hast du für die Zukunft?

Ich wünsche mir, dass ich weiter so erfolgreich bin und ich so tolle Rückmeldungen bekomme. Irgendwann möchte ich dann die Manufaktur auslagern, ich mache ja alles noch bei mir zu Hause. Aktuell entwickle ich neue Kerzen für Schwangere und als Geschenk für die Geburt, die besonders für die ganz empfindlichen Geruchsnerven in dieser Zeit geeignet sind. Und es kommen natürlich bald neue Frühlings-Kerzen! Ich hoffe ich schaffe das noch alles rechtzeitig vor der Geburt meines dritten Sohnes! (lacht) Und es gibt noch viel mehr Ideen, die ich umsetzen möchte!

Liebe Justine, wir wünschen dir viel Erfolg dabei und danken dir für das Gespräch!
Fotos: © DUFTE Manufaktur


Ihr wollt auch gründen?

Der Lotsendienst Potsdam hilft auch euch beim Start in die Selbstständigkeit!

Lotsendienst Potsdam

Jede Gründung benötigt eine gute Planung und Vorbereitung. Über den Lotsendienst Potsdam erhaltet ihr kostenfrei Unterstützung in drei Stufen:

  1. Zunächst gibt es eine persönliche Erstberatung rund um die Gründungsidee und das Lotsendienst-Programm.
  2. Es folgt ein Development Center zusammen mit anderen Teilnehmern, um euer Vorhaben weiter zu entwickeln.
  3. Das Kernangebot des Programms ist eine Einzelberatung mit einem professionellen Coach, mit dem ihr zum Beispiel gemeinsam ein Marketingkonzept entwickelt oder euren Businessplan für die Arbeitsagentur oder für die Bank schreibt.

Die Unterstützung des Lotsendienstes Potsdams ist für euch komplett kostenfrei! Am Programm teilnehmen können alle:

  • deren Wohnsitz sich in der Landeshauptstadt Potsdam befindet (wenn ihr nicht in Potsdam wohnt, schaut nach einem Lotsendienst in eurer Region)
  • die nicht schon selbstständig sind (also aktuell weder gewerblich noch freiberuflich angemeldet sind, auch nicht im Nebenerwerb)
  • die erwerbslos, sozialversicherungspflichtig oder geringfügig beschäftigt sind
  • die die Absicht haben, sich im Land Brandenburg im Haupt- oder Nebenerwerb selbstständig zu machen.

Mehr erfahrt ihr unter: www.lotsendienst-potsdam.de – dort findet ihr auch viele weitere Beispiele von Leuten, die den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt und erfolgreich gegründet haben.

Kontakt zum Lotsendienst:

Ihr seid noch unsicher? Am besten ruft ihr einfach mal beim Lotsendienst an, dort werden eure Fragen nett und kompetent beantwortet. Ihr erreicht die Mitarbeiter des Lotsendienstes unter:

0331-289-2889
lotsendienst@rathaus.potsdam.de

Lotsendienst in der Landeshauptstadt Potsdam
Bereich Wirtschaftsförderung
Friedrich-Ebert-Straße 79/81
14469 Potsdam

Stadthaus, Zimmer 1.100

Lotsendienst Potsdam Förderung

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Auch Claudia von der Kuchenmanufaktur “Käthe und Agathe” und Corinna und Anna von Fjordkind Reisen haben den Lotsendienst genutzt und uns davon erzählt.

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