Frauenzentrum Potsdam: „Wir sind für Dich da!“

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Unter dem Motto „Wir lassen keine im Regen stehen“ engagiert sich das Autonome Frauenzentrum Potsdam e.V. seit 1990 für Mädchen und Frauen mit dem Ziel, diese auf individueller, zwischenmenschlicher und gesellschaftlicher Ebene zu stärken. Das Frauenzentrum steht für Begegnung und Austausch, es schafft Freiräume, sensibilisiert, klärt auf, engagiert sich gegen Sexismus und bietet Schutz für verfolgte und bedrohte Frauen und deren Kinder. Am 25. November ist der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen und auch wir wollen darauf aufmerksam machen, dass jeder Mensch ein Leben ohne Gewalt verdient hat!

Liebe Frau Burkard, was genau ist das Autonome Frauenzentrum e.V.?

Michaela Burkard: Das Autonome Frauenzentrum Potsdam e.V. ist ein gemeinnütziger Verein und der Träger von den Projekten „Frauennotwohnung“, „Frauenberatung“, „Frauenhaus“ und „Mädchentreff“. Das Autonome Frauenzentrum befindet sich seit 2011 in der Schiffbauergasse und auch wir als Frauenzentrum bieten vor Ort verschiedene Projekte an. Bei uns gibt es zum Beispiel einmal im Monat ein Frauenfrühstück oder montags um 19 Uhr haben die Frauen die Möglichkeit, Tischtennis zu spielen. Außerdem sind wir in vielen Interessengruppen der Stadt und versuchen, uns für frauenpolitischen Themen stark zu machen.

Wann kann ich mich an das Frauenzentrum wenden?

Grundsätzlich ist man bei uns immer richtig, aber man sollte sich unbedingt bei uns melden, wenn man aus der eigenen Situation herauskommen möchte, in der man sich nicht mehr gut fühlt. Entweder meldet man sich allgemein im Frauenzentrum oder, wenn man schon genau weiß, welches Projekt der richtige Ansprechpartner ist, dann natürlich auch direkt dort.

Was muss man sich unter den einzelnen Projekten vorstellen?


Das Frauenzentrum hier in der Schiffbauergasse macht ergänzend zu der Frauenberatung auch die Öffentlichkeitsarbeit zum Thema häusliche Gewalt an Frauen. An bestimmten Tagen im Jahr weisen wir verstärkt darauf hin und beziehen Stellung. Im letzten Jahr hat ein Mann in Werder seine Frau getötet. Diese schlimmen Taten nehmen wir natürlich auch zum Anlass, um wieder verstärkt auf das Thema aufmerksam zu machen.

Das Frauenhaus ist ein Gewaltschutzprojekt. Es ist ein anonymer Wohnort, an dem man Schutz für sich und seine Kinder bekommt. Die Sozialarbeiterinnen helfen den Frauen in ihrer schwierigen Situation. Da geht es dann um Fragen wie: Muss die Polizei hinzugezogen werden? Wie kann man schnellstmöglich das gemeinsame Konto und die Wohnung auflösen? Außerdem arbeiten die Sozialarbeiterinnen auch die Erlebnisse mit der Frau auf. Im Frauenhaus gibt es außerdem zwei zusätzliche Sozialpädagoginnen, die nur für die Kinder zuständig sind und mit ihnen über ihre Erlebnisse sprechen.

Die zwei Frauennotwohnungen sind ähnlich wie das Frauenhaus, nur dass sie für Frauen mit älteren Söhnen angedacht sind, damit man im Frauenhaus wirklich nur unter Frauen ist. Auch, wenn man gerade in einer Krise steckt und sich gemeinsam mit einer Sozialarbeiterin neu sortieren muss, ist das Wohnen in einer Frauennotwohnung möglich.

Die Frauen- und Mädchenberatungsstelle befindet sich in der Garnstraße 33 und ist eine Anlaufstelle bei verschiedensten Themen. An die Beratungsstelle können sich alle wenden, die Unterstützung und Begleitung in einer Lebenskrise (z.B. Trennung, Konflikte in der Familie oder im Beruf, körperliche und/oder psychische Erkrankung) oder bei Schwierigkeiten im alltäglichen Leben benötigen. Das Angebot beinhaltet insbesondere Beratung und Begleitung für Frauen und Mädchen, die aktuell oder in der Vergangenheit Gewalt erfahren haben, wie z.B. häusliche Gewalt, sexueller Missbrauch, psychische Gewalt, Stalking oder Diskriminierung. Geflüchtete Frauen haben oft Fragen zum Thema Aufenthaltsrecht oder Arbeitsrecht. Zweimal im Monat bieten wir für einen symbolischen Euro auch eine Rechtsberatung durch zwei Anwältinnen an. Die Frauenberatungsstelle ist seit Corona auch online erreichbar (Einzel-Chat oder Video-Chat).

Der Mädchentreff „Zimtzicken“ im Zentrum Ost ist ein Jugendtreff für Mädchen von 8 – 22 Jahren. Die Mädchen können dort einfach nur so vorbeischauen, ihre Freundinnen treffen oder Hausaufgaben machen. Sie haben aber auch die Möglichkeit, an Workshops oder Ausflügen teilzunehmen. Dort werden außerdem auch Aktivitäten angeboten, die dem Empowerment dienen, wie zum Beispiel das gemeinsame Bauen eines Hochbeetes. Jeden Freitag findet der Mädchentreff von 15 – 19 Uhr im Familienzentrum im Schlaatz statt. Auch dort wird das gemeinsame Treffen an einem geschützten Ort (ohne Familie und Jungen) sehr gut angenommen.

Kann jede Frau im Frauenhaus aufgenommen werden?

Nein, leider nicht. Leidet die Frau an einer psychischen Krankheit oder ist die Frau von Obdachlosigkeit betroffen, ist die Aufnahme im Frauenhaus nicht möglich. Dafür haben wir einfach keine Ressourcen. Im Frauenhaus gibt es aktuell 21 Betten, die auch für die Kinder sind. Wir verweisen dann aber auf die Einrichtungen, bei denen die Frauen besser aufgehoben sind und an die sich die Frauen wenden können.

Bleiben die Kinder weiterhin in ihrer Kita oder Schule?

Das kommt immer darauf an. Normalerweise schon, aber es gibt auch Fälle, da kommen die Frauen und ihre Kinder aus anderen Bundesländern, damit es auch wirklich eine große räumliche Trennung zum Vater gibt. Das ist aber von Fall zu Fall unterschiedlich und wird bei jeder Familie individuell entschieden.

Wie lange bleibt eine Frau durchschnittlich im Frauenhaus?

Das ist ganz unterschiedlich. Manchen Frauen bleiben nur ein paar Tage, andere leben ein paar Monate im Frauenhaus. Wir setzen den Frauen kein Limit, es wird den Frauen so lange geholfen, wie sie Hilfe benötigen.

Und wissen Sie, ob viele Frauen wieder zu ihrem Partner zurückkehren?

Es gibt schon einen hohen Anteil. Eine Statistik besagt, dass man durchschnittlich drei Anläufe braucht, um sich aus einer gewaltvollen Beziehung zu lösen. Es gibt aber auch viele positive Rückmeldungen.

Sie arbeiten in Potsdam aktiv an der Umsetzung frauenpolitischer Interessen und setzten sich aktiv gegen Sexismus ein. Können Sie das genauer erläutern?

Die Mitarbeiterinnen des Frauenzentrums, aber auch der einzelnen Gewaltschutzprojekte und des Mädchentreffs arbeiten in Potsdam in verschiedenen Gremien, Arbeitskreisen und -Gruppen zu frauenpolitischen Themen mit. Dabei geht es uns darum, die sehr vielfältigen Perspektiven der Frauen in Potsdam und Umgebung zu vertreten und uns dafür einzusetzen, dass sich ihre Lebenssituation verbessert. Das geht es zum Beispiel um das Thema häusliche Gewalt, um die Situation Alleinerziehender oder um geflüchtete Frauen. Auch bei Gremien zum gesellschaftlichen Zusammenhalt und einem demokratisches Miteinander engagieren wir uns, wir sind z.B. Teil des Bündnisses „Potsdam bekennt Farbe“.

Auch beim Thema Wohnen sitzen wir in einigen Arbeitskreisen, denn Themen wie bezahlbarer Wohnraum oder Obdachlosigkeit betreffen auch Frauen. Mehrmals im Jahr laden wir außerdem die Fraktionärinnen der SVV zu einer gemeinsamen Runde ein, um über frauenpolitische Themen zu sprechen und ggf. Anträge zu diesen Themen in die SVV zu bringen. Neben der Arbeit in den Gremien treten wir auch im öffentlichen Raum in Erscheinung: Zum Beispiel gibt es jedes Jahr zu „One Billion Rising“ am 14. Februar eine Aktion; außerdem organisieren wir Demonstrationen oder beteiligen uns an öffentlichen Aktionen von anderen Trägern.

Und welchen Wunsch haben Sie als Frauenzentrum für Ihre Zukunft?

Wir hätten gern eine bessere Finanzierung, damit wir zum Beispiel im Frauenhaus mehr Betten zur Verfügung stellen und mehr Mitarbeiterinnen einstellen können. Denn der Bedarf ist da. Die Finanzierung unserer Gewaltschutzprojekte, aber auch des Frauenzentrums selbst erfolgt jedes Jahr neu mit vielen einzelnen Anträgen bei verschiedensten Stellen. Das führt zu einem großen Verwaltungsaufwand und macht eine langfristige Planung schwierig.

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Liebe Frau Burkard, viele Dank für das Interview!

Und hier nochmal alle wichtigen Infos:

Autonomes Frauenzentrum Potsdam e.V.
Schiffbauergasse 4H
14467 Potsdam
Tel: 0331/901313
post@frauenzentrum-potsdam.de

Beratungsstelle für Frauen und Mädchen Potsdam
Garnstraße 33
14482 Potsdam-Babelsberg
Tel.: 0331/974695

Mädchentreff „Zimtzicken“
Hans-Marchwitza-Ring 55
14473 Potsdam
Tel.: 0331/2700366

Kontakte im Notfall:

Bei akuter häuslicher Gewalt: Frauenhaus 24h unter 0331/964516.

Beratungsbedarf: Frauen- und Mädchenberatungsstelle: 0331/9746 95

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