Noosha Aubel: „Ich möchte in Potsdam ein Familienbüro einrichten!“

Noosha Aubel (43) zog mit ihrem Mann und ihren beiden Töchtern (5 & 7) im Sommer 2017 nach Potsdam und ist seit August 2017 Beigeordnete für Bildung, Kultur und Sport in der Landeshauptstadt. Anfang des Jahres hat sie zusätzlich den Bereich Jugend übernommen. Wir haben die sympathische Powerfrau in ihrem Büro in der Hegelallee besucht und ihr ein paar persönliche Fragen gestellt, uns aber auch über die Familienfreundlichkeit in Potsdam, dem Neu- und Ausbau von Kindertagesstätten und Schulen sowie ihren Visionen für die Zukunft unterhalten. 

POLA: Liebe Frau Aubel, was macht Potsdam so familienfreundlich?

Noosha Aubel: Potsdam hat eine unglaublich hohe Lebensqualität, denn es gibt für alle Altersgruppen die verschiedensten Angebote. Selbst mit dem Baby kann man schon Kurse in der Musikschule und im Nikolaisaal wahrnehmen. Es gibt eine Fülle an Sportvereinen und unterschiedliche Museen mit Familienangeboten und eine große Vielfalt bei den Kitas und Schulen mit ganz verschiedenen Konzepten und Trägern. Das Kinder- und Jugendbüro beteiligt junge Menschen aktiv an den sie betreffenden Themen, z.B. bei der Gestaltung von Schulhöfen, Freizeitaktivitäten oder der Verkehrsplanung. Nicht zuletzt haben wir eine tolle Landschaft von den umliegenden Seen bis hin zum Volkspark. Ich glaube, in Potsdam muss keiner Familie bei der Freizeitgestaltung langweilig werden. 

Und wo gibt es noch Baustellen?

Eine Baustelle ist das Thema Infrastruktur. Also Kitas und Schulen. Wir sind in den letzten Jahren der Bevölkerungsentwicklung hinterhergelaufen. Mittlerweile haben wir unsere Planungen umgestellt und qualifiziert. Wir schauen nun viel weiter in die Zukunft und versuchen, frühzeitig den Nachfragen gerecht zu werden. Die große Herausforderung dabei ist, dass Potsdam nicht mehr viele freie Flächen für neue Kitas und Schulen hat und die Planungsprozesse aufgrund gesetzlicher Rahmenbedingungen oft lange dauern. Außerdem wird es immer schwieriger, Unternehmen zu finden, die unsere Bauaufträge zeitnah umsetzen. Und häufig wehren sich die Bewohner, wenn wir neuen Schulen oder Sportplätze in die Nähe von Wohnbebauung errichten möchten. 

Zweite Baustelle sind die Kitaplätze. Leider haben derzeit etwa zwei Dutzend Eltern keinen Kitaplatz, weil beispielweise qualifiziertes Personal fehlt. Es gibt Stadtteile, die sind sehr gut versorgt, aber Sorgenkinder sind ganz eindeutig die Innenstadt, Potsdam West und der Norden, der sehr stark gewachsen ist. Darum werden wir in den nächsten fünf Jahren die Kapazitäten durch Neubau und Erweiterungen um ein weiteres Drittel erhöhen. Allein in Krampnitz sind beispielsweise sieben neue Kitas geplant.  

Warum hat Potsdam derzeit keine eigenen Kitas, die zur Stadt gehören?

Nach der Wende hat Potsdam viele Einwohner verloren, viele Einrichtungen mussten geschlossen werden und der Rest wurde an die freien Träger gegeben. Ab dem Kitajahr 2020/21 möchten wir wieder eigene, kommunale Kitas an den Start bringen um hier auch nochmal andere Steuerungsmöglichkeiten zu haben. 

Die Vergabe der Kitaplätze ist aktuell ein großes Problem. Die Eltern müssen sich bei zahlreichen Kitas anmelden, um einen Platz zu bekommen und der Kita-Tipp kann nur informieren und nicht wirklich weiterhelfenWelche Pläne gibt es hier?

Da sprechen Sie ein Dilemma an. Aktuell kann unser Kita Tipp nur an die einzelnen Einrichtungen verweisen und Tagespflegepersonen vermitteln. Ab dem Kitajahr 2021/22 soll es ein  Online-Kita-Portal geben,  in dem man sehen kann, wo es Kitas gibt, welche Profile sie haben und wie viele Plätze zur Verfügung stehen werden. Leider geht das nicht so schnell, wie ich mir  das wünschen würde. Aktuell befinden wir uns im Vergabeverfahren für die Entwicklung des Portals. 

Die Kinder werden älter und dann wird es an Schulplätzen mangeln. Was haben Sie hier geplant?

In den nächsten fünf Jahren wird es ein Viertel mehr Plätze geben. Es werden dafür fünf neue Grundschulen und drei neue weiterführende Schulen gebaut. Auch in diesem Jahr haben wir schon eine neue Schule, die „Gesamtschule am Schloss“, eröffnet. Dies soll insbesondere die angespannte Situation im Potsdamer Norden entschärfen. 

Welche Visionen haben Sie für die Zukunft?

Ich möchte ein Familienbüro einrichten, in dem alle Informationen zusammenlaufen. An dieses kann man sich dann mit allen Fragen rund um das Familienleben wenden. Egal, ob man wissen möchte, was man in der Stadt unternehmen kann oder auch welche finanziellen Unterstützungsmöglichkeiten es gibt oder eben wo Kitaplätze zu finden sind. Parallel zum Familienbüro möchte ich das breite Angebot auch digital darstellen.

Außerdem ist es ein Anliegen von mir, weiterhin die Bedürfnisse der Familien, Kinder und Jugendliche abzufragen und in die Planungen mit einzubeziehen. Der Kontakt mit den Menschen und konkrete Anregungen und Ideen sind für mich sehr wichtig und wertvoll. Dies machen wir schon an vielen Stellen, denn uns ist wichtig, auch mit den Kindern und Jugendlichen ins Gespräch zu kommen und ihre Bedürfnisse ernst zu nehmen. Dies müssen nicht unbedingt immer neue Sachen sein, sondern es wird teilweise einfach geprüft, ob die aktuellen Angebote noch dem Bedarf entsprechen. Kein einfach „weiter so“ oder „das haben wir schon immer so gemacht“. 

Daneben ist mir ein weiteres Anliegen, für mehr Chancengerechtigkeit zu sorgen, beispielsweise durch eine Erhöhung der Qualität im Ganztag. Davon profitieren alle Kinder, aber besonders diejenigen die Zuhause, aus welchen Gründen auch immer, genug Unterstützung erfahren. 

Und wird es in Zukunft auch mehr Orte für Jugendliche geben?

Ja, für Jugendliche möchten wir mehr Freizeiteinrichtungen schaffen, etwa im Bornstedter Feld. Auch eine neue Skaterhalle im Lindenpark wird derzeit geprüft. Außerdem habe ich ein Angebot für Jugendliche an der Volkshochschule initiiert. Wir brauchen zum Beispiel auch ein kommunales Angebot für Lernhilfen, denn nicht alle Eltern können sich private Nachhilfeanbieter leisten. Wichtig ist, dass wir Einrichtungen und Angebote vorhalten, die den Bedürfnissen von Jugendlichen auch entsprechen. 

Und jetzt wollen wir es einmal ganz genau wissen: Wie sieht ein normaler Arbeitstag bei Ihnen aus?

(lacht) Es gibt keinen ganz normalen Arbeitstag bei mir. Jeder Tag ist anders, das hat den Vorteil, dass es wenig Routine gibt. Meistens bin ich gegen 8 Uhr im Büro, dort checke ich dann erstmal meine Mails, die Post und den Pressespiegel. Um 8.30 Uhr sitze ich mit meinen KollegInnen aus dem Stab zusammen und wir besprechen, was alles ansteht. In der Regel  habe ich  viele Termine mit den unterschiedlichsten Konstellationen und Themen, außerdem noch  diverse Ausschüsse, Aufsichtsräte etc. Auch an den  Wochenende häufig Veranstaltungen. Das Pensum ist hoch, aber ich komme jeden Morgen gerne ins Büro.  

Und wie schaffen Sie den Spagat zwischen Ihrem Familienleben und dem umfangreichen Job?

Ganz klar, es ist eine Herausforderung. Ich versuche, mir einen Nachmittag in der Woche für meine Kinder zu blocken. Zum Glück habe ich auch repräsentative Termine, die es mir erlauben, meine Kinder hin und wieder an den Wochenenden mitzunehmen, zum Beispiel zu Familienfesten oder in Museen. Die Zeit zusammen nutzen wir dann natürlich sehr intensiv. Und ohne meinen sehr engagierten Mann würde das ehrlicherweise auch nicht funktionieren.  

Und welchen Wunsch hätten Sie als Mutter an die Stadt?

Als Mutter eigentlich keine. Mich interessiert eher, was sich die Potsdamerinnen und Potsdamer wünschen und was ich bzw. die Stadtverwaltung zur Umsetzung beitragen kann. 

Liebe Frau Aubel, vielen Dank für das aufklärende Interview!

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