„Ich kann mit meinen Kindern genau so leben, wie ich es möchte!“

Mitte August eröffnete Julia von La Chevallerie (45) ihr erstes eigenes Café „Miss Green Bean“. Ein besonderer Schritt für die sympathische Powerfrau, denn die ehemalige TV-Journalistin ist nicht nur vierfache Mutter von Elisabeth (14), Helena und Ludwig (13) sowie Pauline (7), sondern dies auch alleinerziehend. Als sie mit ihrem vierten Kind schwanger war, trennte sie sich nach neun Jahren von ihrem Mann. Heute, sieben Jahre später, erzählt sie uns, warum sie sich ganz bewusst für eine Trennung entschieden hat und wie man mit Kindern auf Augenhöhe über die eigene Scheidung spricht. 

POLA Magazin: Wie ist es dazu gekommen, dass du alleinerziehend geworden bist?

Julia: Alle sagen immer: Wie kann man so viele Kinder bekommen und sich dann trennen? Doch eigentlich ist es ganz einfach: Wir haben als Eltern von drei kleinen Kindern einfach funktioniert und der Partnerschaft keine Beachtung mehr geschenkt. Man hat sich das vor den Kindern immer alles schön geredet, aber die Realität sieht dann oft anders aus. Wir mussten feststellen, dass wir sehr unterschiedliche Werte haben. Bei vielen Dingen kann man vielleicht einen Kompromiss eingehen, aber nicht wie man als Familie leben will und welche Dinge man als Eltern weitergeben möchte. 

Wir waren auch in der Eheberatung und haben gelernt, dass sich Beziehungsprobleme immer auf zwei Dinge zurückführen lassen – nicht erfüllte Bedürfnisse und unterschiedliche Werte. Und das hat auch bei uns zugetroffen. Durch die Arbeit und den normalen Alltagsstress konnten wir uns erst einmal gut aus dem Weg gehen, aber als ich dann mit unserem vierten Kind schwanger war und nicht mehr arbeiten gegangen bin, funktionierte das wieder nicht mehr. Da habe ich gedacht: So und nicht weiter!

Wie ist die Trennung für dich verlaufen?

Mein Mann ist ausgezogen und ich bin mit den Kindern in der Wohnung geblieben. Wir hatten uns schon vorher in unserer Beziehung in langen Phasen schrittweise voneinander verabschiedet. Ich dachte eigentlich, dass ich das alte Leben viel mehr vermissen würde, aber dem war nicht so. Eine Trennung will man ja nicht, weil es einem danach schlechter geht, sondern weil es so schlecht ist, dass es nur besser werden kann. Natürlich hätte ich auch gern eine typische „Happy Family“ gehabt, aber wenn du akzeptierst, dass die Partnerschaft und Familie nicht mehr funktionieren, ist es immer ein Schritt in die richtige Richtung. 

Hast du es einmal bereut, dich getrennt zu haben?

Nein, nie. Ich bin selber Scheidungskind und wollte das eigentlich bei meinen Kindern unbedingt vermeiden. Aber ich finde eine Trennung besser als ewigen Streit und Spannungen. Da bin ich auch meinen Eltern im Nachhinein dankbar, dass sie uns das erspart haben.

Deine Kinder sind jedes zweite Wochenende bei ihrem Papa. Wie ist das für sie? Funktioniert das gut?

Als wir uns getrennt haben, war meine Große sechs und die Zwillinge fünf Jahre alt. Und seit dieser Zeit gibt es auch die regelmäßigen Papa-Wochenenden. Es ist für sie ganz normal und sie hinterfragen es auch nicht. Auch in ihrem Umfeld haben sie einige Freunde, die in einem ähnlichen Familien-Konstrukt leben, so dass es für sie wirklich ganz alltäglich ist. 

Wie kommuniziert man mit den Kindern auf Augenhöhe, dass sich ihre Eltern trennen werden? Hast du da einen Tipp?

Die Kinder bekommen den Streit und die Trennung ja mit. Da muss man altersgerechte Antworten finden, auf Fragen, die natürlich kommen. Ich habe ihnen damals gesagt, dass sich Mama und Papa leider zu viel streiten und sich erst einmal aus dem Weg gehen müssen. Und umso älter sie wurden, umso detailierter haben wir darüber gesprochen. Ich achte darauf, dass ich möglichst wenig wertend erzähle, sondern Positionen aufzeige. „Papa sieht das so. Ich bin anderer Meinung, weil….“., aber nicht: „Papa ist doof.“

Würdest du in der Trennungsphase rückwirkend etwa anders machen?

Ja, ich würde jedem raten, so schnell wie möglich alles zu regeln. Und zwar mit externer Hilfe wie Anwälten oder mit dem Jugendamt. Was sind meine Rechte und Pflichten? Was wollen die Kinder und was will ich? Was brauchen wir – auch finanziell? Man muss einfach alle Fragen rund um Erziehung und Finanzen klären. Ich bin immer erstaunt, dass Menschen, die sich wegen anhaltender Konflikte trennen, glauben, sie könnten die wichtigsten Fragen plötzlich aber einvernehmlich lösen. Das geht fast immer schief, denn in dieser emotionalen Phase mit Frust und Ärger endet das Ganze meist in ewigem Streit, ist belastend für alle und am Ende landet man doch beim Anwalt. Gerade Frauen denken oft, es wäre ein feindlicher Akt, sich Hilfe zu suchen und juristische Beratung in Anspruch zu nehmen. Ist es nicht.

Was war für dich als Alleinerziehende die größte Umstellung?

Die Feiertage, an denen man auf einmal allein ist. Auch an den Feiertagen wechseln wir uns mit den Kindern ab und auf einmal ist man ganz allein und weiß gar nicht, was man machen oder wohin man gehen könnte. Das war am Anfang wirklich hart für mich, aber inzwischen weiß ich, wie ich damit gut umgehen kann und genieße die Zeit für mich einfach auch sehr. Aber es hat Jahre gebraucht, um diese Größe zu entwickeln.

Und was ist das Anspruchsvollste am Alleinerziehend-Sein?

Das du jede Rolle übernimmst und nie abgeben kannst! Man muss einfach an alles denken, alles verantworten und zu jeder Tages- und Nachtzeit funktionieren. Klar, man kann Freunde oder Familie um Rat fragen, aber am Ende muss man es doch allein entscheiden und die Konsequenzen alleine tragen. 

Und gibt es auch etwas Gutes?

(lacht) Man ist diejenige, die alles entscheiden kann. Das ist das Schwerste und Beste zugleich, denn man muss sich mit niemandem abstimmen. Ich kann mit meinen Kindern genau so leben, wie wir es möchten. Es gibt nicht noch einen Menschen, dessen Bedürfnisse berücksichtigt werden müssen. 

Müsste die Politik Alleinerziehende besser oder anders unterstützen?

Ja! Es gibt für Alleinerziehende einfach super wenig Unterstützung. Weder steuerlich gibt es große Begünstigungen noch besondere Programme. Als ob es keinen Unterschied macht, ob sich einer oder zwei kümmern.

Und jetzt mal ehrlich:  Welche Sätze wollen Alleinerziehende nicht hören?

„Ich bin ja quasi auch alleinerziehend.“, obwohl man einen Partner hat, der halt mal gerade auf Dienstreise ist. Oder auch „Ach, du Arme!“. Ich will einfach nicht bemitleidet werden. Das hilft nicht. Konkrete Hilfsangebote, Zuspruch oder Verständnis wären da einfach angebrachter. 

Warum hast du in diesem Jahr nochmal was ganz Neues gestartet und dein eigenes Café „Miss Green Bean“ eröffnet? 

Meine Kinder sind jetzt in einem Alter, wo ich einfach mehr für sie da sein will. Und mein ehemaliger Arbeitgeber ist nach München gezogen. Ich wollte einen Arbeitsplatz haben, zu dem meine Kinder auch kommen können. In Potsdam gibt es zwar viele tolle Cafés mit Charme, aber das Rund-um-Glücklich-Café für mich gab es eben noch nicht. Und das habe ich mir jetzt mit Miss Green Bean gebaut und es fühlt sich wie ein großes Familien-Wohnzimmer an. 

Und welche Arbeitszeiten hast du jetzt?

Ich bringe meine kleine Tochter zur Schule und eröffne dann um acht Uhr das Miss Green Bean. Am Nachmittag habe ich meist Zeit für meine Kinder oder sie kommen ins Café. Die Arbeitszeit ist immer noch lang, aber der Arbeitsplatz ist jetzt einfach näher und für die Kinder offen. Das ist ein großer Vorteil!

Wie schaffst du den Spagat zwischen Café, Kindern und Haushalt?

So wie immer – am Rand des Wahnsinns! 😉 Aber ich glaube, das ist ganz normal. Ich bin sehr diszipliniert und auch meine Kinder kennen es nicht anders. Wir stehen immer rechtzeitig auf und auch abends mache ich die Dinge, die noch zu tun sind, egal wie müde ich bin. Ich weiß, dass sich alles andere rächt. Außerdem habe ich auch eine gute Resilienz entwickelt, wenn bestimmte Dinge mal schief laufen. Es kommt vor, dass ich an einem Elternabend nicht teilnehmen kann, Termine verschwitze, Emails unbeantwortet lasse, aber manchmal geht es einfach nicht anders. Mich dann noch lange zu ärgern, habe ich mir abgewöhnt. Blöde Kommentare von anderen dazu ignoriere ich. Sollen die doch mal alleinerziehend mit vier Kindern wuppen.

Und wann hast du einmal Zeit für dich?

Gefühlt ständig. Ich mache ja das, was mir Spaß macht. Ich freue mich abends schon auf den nächsten Tag im Miss Green Bean und ich liebe meinen „Job“ als Mutter. Und wenn die Kinder schlafen, nehme ich mir immer Zeit für mich, auch wenn das in Schlafmangel endet. Außerdem habe ich ja auch jedes zweite Wochenende kinderfrei. Das sind sehr praktische, immer wiederkehrende Inseln, in denen ich Kraft tanken kann.

Liebe Julia, vielen Dank für deine ehrlichen Worte und alles Gute für dein Café!

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