“Potsdam ist auf keinen Fall die kleine Schwester von Berlin!”

Svenja (40), Pierre (32) und Yuri (2) wohnen erst seit Kurzem in Potsdam, fühlen sich aber schon jetzt richtig wohl. Vorher haben die 3 in Berlin gewohnt. Svenja stammt ursprünglich aus Schleswig Holstein, Pierre aus Großbritannien. Die beiden Musiker sollten vor vielen Jahren gemeinsam Musik schreiben, da sie zu dieser Zeit Newcomer in der Berliner Szene waren. Daraus wurde nie etwas, dafür haben sich die beiden 2016 auf Pierres Geburtstagsfeier wiedergesehen und ineinander verliebt. Zwei Jahre später kam Yuri auf die Welt. Im Oktober eröffnete Svenja am Bassinplatz ihren erst eigenen Laden – Good News, eine Vintage und Designer Second Hand Boutique. 

POLA: Liebe Svenja, lieber Pierre, warum habt ihr euch für Potsdam entschieden?

Svenja: Weil hier die Lebensqualität einfach viel höher ist. Ich fühl mich hier meinem zu Hause sehr nah, denn in Schleswig Holstein gab es viel Natur um mich herum. Und das fehlte mir in Berlin total. Wir wohnten an einer sehr befahrenen Straße im fünften Stock und das ging mit Kind irgendwann einfach nicht mehr.

Pierre: Immer wenn wir in Potsdam waren, fühlte es sich für mich nach Sommerurlaub an. Es ist eine tolle Stadt mit vielen Facetten. Und es fühlt sich für mich auch überhaupt nicht nach Kompromiss an, denn Potsdam ist auf keinen Fall die kleine Schwester von Berlin. 

Wie kam die Idee zu deinem Laden?

Svenja: Ich wollte schon immer meinen eigenen Laden haben. Ich liebe Second Hand und bin schon als Kind auf Flohmärkte gegangen. Ich kaufe auch selber viel Second Hand ein und da ist es mir egal, ob es ein Designer- oder ein Vintage Second Hand-Laden ist. Ich habe vorher 20 Jahre in der Musik- und Modebranche gearbeitet, aber mit Kind ist das nicht mehr möglich. Viele Termine finden abends oder am Wochenende statt und man muss wahnsinnig flexibel sein und das hat dann für mich einfach nicht mehr gepasst. Und dann hatte ich die Chance meinen Traum wahr werden zu lassen. In Berlin gibt es einfach schon zu viele Läden und auch die Mieten sind total überteuert. Ich habe relativ schnell diesen Laden hier gefunden und auch mit dem Vermieter hat alles gut gepasst.

Und wie oft geht ihr auf Flohmärkte und was ist das Besondere daran?

Svenja: Auf Flohmärkten drehe ich komplett durch. Wenn es geht, fahren wir einmal im Jahr nach Dänemark in den Urlaub. Wir nehmen dann immer so wenig wie möglich mit, damit die neuen Möbel und Klamotten auch in unser Auto passen. Jetzt habe ich ja endlich einen Grund, warum ich dort so viel einkaufe. (lacht) Der Flohmarkt am Mauerpark oder Arkonaplatz sind meine liebsten Flohmärkte in Berlin. 

Worauf legt ihr bei Kinderklamotten wert?

Svenja: Mir ist es wichtig, dass es kein Polyester ist, sondern die Sachen aus Stoffen bestehen, die atmen können. Am liebsten sind mir gebrauchte Sachen, die durch das häufige Waschen dann noch unschädlicher sind. Ich glaube, Bobo Choses ist da ein tolles Beispiel. Die Klamotten sind relativ teuer, haben aber ein unheimlich gute Qualität und bei eBay Kleinanzeigen oder Mamikreisel wird man immer fündig. Aber ich kaufe natürlich auch mal was Neues, denn wenn Yuri Winterstiefel braucht, habe ich keine Zeit, da lange zu suchen. 

Dein Laden sieht wirklich toll aus. Woher nimmst du deine Ideen? Was inspiriert dich? 

Svenja: Ich war ja schon in unheimlich vielen Läden und da habe ich einfach viele Ideen in meinem Kopf gesammelt. In Dänemark erhält man unheimlich viel Inspiration, denn egal ob man in einen Laden geht oder die Leute zu Hause besucht, es sieht einfach immer durchgestylt aus. Und diese tollen Läden und Wohnungen findet man nicht nur in Kopenhagen, sondern auch auf dem Land. Auf den Social Media Kanälen schaue ich gar nicht so gern, da gibt es zwar super viele Inspirationen, aber irgendwann sieht dann doch wieder alles gleich aus. 

Woher stammen die ganzen Klamotten, Schuhe und Accessoires in deinem Laden?

Svenja: Zum Start habe ich all meine Kollegen und Freunde gefragt, ob sie ihren Kleiderschrank ausmisten möchten und ich hatte natürlich auch ganz viel selber angesammelt. Und jetzt geht es langsam los, dass auch die Potsdamer hier ihre Sachen bei mir verkaufen. 

Pierre: In der Zeit, in der Svenja alles gesammelt hat, hatten wir sechs Industrie-Kleiderstangen in unserem Schlafzimmer. Yuri fand es natürlich super! (lacht)

Wie organisiert ihr euer Familienleben? Und wie gut klappt das Thema Vereinbarkeit bei euch? 

Svenja: Pierre arbeitet aktuell im Homeoffice und wir haben uns da ziemlich gut eingegroovt. Er bringt Yuri jeden Morgen in die Kita und ich hole ihn am Nachmittag ab. Ab 15 Uhr habe ich dann eine Aushilfe hier im Laden. Aber sobald jemand krank wird, ist es immer wieder eine Herausforderung. Man gerät schneller aneinander, denn beide denken ja immer, dass es unglaublich wichtig ist, was sie noch zu tun haben. 

Pierre: Wir versuchen so gut es geht, alles gerecht aufzuteilen. Yuri ging erst ab seinem zweiten Geburtstag in die Kita. Und in diesen ersten zwei Jahren habe ich nur in Teilzeit gearbeitet, um so viel Zeit wie möglich mit Yuri verbringen zu können. Unser Tagesablauf ist eigentlich ziemlich klar, sodass wir auch nicht viel absprechen müssen.

Wolltet ihr von Anfang an ein Kind haben?

Svenja: So komisch das klingt, aber ich wusste immer, dass ich einen Sohn haben werde und dass der Yuri heißen wird. 

Pierre: Als wir uns kennengelernt haben, war mir klar, dass das Thema Kinder natürlich früher aufkommt, als wenn ich mit einer 25-Jährigen zusammen gekommen wäre. Als Yuri geboren wurde, war ich 30 und bereit für ihn. Es war für mich selbstverständlich, dass wir ein Kind bekommen werden. 

Und wie verbringt ihr euer Wochenende?

Pierre: Svenja muss am Samstag immer arbeiten und da verbringe ich den Tag mit Yuri. Meistens holen wir auf dem Nauener Markt etwas zu Essen und essen dann alle gemeinsam im Laden. Am Sonntag fahre ich mit Yuri zum Bäcker und wir lassen Svenja ausschlafen. Danach ist dann Familientag. 

Hat euch das Elternsein verändert?

Svenja: Ja, klar! Weil wir immer mit Yuri zusammen sind und keine Großeltern in der Nähe haben, kann man natürlich gar nicht immer das machen, was man vielleicht möchte. Wir sind beide sehr kreativ, aber die Kreativität können wir natürlich nicht richtig entfalten. Aber ich weiß ja auch, dass das irgendwann wieder kommen wird. Mir tut es schon wahnsinnig gut, dass ich nach zwei Jahren wieder arbeiten kann. In der Elternzeit habe ich auch angefangen zu stricken, denn ich musste dringend mal etwas anderes machen. 

Pierre: Ich habe viel mehr Energie, denn ich schätze jede Sekunde viel mehr als vor seiner Geburt. Ich versuche einfach immer, Yuri in alles zu integrieren. Wenn ich zum Beispiel Möbel restauriere, hilft er mir oder wenn ich für die Arbeit Videos schneide, dann sitzt er auch mal auf meinem Schoß. Und außerdem bessere ich durch ihn mein Französisch wieder auf, denn mit ihm spreche ich nur in dieser Sprache. Ich wurde zwar in Großbritannien geboren, aber meine Mutter ist Französin und es ist meine Muttersprache. 

Was ist das Schönste am Elternsein? Und das Schwierigste?

Svenja: Das Schönste ist die körperliche Nähe. Ich liebe es, mit ihm zu kuscheln. Das Schwierigste ist, dass der eigene Egoismus und die Kreativität darunter leidet. Man möchte eine gute Mutter sein, muss aber auch aufpassen, dass man seine eigenen Wünsche und Bedürfnisse erfüllt.

Pierre: Das Schönste ist, zu sehen, wie er sich entwickelt. Und Yuris Faszination für die simplen Dinge überträgt sich auch auf mich. Das Schwierigste ist, immer die richtige Balance zu finden. Ich möchte ihm genug Aufmerksamkeit schenken, ihn aber nicht verwöhnen. Ich muss lernen, ihn loszulassen, will aber auch nicht zu weit loslassen. 

Liebe Svenja, lieber Pierre, vielen Dank für das spannende Interview!

Ihr habt noch nicht genug? Das Interview mit der alleinerziehenden Vierfach-Mama, Julia, lest ihr hier.
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