„Aber bitte nicht wegschmeißen!“ – über das Sammeln von Kinderschätzen

Mein Hauseingang ist sehr schön. Vor der Tür stehen dekorative Laternen und bunte Blumentöpfe. Der Besucher wird herzlich willkommen geheißen … wenn er es geschafft hat, über Berge von Steinen, Stapeln von Stöcken aller Größen und eine Batterie von Kronkorken zu steigen, dekorativ auf zwei Quadratmetern angeordnet. Selbst mein sonst schweigsamer und eher grimmiger Paketbote hat sich letztens darüber amüsiert („Da sieht man mal, wie viel in diesem Haushalt getrunken wird!“).

Diese Schätze bringen meine beiden Jungs jeden Tag aus Kindergarten und Hort oder Ausflügen aller Art mit. Die Kinder laufen mit dem Blick nach unten, man muss sie vor roten Ampeln und Laternenpfählen schützen, ich scherze nicht. Vor der Haustür werden die Fundstücke liebevoll ausgeräumt und täglich neu dekoriert (oder am nächsten Morgen vor dem Anziehen der Jacken von mir augenrollend aus den Taschen vor die Tür gekippt).

Letzte Woche war ich mit den Jungs beim Friseur (Glücksfaktor 2 von 10 Punkten), danach in der Dönerbude nebenan (Glücksfaktor 8). Die wahren Jubelschreie gab es im Anschluss. Mit den Fingernägeln wurden viele, viele Kronkorken vor der Dönerbude aus dem Boden geklaubt (Glücksfaktor 10).

Den haben wir noch nicht!

Am Wochenende darauf wurde das Glück sogar noch gesteigert: Wir haben Freunde in Berlin besucht! Auf dem Weg zum Spielplatz kamen wir an diversen Spätis und Parkbänken mit vorgelagerter Kronkorken-Ansammlung vorbei und zahlreiche Schätze wurden mir zur Aufbewahrung übergeben.

Mit „Den haben wir noch nicht!“, „Aber bitte nicht wegschmeißen!“, „Das ist mein Lieblings-Deckel!“ oder „Das ist ein Diamanten-Stock!“ wird der Elternschaft klar gemacht, dass man ihre heimlichen Entsorgungsstrategien schon durchschaut hat.

Ähnlich ist es bei Steinen, die täglich in die Taschen gestopft werden, bis diese nicht mehr zugehen und die Kinder angesichts des Gewichtes kaum noch laufen können. Allein der Sandkasten-Sand in den Schuhen hindert sie vor dem Umfallen.

Auch Stöcker aller Art gehören zu den wertvollen Fundstücken, der letzte – „Den brauch ich unbedingt, Mama!“ war ungelogen mehr als zwei Meter lang und liegt seitdem vor unserem Garten und wird nicht mehr angeschaut. Und da die Entsorgung nicht so ganz einfach ist, sammle ich nun für das nächste Osterfeuer. Wer Schrauben, Muttern oder Unterlegscheiben braucht – bitte melden, wir finden bestimmt die richtige Größe in unserer Sammlung.

Unser letzter Urlaub ging ans Meer und während andere Familien an einem Tag mit Regen und Sturm verzweifelt sind, waren wir am Strand. Schätze sammeln. Wir reden hier nicht von schönen Muscheln, Steinen oder Hühnergöttern. Die Jungs sammelten von den Wellen angespülte bunte Plastikdeckel, Weinkorken und kleine gelbe Plastikzylinder mit Loch – ich weiß bis heute nicht, was es ist (Will ich es wissen?), aber es gab sehr viele davon. Auch ein Flummi war mit dabei.

Auch an mich wird gedacht. Wir sind letztens am Rathaus vorbei, von der letzten Trauung im Standesamt lagen noch Herzen aus Glitzerpapier auf dem Weg. Bis aufs letzte wurden sie aufgelesen und mir feierlich überreicht – „Weil wir dich so lieb haben, Mama!“ Ich habe sie alle aufgehoben. <3

Ich freue mich, durch meine Kinder einen entscheidenden Beitrag zur Sauberkeit der Strände und Straßen zu leisten. Kennt ihr eine Ecke, wo richtig viel Dreck rumliegt? Teilt es mir mit, wir kommen vorbei!

Und was sammelt ihr so?

Für alle, die noch mehr aus dem Leben einer Mutter lesen wollen: „Mama, der Packesel (Ode an die Dankbarkeit)

 

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