„Wir wollen Orte für alle schaffen.” Hinter den Kulissen von Potsdams Spielplätzen

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Spielplätze sind Orte, an denen Kinder Abenteuer erleben, Eltern durchatmen und Nachbarschaften zusammenkommen. Doch hinter Schaukeln, Rutschen und Klettergerüsten steckt viel mehr, als man auf den ersten Blick ahnt: Planung, Pflege und ein waches Auge für Sicherheit und Bedürfnisse der Nutzenden. In Potsdam kümmert sich die Arbeitsgruppe „Freiraum- und Spielplatzplanung” um die mehr als 150 kommunalen Spielflächen im Stadtgebiet (erkennbar an den großen blauen Spielplatz-Schildern). Im Gespräch erzählen uns Lena Haack (rechts im Bild) und Sina Brandenburg, wie neue Spielplätze entstehen und welche Herausforderungen der Job mit sich bringt.

Liebe Frau Haack, liebe Frau Brandenburg, zunächst ein großes Lob. Wir lieben Potsdams Spielplätze und finden, Sie machen einen tollen Job! Was genau gehört eigentlich alles zu Ihren Aufgaben?

Lena Haack: Danke, ich liebe meinen Job! Wir sind insgesamt vier Frauen in der Arbeitsgruppe „Kommunale Freiraum- und Spielplatzplanung”. Wir kümmern uns um die Planung neuer Spielflächen, die Sanierung vorhandener Spielplätze und um den Unterhalt – also die Pflege, Instandhaltung und insbesondere die Sicherheit der Spielgeräte.

Sina Brandenburg: Dafür gibt es einen eigenen Spielplatzwart und zusätzlich vier Personen in der Kontrolle. Jeder einzelne Spielplatz wird einmal in der Woche einer Sichtkontrolle unterzogen, einmal monatlich einer Funktionskontrolle und einmal jährlich einer Hauptinspektion.

Wow, das ist viel bei mehr als 150 Spielplätzen.

Sina Brandenburg: Wie häufig die Spielgeräte kontrolliert werden und welche Wartung zu erfolgen hat, geben die jeweiligen Spielgerätehersteller vor. Darüber hinaus richten wir uns nach den Vorgaben aus europäischen Richtlinien und des kommunalen Versicherers. Die Sicherheit und die technisch einwandfreie Funktionstüchtigkeit der Spielgeräte stehen im Fokus. Zu den regelmäßigen Arbeiten gehören außerdem die Pflege der Tennen- und Rasenflächen, etwa von Bolzplätzen, die Kies- und Sandreinigung, das Auffüllen loser Fallschutzmaterialien, das Leeren von Abfallbehältern sowie die Baumpflege und der Rückschnitt von Sträuchern.

Lena Haack: Die Plätze sind unterschiedlich groß. Elf davon haben wir als „Spielwelten” deklariert. Diese sind größer, sprechen alle Altersgruppen an und sind besonders gut besucht – auch über die Nachbarschaft hinaus. Dazu zählen etwa der Spielplatz auf der Freundschaftsinsel, die Westkurve oder der Plantagenspielplatz in Babelsberg. Hinzu kommen 111 Spielplätze und 31 Spielpunkte, an denen beispielsweise nur ein einzelnes Spielgerät steht. Im Rahmen des Stadtentwicklungskonzepts Spielflächen standen uns in den letzten Jahren mehr Gelder zur Verfügung, und wir konnten viel bewegen.

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Was macht Ihnen am meisten Spaß – und was sind die größten Herausforderungen?

Lena Haack: Die größte Freude ist es, wenn wir einen neuen Spielplatz bauen oder einen alten sanieren und merken, dass er funktioniert, angenommen wird und sich alle über das bessere Angebot freuen. Besonders schön ist es, wenn etwas entsteht, das es in Potsdam bisher nicht gab – wie der neue Pumptrack in Potsdam West (Kantstraße 14 a). Die bürokratischen Prozesse sind manchmal eine Herausforderung. Noch schwieriger – und in manchen Fällen auch verletzend – sind die immer schärfer formulierten Kritiken einzelner Bürger an unserer Arbeit. Das darf man nicht zu nah an sich heranlassen. Hilfreiche Rückmeldungen sind für uns dagegen sehr wichtig. Da wir im Hintergrund öffentliche Orte planen, versuchen wir immer wieder, mit den Nutzenden vor Ort ins Gespräch zu kommen, lesen Google-Rezensionen und fragen herum.

Wie wird entschieden, wo neue Spielplätze entstehen?

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Lena Haack: Neue Standorte werden unter unserer Zuarbeit von der Stadtplanung festgelegt. Auch das Stadtentwicklungskonzept Spielflächen benennt unterversorgte Bereiche, die wir berücksichtigen. Aufgrund der starken Flächenkonkurrenz in Potsdam gibt es allerdings kaum noch neue Standorte. Bei privaten Bauvorhaben verpflichtet die Kinderspielplatzsatzung Bauherren, bei mehr als drei Wohnungen auf dem eigenen Grundstück einen Spielplatz zu errichten. Zurzeit gibt es Überlegungen, diese Satzung abzuschaffen, um Baugenehmigungsverfahren zu vereinfachen. Das wäre für die wohnortnahe Versorgung mit Spielplätzen eine Katastrophe.

Sina Brandenburg: In unserem Bereich geht es vor allem um die Sanierung bestehender Flächen. Oberstes Gebot ist die Sicherheit. Wenn absehbar ist, dass sich der Zustand verschlechtert und der Austausch einzelner Teile zu teuer oder zu zeitintensiv wird, kommt ein Spielplatz auf die Sanierungsliste.

Was ist Ihnen bei der Gestaltung wichtig?

Lena Haack: Wir möchten, dass Kinder sinnliche, motorische und soziale Erfahrungen machen können. Deshalb arbeiten wir viel mit Holz. Das Material ist haptisch warm, gleichmäßig und langlebig. Bei Neuplanungen gehen wir möglichst auf die Situation vor Ort ein, wählen ein passendes Thema und eine entsprechende Farbgestaltung.

Werden dabei auch Wünsche der Bürger:innen einbezogen?

Sina Brandenburg: Die Wünsche von Kindern – den Spielplatzexperten schlechthin – sind für uns sehr wichtig. Aber auch erwachsene Nutzer rücken stärker in den Fokus, etwa bei der Planung von Calisthenics-Anlagen (Eigengewichtstraining an Geräten, Anm. d. Red.). Alle Wünsche erheben wir vor der Planung in Beteiligungsverfahren. Dabei arbeiten wir eng mit dem Kinder- und Jugendbüro zusammen, das die Beteiligungen konzipiert und moderiert.

Wie läuft der Prozess bis zum fertigen Spielplatz ab?

Lena Haack: Zunächst klären wir die Grundlagen: Vermessung, Leitungen, Baugrund, Kampfmittel, Bestandsbäume und Denkmalpflege – letzteres spielt in Potsdam eine große Rolle. Danach beginnt der Beteiligungsprozess. Vor der eigentlichen Planung analysieren wir den Ort sehr genau: Lage, benachbarte Spielplätze, Bevölkerungsstruktur, Entwicklungsprognosen und Probleme des bisherigen Angebots. Darauf aufbauend entsteht eine Ideenskizze, aus der Schritt für Schritt detaillierte Pläne werden. Am Ende stehen ein zeichnerischer Ausführungsplan und eine textliche Leistungsbeschreibung. Danach folgt die Vergabe, und nach Zuschlagserteilung kann der Bau beginnen.

Aus der Community kam häufig der Wunsch nach mehr Schatten – etwa durch Sonnensegel.

Lena Haack: Sonnensegel auf unbetreuten, städtischen Spielplätzen wird es in Potsdam nicht geben. Hintergrund ist ein tödlicher Unfall in der Schweiz im Jahr 2020. Wir bevorzugen Schatten durch Laubbäume, auch wenn diese langsam wachsen und in der Nähe von Fallschutzflächen Probleme verursachen können. Alternativ versuchen wir, Schatten in Spielgeräte zu integrieren, etwa durch Dächer. Eine perfekte Lösung gibt es nicht – auch wegen Tages- und Jahreszeiten. Wir bauen nicht nur für den Hochsommer, im Winter wird Schatten oft als zu dunkel empfunden.

Ein weiterer Wunsch: Toiletten.

Sina Brandenburg: Der Wunsch ist nachvollziehbar, aber aufgrund der aktuellen Haushaltslage wird es in den nächsten Jahren keine neuen Toiletten auf Spielplätzen geben. Wir können nur auf bestehende Standorte mit Toiletten verweisen, etwa auf der Freundschaftsinsel oder im Volkspark.

Und wie steht es um Kaffeeautomaten auf Spielplätzen?

Sina Brandenburg: Das liegt nicht in unserem Kompetenzbereich. Grundsätzlich begrüßen wir aber das Zusammenspiel von Bistrowägen und Spielplätzen, wie etwa in der Schiffbauergasse.

Auch (mehr) Mülleimer stehen auf der Wunschliste.

Sina Brandenburg: Das ist ein Dauerbrenner. Auf allen Spielplätzen gibt es Abfalleimer, bei Neubau und Sanierung inzwischen auch sehr große. Dennoch sind viele Orte stark vermüllt. Hier braucht es ein Umdenken in der Bevölkerung. Mehr Abfalleimer allein lösen das Problem nicht.

Positives Feedback gab es zum Thema Inklusion.

Sina Brandenburg: Die Landeshauptstadt Potsdam hat zum Stadtentwicklungskonzept Spielflächen ein eigenes Inklusionskonzept erarbeitet. Inklusion verstehen wir als gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen – unabhängig von Herkunft, Geschlecht oder Behinderung. Das geht deutlich über reine Barrierefreiheit hinaus.

Lena Haack: Wir wollen Orte für alle schaffen – Orte der Begegnung. Ein schönes Beispiel ist der im Juli eröffnete Mehrgenerationenspielplatz in der Otto-Haseloff-Straße am Stern. Dort treffen Senior:innen aus dem benachbarten Heim auf Kindergartenkinder, es gibt Sportangebote, ein mit Rollstuhl befahrbares Karussell und eine große Picknickbank. Solche Tisch-Bank-Kombinationen integrieren wir möglichst überall – auch für Kindergeburtstage außerhalb der Wohnung.

Sina Brandenburg: Auch der Pumptrack in Potsdam West und der Skatepark in der Friedrich-List-Straße sind inklusiv und barrierearm geplant. Sie eignen sich für Rollsport aller Art, ganzjährig und ohne Eintritt. Hier passiert gerade viel – ein Thema, das in Potsdam lange vernachlässigt wurde.

Welche Projekte stehen als Nächstes an?

Sina Brandenburg: Für den Rollsport entsteht im nächsten Jahr ein geschützter Skatepark unter der Nutheschnellstraße (Höhe Friedrich-List-Straße). In den kommenden Wochen werden außerdem die Bauarbeiten in der Reiherbergstraße 17 in Golm, der Karl-Marx-Straße 2 in Babelsberg, am Dino-Spielplatz in Zentrum Ost (Humboldtring 77) sowie in der Von-Stechow-Straße in Fahrland abgeschlossen. Für das nächste Jahr sind die Sanierung des Urwaldspielplatzes in Waldstadt II sowie weitere Bauabschnitte am Dino-Spielplatz und an der Spadebowl in Drewitz geplant, hinzu kommt der Spielplatz Grünstraße in Babelsberg Süd.

Zum Abschluss: Ihr Lieblingsspielplatz in Potsdam?

Lena Haack: Mein Lieblingsspielplatz ist immer der, an dem ich gerade arbeite. Da hängt mein Herz dran – bis ich ihn für das nächste Projekt wieder loslassen muss. Besonders mag ich aber die Freundschaftsinsel und den Dino-Spielplatz.

Sina Brandenburg: Ich liebe besondere Orte, etwa den Spielplatz in Klein-Glienicke (Louis-Nathan-Allee 5) oder den frisch sanierten Spielpunkt in der Karl-Marx-Straße – mit Blick vom Schaukeln direkt auf den Griebnitzsee.

Liebe Frau Haack, liebe Frau Brandenburg, vielen Dank für das Gespräch! Wir wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg und freuen uns auf die neuen und sanierten Spielflächen.

Ihr habt Wünsche oder Hinweise? Das Team ist unter spielflaechen@rathaus.potsdam.de erreichbar. Aktuelle Mängel können außerdem über mitgestalten.potsdam.de/de/maengel-melden gemeldet werden.

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