„Was würden Ihre Töchter sagen, warum Sie eine gute Oberbürgermeisterin wären?“ Im Gespräch mit Kandidatin Noosha Aubel

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Habt ihr gewusst, dass es in Deutschland mehr Oberbürgermeister gibt, die Thomas heißen, als Frauen auf diesem Posten? (lt. Katapult Magazin, 2020) Wir denken: Es müssen viel mehr Frauen in die Politik! Wir sind besonders als Mütter viel näher an der Gesellschaft und ihren Bedürfnissen, arbeiten gemeinschaftsorientiert, empathisch, organisiert und effektiv und immer mit Blick auf eine gute Zukunft im Interesse unserer Kinder.

Wir begrüßen es daher sehr, dass Noosha Aubel für das Amt der Potsdamer Oberbürgermeisterin kandidiert, einzige weibliche Kandidatin und selbst Mutter einer 11- und 13-jährigen Tochter. Wir kennen und schätzen sie aus ihrer Zeit als Beigeordnete für Bildung, Kultur, Jugend und Sport, in der sie auch für die Potsdamer Familien viel geleistet hat. Nach sechs Jahren auf diesem Posten wechselte sie 2024 als Stadträtin nach Flensburg, unter dem Motto „Zurück für die Zukunft“ stellt sie sich am 21. September den Potsdamer:innen zur Wahl. Aus all diesen Gründen haben wir sie zum Gespräch eingeladen.

“Es soll sich für die Menschen in ihrem täglichen Leben etwas zum Guten verändern.”

Liebe Frau Aubel, als Beigeordnete für Bildung, Kultur, Jugend und Sport haben Sie aus unserer Sicht einen sehr guten Job gemacht und viele Menschen schätzten und mochten Sie. Warum haben Sie Potsdam damals verlassen und was hat Sie dazu bewegt, nun für das Amt der Oberbürgermeisterin zu kandidieren?

Die Antwort auf beide Fragen lautet für mich: Wirkung. Damals war ich an einem Punkt, an dem ich keine Wirkung mehr erzielen konnte. Nun sehe ich den Zeitpunkt, genau die Wirkung für unsere Stadt zu erzielen, die es braucht. Also Ergebnisse zu produzieren und nicht nur Konzepte. Es soll sich für die Menschen in ihrem täglichen Leben etwas zum Guten verändern.

Welche Projekte haben Sie in Ihrer damaligen Rolle umgesetzt oder angestoßen, auf die Sie besonders stolz sind?

Zum Beispiel die Schaffung von weiteren Schulplätzen, z.B. die Privat-Öffentliche Partnerschaft die zur Michael Ende Schule in Babelsberg geführt hat. Das war ein Novum. Die Sonntags-Öffnungszeit der Bibliothek ist eine echte Errungenschaft. Hier war ich erst letzte Woche und das ist ein sehr großer Mehrwert für Familien. Auch die Mittagessenlieferung während der Corona-Zeit, die Familien ganz niederschwellig geholfen hat. hat. Hier konnten wir beweisen, was Verwaltung kann. Und ich habe Potsdam wieder als kommunalen Kita-Träger etabliert. Das sind Ergebnisse, die mich anspornen, weiter zu machen.

“Potsdam ist für mich ein ganz besonderer Ort.”

Was bedeutet Ihnen Potsdam – nicht nur als Politikerin, sondern auch als Bürgerin?

Potsdam ist für mich ein ganz besonderer Ort. Ich bin damals nicht im Gram gegangen, ich verbinde mit Potsdam viele positive Dinge und wunderbare Menschen, die ich kennenlernen und mit denen ich zusammenarbeiten durfte. Ich liebe das viele Wasser hier und die Kultur in seiner unheimlich großen Bandbreite vom freiLand bis zum Barberini. Unsere Stadt hat echt viel Lebensqualität.

Was sind Ihre persönlichen Lieblingsecken in Potsdam? 

Da fällt es mir schwer, eine Auswahl zu treffen. Ich mag zum Beispiel die Freundschaftsinsel sehr oder den Volkspark und bin auch gern auf dem Wasser.

Was macht Potsdam für Familien heute schon besonders lebenswert?

Ich finde, wir haben ein sehr breites Angebot für Familien. Sowohl im Freizeitbereich mit dem Treffpunkt Freizeit oder dem wieder eröffneten Strandbad oder auch den Bürgerhäusern in den Stadtteilen. Viel Natur und grün. Und inzwischen auch ausreichend Kita-Plätze und ein gutes Angebot im Schulbereich. Wenn man dann noch Bestandsmieter ist, ist Potsdam ein richtig guter Ort zum Leben.

Da sprechen Sie direkt einen wunden Punkt an: bezahlbarer Wohnraum und Wohnraum überhaupt. Gerade für Familien mit wachsendem Platzbedarf oft zum Verzweifeln.

Ja, das ist ein sehr komplexes Thema, auf das es nicht die eine Antwort gibt. Die meisten Bestandsmieter leben gut und vergleichsweise günstig. Sobald man jedoch eine neue Wohnung sucht, wird es schwierig und viel zu teuer.. Um es kurz zusammenzufassen: Es muss mehr gebaut werden, Wohnraum besser genutzt werden und die Verwaltung muss auch zügiger werden.

Als einzige Kandidatin haben Sie schon einmal in der Potsdamer Verwaltung gearbeitet. Welche Vorteile bringt das für die Wählenden mit sich?

Der größte Vorteil ist, dass ich weiß, wie die Potsdamer Verwaltung funktioniert und noch wichtiger, wie sie funktionieren kann. Das Rathaus hat unheimlich viel Potential mit hoch qualifizierten und motivierten Mitarbeitenden. Ich möchte, dass im Rathaus eine Haltung der Dienstleistung herrscht, dass wir Dinge möglich machen und so die Lebensbedingungen verbessern. Das wird kein Job, wo man im hübschen Kleid rote Bänder durchschneidet, hier ist echtes Anpacken gefragt. Das kann ich.

“Es braucht den Mut, einfach mal Dinge umzusetzen und auszuprobieren.”

nossha aubel kandidatin oberbürgermeisterin potsdam wahlDa sind wir wieder bei der Wirksamkeit.

Genau, mir ist es wichtig, einfach mal zu machen und beherzt Sachen umzusetzen, Strukturen zu verändern. Nicht alles kaputt zu reden. Es braucht nicht das 30. theoretische Konzept, sondern den Mut, einfach mal Dinge umzusetzen und auszuprobieren.

Wir finden Frauen in Führungspositionen super und denken, davon muss es noch viel mehr geben. Was bringen gerade Sie als Frau an Kompetenzen mit, die die anderen Kandidaten nicht haben?

“Frauen denken mehr im Team, sie suchen den Dialog.”

Vor dem Hintergrund der Mehrfachbelastung sind wir als Mütter sehr gut darin, viele unterschiedliche Bälle gleichzeitig in der Luft zu halten. Wir sind belastbar, können zügig die Rolle wechseln und sind geübt, schnelle Entscheidungen zu treffen. Es hat sich gezeigt, dass die Länder besser durch die Corona-Zeit gekommen sind, die von Frauen geleitet wurden. Frauen denken mehr im Team, sie suchen den Dialog. Männern geht es häufiger um sich, um ihren individuellen Machterhalt. Wir Frauen haben einen viel besseren Blick für strukturelle Benachteiligung, weil wir ihr regelhaft ausgesetzt sind.

Als Oberbürgermeisterin werden Sie einen großen Stab an Mitarbeitenden leiten, hier konnten Sie von der anderen Seite bereits Ihre Erfahrungen machen und hätten sich das eine oder andere sicher besser gewünscht. Welche Werte sind Ihnen hier wichtig?

“Wir rocken das jetzt!”

Verlässlichkeit, Integrität, Vorbild sein. Erwartungen klar zu artikulieren, aber in einem anerkennenden Kontext, Entscheidungen zu treffen und dafür Verantwortung zu übernehmen. In einer Führungsposition kann man nur erfolgreich sein, wenn es gelingt, viele mitzunehmen und Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen alle ihr Bestes geben können. Das ist keine One Women Show, dafür sind die Themen viel zu komplex. Die Expertise der Mitarbeitenden muss anerkannt werden und sich entfalten können. Manche brauchen hierfür klare Vorgaben, andere Freiraum – ich bin gut darin, das zu erkennen, was die Kolleg:innen brauchen. Dabei möchte ich Mensch bleiben und mir ist auch Humor sehr wichtig, ein freudvolle Arbeitsumgebung
zu schaffen mit Lust an der Sache – einem gemeinsamen „Wir rocken das jetzt!“.

Durch Ihre Arbeit als Beigeordnete kennen Sie den Familienbereich wie keiner der anderen Kandidaten. Dazu kommen Ihre Erfahrungen aus Ihrer Arbeit in anderen Städten und auch privater Natur. Sie haben selbst in Potsdam Kinder großgezogen und für Ihre Töchter Kindergartenplätze gesucht, sie eingeschult, die Herausforderungen beim Wechsel auf die weiterführende Schule und in der Freizeitgestaltung erfahren. Was sollte sich hier in Potsdam verbessern?

“Es wird in Potsdam herausfordernder, je älter die Kinder werden.”

Da muss man deutlich nach dem Alter der Kinder unterscheiden, es wird in Potsdam herausfordernder, je älter die Kinder werden. Im Kita- und Grundschulalter haben wir hier in der Stadt ein sehr gutes Angebot sowohl an Bildungsinfrastruktur als auch in der Freizeit, auch bei schlechtem Wetter. Spätestens beim Übergang in die weiterführende Schule wird es herausfordernd. Hier gibt es viele Kinder, die z.B. nicht an ihre Wunschschule kommen, auch das Freizeitangebot ist deutlich geringer, bei den Sportvereinen gibt es lange Wartelisten. Insgesamt gibt es zu wenig Orte, wo Jugendliche sich aufhalten können, ohne als Störung empfunden zu werden. Aber dieses vermeintliche Abhängen und sich treffen ist Teil des Aufwachsens, hier braucht es einfach mehr Orte im öffentlichen Raum, auch ohne vorgegebene Strukturen.

Hier könnte man Themen angehen wie selbstorganisierte Jugendräume, wo die Jugendlichen allein Verantwortung übernehmen und gestalten können, wie es derzeit schon im freiLand Jugendclub möglich ist. Der neue Pumptrack ist ein weiteres tolles Beispiel, Bolzplätze, Basketballkörbe. Frei nutzbare Orte auch außerhalb von Vereinen. Hier sollten die Jugendlichen mit einbezogen werden und gefragt werden, worauf sie wirklich Lust haben. Und zwar mit
zeitgemäßen, digitalen Abstimmungsmöglichkeiten. Andere Städte haben zum Beispiel das Deutschlandticket zum Schülerticket gemacht, das wäre auch für Potsdam toll, damit die Nähe zu Berlin viel besser genutzt werden kann. Oslo hat eine Bibliothek nur für Kinder und Jugendliche. Das ist toll. Ein echter dritter Ort, also ein Treffpunkt außerhalb von Zuhause und Schule. der zur sozialen Interaktion und Gemeinschaftsbildung beiträgt.

Man merkt, dass Sie sich unheimlich gut in Potsdam auskennen. Seit ihrer Kandidatur sieht man sie viel an den verschiedensten Potsdamer Orten mit Verantwortlichen und Bürger:innen im Gespräch. Welche Rolle spielt Bürgerbeteiligung für Sie in der Stadtpolitik?

Das spielt für mich eine total wichtige Rolle. Wir Politiker:innen sind oft in der eigenen Blase. Mir ist wichtig zu erfahren, was die Herausforderungen der Menschen sind, welche Vorstellungen und Ideen sie haben und welche Veränderungen sie erwarten. Das aber nicht nur als Alibi, sondern ernst gemeint Chancen und auch Grenzen der Beteiligung aufzeigen. Zuhören, Entscheidungen treffen und diese dann erklären.

Wir Frauen sind oft viel zu leise, was unsere Bedürfnisse angeht, was zum einen an der Sozialisierung liegt, zum anderen auch an der fehlenden Zeit z.B. bei uns Müttern. Sehen Sie Möglichkeiten, Frauen und Mütter stärker in politische Entwicklungen einzubeziehen?

“Frauen und Mütter sind auch in der Kommunalpolitik unterrepräsentiert.”

Mir ist insgesamt sehr wichtig, dass wir auf echte Beteiligung setzen, dahin zu gehen, wo die Menschen sind. Und nicht Sprechzeiten anzubieten, wo es z.B. für Mütter nicht möglich ist, sich Zeit zu nehmen. Warum nicht am Samstag vor den Supermarkt stehen? Oder am Rande des Sommerfestes der Schule? An Orten sein, an denen Frauen überproportional arbeiten. Die Hürden müssen hier verringert werden. Frauen und Mütter sind auch in der Kommunalpolitik unterrepräsentiert. Hier können wir die Chancen der Digitalisierung besser nutzen und Sitzungsteilnahme und Mitbestimmung hybrid ermöglichen. Wir Frauen müssen uns wechselseitig viel besser unterstützen und solidarisieren, statt uns als Konkurrentinnen wahrzunehmen. Das können Männerviel besser, Seilschaften bilden und sich gegenseitig nach vorn schieben.

Sie sind parteilos. Welche Vorteile bringt das mit sich?

Ich bin nur den Menschen dieser Stadt verpflichtet und keiner Partei. Ich kann über die Themen und deren Sachinhalte argumentieren und nicht nur, weil das Parteilinie ist. Für jedes Thema müssen parteiübergreifend Mehrheiten organisiert werden, um es umsetzen zu können. Mit dem gemeinsamen Bild, gutes Leben in Potsdam zu ermöglichen.

Was würden Ihre Töchter sagen, warum Sie eine gute Oberbürgermeisterin wären?

Ich kann gut Dinge umsetzen, Dinge erklären und ich hab meistens gute Laune.

Was möchten Sie den Menschen in Potsdam mitgeben, die noch unentschlossen sind, ob sie zur Wahl gehen sollen – oder wen sie wählen sollen?

Bitte nehmen Sie Ihr Grundrecht der demokratischen Mitbestimmung unbedingt wahr. Ich stehe für ein lebenswertes, zukunftsfähiges und gerechtes Potsdam für alle. Wenn Sie noch Fragen haben, melden Sie sich bei mir! Zum Beispiel über meinen Instagram-Kanal, Facebook, Bluesky oder
LinkedIn.

Liebe Frau Aubel, wir danken Ihnen für das Gespräch und wünschen Ihnen viel Erfolg!

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