Fast jeder hat schon einmal etwas verloren: Schlüssel oder Handy, das Lieblingskuscheltier des Kindes oder sogar die Geldbörse. Diese Sachen landen oft im Potsdamer Fundbüro. Theresa Köhler und Diana Jannasch nehmen hier täglich die unterschiedlichsten Gegenstände entgegen oder geben sie an glückliche Suchende zurück. Schaut mit uns hinter die Kulissen und erfahrt, welche kuriosen Fundstücke hier schon gelandet sind.
„Wir sind sehr glücklich, wenn die Fundsachen wieder ausgegeben werden können.“
Zu Besuch im Fundbüro der Landeshauptstadt Potsdam
Liebe Frau Jannasch, liebe Frau Köhler, die Regale hier sind gut gefüllt. Wie viele Fundstücke lagern derzeit bei Ihnen?
Das sind etwa 2.000, pro Woche kommen im Durchschnitt 40–60 dazu. Ein Teil stammt von privaten Findern oder der Polizei – etwa aus Straftaten. Der Großteil jedoch kommt über die Verkehrsbetriebe, die uns jede Woche Donnerstag alles schicken, was in Bus und Bahn so liegengeblieben ist.
Welche Dinge werden am häufigsten abgegeben?
Das sind vor allem Schlüssel, Handys und die kleinen Kopfhörer, Sportbeutel und Geldbörsen. Aber auch jede Menge Kleidung, Bücher, Taschen, Schirme und vieles mehr füllen unsere Schubladen und Regale, dazu kommen einige Fahrräder.
Wie gehe ich vor, wenn ich etwas verloren habe?
Ist der Verlustort bekannt, erst einmal dort nachfragen, z.B. bei den Verkehrsbetrieben oder im Schwimmbad. Andernfalls uns kontaktieren und die Verlustsache möglichst genau beschreiben und idealerweise Fotos mitschicken. Sehr hilfreich ist auch der deutschlandweite Fundservice verlustsache.de, der auch außerhalb unserer Öffnungszeiten genutzt werden kann und auf dessen Datenbank wir zugreifen und die Personen kontaktieren können. Man kann auch direkt vorbeikommen.
Wie sieht ein typischer Arbeitstag aus?

Am Morgen sichten wir zunächst die neu eingetroffenen Fundsachen und versuchen, die Eigentümer zu ermitteln. Wir haben hier eine eigene Datenbank mit allen, die sich direkt bei uns gemeldet haben, und die erwähnte deutschlandweite Datenbank. Dann gibt es über die Fundsachen selbst teilweise auch Hinweise zum Besitzer. Bei Handys z.B. über eingerichtete Notfallkontakte, auf die man auch bei gesperrten Geräten zugreifen kann. Hier können wir dann anrufen und bitten, die Fundmeldung an den Besitzer weiterzugeben. Bei E-Readern wie dem Kindle sind häufig Mailadressen hinterlegt. In Geldbörsen finden wir oft Ausweise oder Krankenkassenkarten, über die wir die Besitzer ermitteln können. Bei Ausweisen informieren wir den Bürgerservice – wenn sich die Person dort meldet und ein neues Dokument beantragen will, dann bekommt sie die Info, dass das alte gefunden wurde. Bei gestempelten Schulbüchern kontaktieren wir die Schulen.
Parallel beantworten wir eintreffende Anrufe, das sind an normalen Tagen etwa 15–20, und E-Mails, hier liegen wir meist bei 4–7 pro Tag. Dazu kommt der Besucherverkehr, das sind manchmal 15 Leute, manchmal mehr. Hier wird sich mitunter die Klinke in die Hand gegeben.
Was ist, wenn ich zu den Öffnungszeiten z.B. berufsbedingt nicht kann?
Zum Abholen vereinbaren wir auch mal separate Termine. Letztens hatten wir ein Handy hier von jemandem, der es dringend zurück brauchte, weil er Rufbereitschaft hatte. Da haben wir nach der Schließzeit noch auf ihn gewartet. Finder können die Sachen außerhalb der Öffnungszeiten auch im Bürgerservice abgeben oder in den städtischen Briefkasten vor dem Rathaus einwerfen, idealerweise in einem Umschlag mit Angabe zum Fundort und ggf. den eigenen Kontaktdaten.
Zahle ich beim Abholen meiner Verlustsache eine Gebühr?
Für höherwertige Fundsachen über 25 € wie Handys etc. gibt es eine Verwaltungsgebühr ab 6 €, darunter ist es kostenlos.
Was genau passiert, wenn jemand einen verlorenen Gegenstand abgibt?

Wir notieren Fundort und Funddatum und speichern es in unserer Datenbank. Dazu bekommt jedes Fundstück ein kleines Kärtchen angehängt. Bei höherwertigen Fundstücken, z.B. Handys oder Laptops, fragen wir den Finder, ob er einen Finderlohn beanspruchen möchte und ob wir die Daten weitergeben können, andernfalls kann es auch anonym abgegeben werden. Oft möchten die Finder auch keinen Lohn, freuen sich aber über ein Dankeschön. Das System zeigt uns, wann die sechs Monate Aufbewahrungsfrist abgelaufen sind, und alle paar Wochen gehen wir die Dinge durch und sortieren aus.
Kann ich die Fundsache selbst behalten, wenn sich kein Eigentümer meldet?
Es ist möglich, einen sogenannten Eigentumserwerb anzumelden. Kann das Fundstück innerhalb von sechs Monaten nicht zugeordnet werden, melden wir uns und der Besitz geht zum Finder über. Wurde die Sache bei uns gelagert, ist nur die Verwaltungsgebühr zu bezahlen. Wenn man die Fundsache zu Hause aufbewahrt, entfällt diese.
Was passiert mit den anderen Sachen, die nicht abgeholt wurden?

Das meiste geht in unsere halbjährlichen Versteigerungen. Alles, was nicht versteigerungswürdig ist, muss vernichtet werden. Wenn z.B. ein Name drinsteht, es sehr dreckig oder defekt ist. Verschrottung ist immer das letzte Ziel, wir bemühen uns, möglichst nachhaltig zu sein. Aber das ist leider z.B. bei technischen Geräten noch notwendig, denn die Datenbereinigung wäre zu aufwändig. Hier wird an einer zukünftigen Optimierung gearbeitet.
Wie laufen die Versteigerungen ab?
Sie sind auf der Webseite der Landeshauptstadt (potsdam.de) zu finden und werden mit zeitlichem Vorlauf z.B. über Social Media und andere Kanäle angekündigt. Die Versteigerung ist dann 10 Tage, von Donnerstag bis Sonntag, online. Über Recherchen legen wir einen Anfangspreis fest und die Preise laufen in der Zeit nach unten. Interessenten können direkt kaufen oder legen ihren Maximalpreis fest und der Höchstbietende bekommt dann den Zuschlag. Hierüber geht meist alles weg, ansonsten gibt es einen neuen Versuch. Bei der letzten Versteigerung waren es 91 Auktionsartikel. Größere Sachen werden einzeln verkauft, die kleineren Sachen bündeln wir zu größeren Paketen oder packen prall gefüllte Taschen, die sind immer sehr beliebt. Wir vereinbaren dann Abholtermine, manche Käufer stehen auch direkt am Montag vor der Tür.
Welche ungewöhnlichen Fundgegenstände wurden bei Ihnen schon abgegeben?
Da gab es schon einige. Dritte Zähne aus dem Krankenhaus. Ein Mischpult, Baseballschläger oder zuletzt ein ganzer Farbeimer, der in der Straßenbahn vergessen wurde. Zwei aufgepustete Schlauchboote und ein Kettcar. Paddelboot und Paddel.
Sind da nicht auch eklige Sachen dabei?
Manchmal ziehen wir uns Handschuhe an und machen die Fenster auf. Verderbliches wird gleich entsorgt. Nasse Taschen z.B. mit Schwimmsachen werden von uns zum Trocknen aufgehängt.
Was war das niedlichste Fundstück von einem Kind?
Hier sind schon einige süße Kuscheltiere oder Rucksäcke gelandet. Letztens hat ein Kind im Urlaub sein Schnuffeltuch verloren und hat sehr geweint, das haben wir dann nachgeschickt.
Welche Tipps haben Sie für Eltern, deren Kinder öfter mal etwas verlieren?
Alle Sachen mit Namenssticker oder noch besser mit einer Mailadresse versehen. Es gibt jetzt auch Namensaufkleber mit QR-Code, wo z.B. Mailadressen hinterlegt werden können. In Handys Notfallkontakte einstellen, auf die wir zugreifen können.
Gibt es auch besonders wertvolle oder sentimentale Dinge, die wieder zu ihren Besitzern zurückgefunden haben?
Dazu zählt auf jeden Fall ein Ehering, den ein Mann in seinem Potsdam-Urlaub verloren hat. Über die Gravur und Zusammenarbeit mit dem Standesamt konnten wir den Besitzer ermitteln und Kontakt aufnehmen. Generell sind die Leute immer sehr glücklich, wenn ihre Sachen gefunden und abgegeben wurden, da fließen auch Tränen. Manche haben das halbe Leben in der Geldbörse mit Kinderfotos usw. Oder persönliche Notizbücher und Kalender. Auch bei Handys sind die Leute froh, wenn die Sachen wieder da sind und nicht in andere Hände gelangen. Viele freuen sich auch, wenn sie ihren Schlüssel wiederbekommen oder ihre Dokumente nicht neu beantragen müssen. Wir sehen enttäuschte Gesichter, aber auch viel Freude. Manche können gar nicht glauben, dass ihre Sachen wie Geldbörsen oder Schlüssel hier abgegeben wurden. Wir selbst sind auch immer sehr glücklich, wenn die Fundsachen wieder ausgegeben werden können.
Vielen Dank für das Interview und all die Mühe, die Sie sich machen!
Tipps für euch:
- Sachen und Schlüsselbund mit Kontakt kennzeichnen (z.B. Handynummer oder Mailadresse)
- Notfallkontakte im Handy einrichten
- Schlüsselbund fotografieren, Schlüsselnummern notieren
- bei Fahrrädern Rahmennummern notieren und/oder codieren lassen (z.B. beim Fahrradhändler oder ADFC)
Fundbüro der Landeshauptstadt Potsdam
- Webseite: → potsdam.de/fundbuero
- Kontakt: fundbuero@rathaus.potsdam.de, 0331-289 1587
- Websuche: → verlustsache.de
- Besucheradresse: Yorckstraße 24, 14467 Potsdam
- Öffnungszeiten:
- Mo, Di, Do 10–16 Uhr
- Mi 12–18 Uhr
- Fr 8–14 Uhr
Fundbüro der Potsdamer Verkehrsbetriebe
In den ersten drei Tagen wird die Fundsache in der mobiagentur im Potsdamer Hauptbahnhof gelagert und dann an das Fundbüro der Landeshauptstadt Potsdam weitergegeben.
- Adresse: Bahnhofspassagen, Friedrich-Engels-Straße 99, 14473 Potsdam
- Öffnungszeiten:
Mo–Do 7:30–18 Uhr
Fr 7:30–16 Uhr - Kontakt: 0331-66 14 55
Bitte angeben: Beschreibung der Verlustsache, wann und in welchem Fahrzeug wurde sie verloren (Liniennummer, Uhrzeit, Fahrtrichtung).
Fundbüro blu & Kiezbad
Auch in den beiden Bädern bleibt täglich eine Vielzahl von Fundsachen zurück. Bitte meldet euch schnellstmöglich persönlich am Empfang, die Mitarbeitenden schauen dann gemeinsam mit euch nach. Dies ist nur für den aktuellen und den vergangenen Monat möglich.
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