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“Traut euch, zu gründen!” sagt Claudia von der Kuchenmanufaktur „Käthe und Agathe“

Ihr fragt euch manchmal, wie sinnvoll euer aktueller Job eigentlich ist? Ihr träumt vom eigenen Unternehmen und würdet gern den Schritt in die Selbstständigkeit wagen? So ging es auch Claudia Goldman, die Ende 2019 ihre Kuchenmanufaktur „Käthe und Agathe“ gründete und dabei vom Lotsendienst der Stadt Potsdam unterstützt wurde.

Wir haben Claudia in Groß Glienicke besucht und bei leckerem Kuchenduft erfahren, wie ihr die Gründungsidee kam und welche Tipps sie für Neugründer hat.

Liebe Claudia, was genau ist “Käthe und Agathe”?

Claudia Goldman: Dahinter verbirgt sich meine kleine Kuchenmanufaktur, in der von Seniorinnen frisch gebacken wird. Und zwar Kuchen, wie früher von meinen beiden Omas, Käthe und Agathe.

Wie viele verschiedene Kuchen hast du aktuell im Sortiment?

Aktuell sind es 9 – von Apfel-Walnuss über Schokokuchen bis hin zur veganen Linzer Torte. Die Rezepte sind von meinen Omas, wir berücksichtigen aber auch moderne Einflüsse – unser Karottenkuchen ist der beste in ganz Berlin und Potsdam!

Lecker! Wie komme ich an so einen Kuchen?

Den Kuchen wählt man mit einem Vorlauf von 2-3 Werktagen ganz einfach in unserem Online-Shop aus und wir liefern ihn dann frisch gebacken im Raum Berlin und Potsdam aus. Aktuell habe ich drei Omas, die hier in der Manufaktur backen. Weitere Omas haben sich schon gemeldet und ich freue mich immer über neue Bewerbungen von backfreudigen Rentnerinnen und natürlich auch von Opas.

    

Wer bestellt bei euch?

Kuchen geht eigentlich immer.

Das sind zum einen Privatkunden, die für ihre Hochzeit, Einschulung, runde Geburtstage oder ein Jubiläum Kuchen bestellen. Dann haben wir Unternehmen, die für Geschäftstermine oder Team-Meetings ein besonderes Catering möchten oder ihre Mitarbeiter zum Geburtstag überraschen. Das ist eine tolle Form der Wertschätzung und mal etwas anderes als ein Blumenstrauß oder ein langweiliger Gutschein, Kuchen geht eigentlich immer. Und es unterstützt den Team Spirit, denn der Kuchen wird in der Regel in der Firma zusammen gegessen. Und dann gibt es noch Cafés und Restaurants, die über uns mit geringstem Aufwand frisch Gebackenes anbieten können.

Wie kam dir die Idee zur Seniorinnen-Kuchenmanufaktur?

Ich habe vorher im Medienbereich gearbeitet und hatte in Agenturen, bei Fernsehproduktionen und verschiedenen Konzernen ganz unterschiedliche Rollen. Irgendwann habe ich mir jedoch die Sinnfrage gestellt und mich gefragt, was ICH eigentlich Sinnvolles auf der Welt beitragen kann und Gutes tun.

Da hinein spielten dann drei verschiedene Aspekte: Zum einen liebe ich Kuchen, meine Kindheitserinnerungen sind gespickt von den leckeren Kuchen meiner Omas. Ich habe irgendwann festgestellt, dass es gefühlt nirgendwo so gute Kuchen zu kaufen gibt. Sie sehen meist supergut aus, schmecken aber nicht.

Der zweite Aspekt ist die Veränderung in der Altersstruktur unserer Gesellschaft. Es gibt immer mehr ältere Menschen in Rente, die sich fragen, was sie jetzt mit ihrem Leben anfangen sollen. Sie sind fit wie ein Turnschuh, aber sitzen zu Hause mit ihrer Energie und Schaffenskraft. Da schlummert so viel Potential! Die Kinder sind aus dem Haus, im schlimmsten Fall ist auch der Mann schon verstorben. Die möchten etwas tun und nicht allein sein! Ein wichtiger Punkt ist auch das Thema Altersarmut und die Möglichkeit, sich zur Rente etwas dazu zu verdienen.

Anfang 2019 entstand daraus die Idee der Kuchenmanufaktur. Dieser Dreiklang – die Sinnfrage, das leckere Produkt von Expertinnen und etwas bewirken zu wollen in der Gesellschaft, das macht meine Idee aus. Und jetzt hab ich glückliche Omas, ein tolles Produkt und glückliche Kunden.

Für dich also genau der richtige Weg?

Es tut so gut, Gutes zu tun!

Absolut, ich habe es nicht bereut. Es tut so gut, Gutes zu tun. Wenn wir zusammen am Backen sind – es macht einfach so viel Freude! Bei keinem Job, den ich bisher gemacht habe, hatte ich am Ende solche Genugtuung. Und es gibt immer wieder so rührende Momente, die mich bewegen. Wie zum Beispiel diese Woche eine Mutter aus Neuseeland, die ihren Sohn zum Geburtstag in Berlin mit einem Kuchen überrascht hat. Zum Vatertag hatten wir mehrere Töchter, die ihren Vätern Kuchen geschickt haben.

Wie lief dein Gründungsprozess ab?

Als ich die Idee hatte, habe ich mich viel in Gründerforen aufgehalten und bin dann über den Gründertag in Potsdam auf den Lotsendienst aufmerksam geworden. Hier habe ich sehr dankbar das Angebot des Coachings angenommen. Mein Coach David Immel war wirklich toll und hat mir bei der gesamten Businessplanung geholfen vom betriebswirtschaftlichen Teil über das Bestimmen von Kundensegmenten bis zur Planung von Sortiment, Vertrieb und Kommunikation. Man schaut sich beim Coaching auch genau die eigenen Schwächen und Stärken an und überlegt, wo man sich Hilfe dazuholen sollte. Insgesamt hatten wir hier zehn gemeinsame Termine über ungefähr drei Monate und mein Coach war mir ein super Sparringspartner. Ich selbst war immer überzeugt von dem Konzept, aber es war sehr hilfreich, eine Meinung von außen zu bekommen, die alte Glaubenssätze aufbricht und hinterfragt. Wieso kann etwas gut funktionieren und wieso vielleicht auch nicht? Oder zu überlegen, ob der Kundennutzen wirklich in jeder einzelnen Aktivität klar wird, damit der Kunde überhaupt auch erreicht werden kann.

Was waren für dich die größten Herausforderungen?

Eine Gründung ist kein Sprint, es ist ein Marathon.

Die erste Herausforderung war die Erkenntnis, dass das Bäckereihandwerk ein geschütztes Handwerk ist. Es begann eine kleine Odyssee mit der Handwerkskammer, um die Genehmigung zu bekommen. Ich habe gebüffelt wie eine Irre, um sowohl eine umfangreiche theoretische Prüfung ablegen zu können als auch eine praktische, wo ich über sieben Stunden diverse Sachen backen musste.

Die jüngste Herausforderung war dann, mich durch Corona nicht aus dem Konzept bringen zu lassen. Das kam zum denkbar schlechten Zeitpunkt – ich war gerade 1,5 Monate am Markt und stand plötzlich vor der Frage, ob ich den Laden wieder dicht machen kann. Mir sind die Firmenkunden komplett weggebrochen und meine Seniorinnen konnten natürlich auch nicht zum Backen kommen, da sie als Risikogruppe geschützt werden mussten. Ich habe dann das Konzept umgedreht und mit der Initiative #backenfueroma selbst weiter gebacken.

Und natürlich habe ich mit der Gründung gespürt, was man vorher schon vom Hörensagen kennt – selbstständig ist tatsächlich „selbst“ und „ständig“. Das ist ja grundsätzlich die Frage der Gründung – gehe ich das Risiko ein oder suche ich mir eine Anstellung und weiß, dass ich ein festes Einkommen habe? Man muss schon zu 100% überzeugt sein von dem, was man tut, sonst hält man es nicht durch. Es gibt viele Täler, durch die man durch muss. Dafür kommen auch viele Bergfahrten.

Und was sind für dich die Vorteile der Selbstständigkeit?

Die Arbeit ist sehr vielfältig, man ist als 360-Grad-Mensch in alle Richtungen unterwegs und ich kann alles selbst gestalten und meine eigenen Ideale umsetzen. Es ist spannend, jeden Tag etwas dazu zu lernen und mich weiterzuentwickeln.

Was sind deine Tipps für alle, die selbst über eine Gründung nachdenken?

  • Traut euch und habt Mut! Getreu dem Motto „Machen ist wie wollen, nur krasser.“. Nichts ist schlimmer, als sich irgendwann die Frage zu stellen: Was wäre gewesen wenn…? Man weiß nie, wie etwas ausgeht, aber man hat es probiert. Habt keine Angst vor dem Scheitern oder davor, Fehler zu machen. Nur so kann man lernen und sich selbst weiter entwickeln. Verabschiedet euch vom Perfektionsgedanken, daran arbeite ich jeden Tag hart. (lacht)
  • Habt keine Angst davor, auch im “Alter” nochmal ganz neu anzufangen! Ich bin selbst über 50, aber am Ende ist man nie zu alt, seine eigenen Ideen zu verwirklichen! Und im Alter bringt man viel mehr Berufserfahrung mit als Leute, die frisch von der Uni kommen.
  • Bei der Ideenfindung für sein Vorhaben ist es total wichtig, das zu finden, was einem Spaß macht, denn nur dann kann man auch gut sein. Diesen Tipp gebe ich auch meiner Tochter, die ist gerade 18 und überlegt, wo es beruflich hingehen soll. Das kann auch kein anderer für einen beantworten, das kann man nur selbst.
  • Seid ein Marathonläufer, kein Sprinter. Und sucht euch einen Sparringspartner, zum Beispiel über den Lotsendienst. Bei der Wirtschaftsförderung stößt man auf Gehör und erfährt Unterstützung.

Welche Pläne und Visionen hast du für die Zukunft?

Ich wünsche mir, Erfolg zu haben und so viele Kunden zu generieren, um 20-30 Seniorinnen beschäftigen zu können. Ich arbeite auch bereits an Ideen, die über das Kuchenbacken hinausgehen. Schön wäre zum Beispiel eine Weihnachtsbäckerei mit Kitagruppen und Schulklassen. Ein Traum ist ein eigenes „Käthe und Agathe“-Café mit einer gläsernen Produktion.

Liebe Claudia, wir wünschen dir dafür alles Gute und danken dir für das Interview!


Ihr wollt auch gründen?

Der Lotsendienst Potsdam hilft auch euch beim Start in die Selbstständigkeit!

Jede Gründung benötigt eine gute Planung und Vorbereitung. Über den Lotsendienst Potsdam erhaltet ihr kostenfrei Unterstützung in drei Stufen:

  1. Zunächst gibt es eine persönliche Erstberatung rund um die Gründungsidee und das Lotsendienst-Programm.
  2. Es folgt ein Development Center zusammen mit anderen Teilnehmern, um euer Vorhaben weiter zu entwickeln.
  3. Das Kernangebot des Programms ist eine Einzelberatung mit einem professionellen Coach, mit dem ihr zum Beispiel gemeinsam ein Marketingkonzept entwickelt oder euren Businessplan für die Arbeitsagentur oder für die Bank schreibt.

Die Unterstützung des Lotsendienstes Potsdams ist für euch komplett kostenfrei! Am Programm teilnehmen können alle:

  • deren Wohnsitz sich in der Landeshauptstadt Potsdam befindet (wenn ihr nicht in Potsdam wohnt, schaut nach einem Lotsendienst in eurer Region)
  • die nicht schon selbstständig sind (also aktuell weder gewerblich noch freiberuflich angemeldet sind, auch nicht im Nebenerwerb)
  • die erwerbslos, sozialversicherungspflichtig oder geringfügig beschäftigt sind
  • die die Absicht haben, sich im Land Brandenburg im Haupt- oder Nebenerwerb selbstständig zu machen.

Mehr erfahrt ihr unter: www.lotsendienst-potsdam.de – dort findet ihr auch viele weitere Beispiele von Leuten, die den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt und erfolgreich gegründet haben.

Kontakt zum Lotsendienst:

Ihr seid noch unsicher? Am besten ruft ihr einfach mal beim Lotsendienst an, dort werden eure Fragen nett und kompetent beantwortet. Ihr erreicht die Mitarbeiter des Lotsendienstes unter:

0331-289-2889
lotsendienst@rathaus.potsdam.de

Lotsendienst in der Landeshauptstadt Potsdam
Bereich Wirtschaftsförderung
Friedrich-Ebert-Straße 79/81
14469 Potsdam

Stadthaus, Zimmer 1.100

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